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On our way

Leichtwindsegeln. Agustin an der Pinne.

11:52 Wir haben nen bisschen länger geschlafen, als geplant. Die Herde Fischer um uns herum sind schon alle weg. Die haben wahrscheinlich einen Wecker. Nun hangeln wir uns hoch am Wind die Küste entlang nach Süden. Der Wind flaut zwischendurch und hält nichts von den Vorhersagen. Wir sind froh wenn wir 4 Knoten Fahrt machen, glücklich, dass wir den Motor nicht brauchen. Das wird den ganzen Tag so gehen. Aber die Sonne scheint und wir sind glücklich. Es ist irgendwie zu vergleichen mit der Frühlingssonne in Deutschland. Nach all dem Regen haben wir die Breite erreicht, in der es statt 90% Regenzeit nur noch 50% Regenzeit ist, sagt der Almanac. Die Sonne wärmt, brennt einem aber nicht direkt das Hirn aus dem Schädel. Schöner Tag. Warten auf den Nordwind. Na gut, wenn er wenigstens bis zum Abend auf Ost dreht, wäre ich schon zufrieden.

Die Stimmung an Bord ist gut. Heute Morgen reden wir nicht viel. Das ist normal. Mal mehr, mal weniger. Ich trainiere mein Spanisch. Wenn wir reden, dann viel über Uruguay. Auf der Islas de Lobos sollen 200.000 Seehunde leben. Die Insel liegt 5 Meilen von Punta del Este entfernt. Das sind 15% der Gesamtbevölkerung Uruguays, auf einem Quadratkilometer. Ich glaube, Lonly Planet hat da einen Druckfehler gemacht. Das sind 5qm für jeden Seehund. Hmm. Wo soll denn der ganze Fisch herkommen, den die jeden Tag essen?

Route 66

Kann das Leben schöner sein?

Vor etwa einer Stunde Auffahrt „Banco do Albardao“ zur Route 66 nach Buenos Aires: Direkt auf die mittlere Spur und auf sechs Knoten beschleunigt. Segel gefiert und mit Halbwind geht es ab. Der Mast richtet sich auf, die LADY wird wieder bewohnbar. Ich schicke Agustin ins Bett. Die nächsten vier Stunden gehören mir ganz allein. Ein Wal bläst etwa fünf Bootlängen seitlich der LADY ab. Ob ich ihn aufgeweckt habe? Oder Johann, mit seinem unregelmäßigen Quietschen? Die Mondsichel beleuchtet die ganze Szenerie, ein paar Wolkenbänder ziehen Richtung Festland, dass etwa zwanzig Meilen querab an uns vorbeifliegt. Halbwind. Schöneres Segeln gibt es eigentlich nicht. Die Wellen fast querab, heben die LADY sanft hoch in den Himmel und auf der anderen Seite rutschen wir wieder runter. Reisegeschwindigkeit. Das ist wie mit 130 Sachen nachts über die Autobahn fahren, Cabrioverdeck offen und damit es spannender wird – Licht aus.

Das Segelrevier hat was. Es nicht das wochenlange Tradewindsegeln, wo der Wind eigentlich immer aus der gleichen Richtung kommt. Nein, die Systeme wandern fleißig zwischen Atlantic High und Südamerikanischem Kontinent vom Kap Horn und aus dem Rio de la Plata nach Norden. Der Wind dreht ständig und schnell und ein Pampero (SW) oder Sufrinido (SE), jeweils entstehend aus einem Trough nach einem Tief, kann einem mächtig für ein paar Stunden die Suppe versalzen. Na, das werden wir bestimmt noch erleben. Aber nicht morgen bitte. Erst mal ankommen.

Die Wettersysteme sind schnell, sagen die Bücher und andere Segler. Meine Gedanken und meteorologischen Investigationen richten sich im Moment hauptsächlich um die ersten 10 Tage nach Verlassen des südamerikanischen Kontinents, Richtung Kapstadt. Man soll knapp nach Durchziehen eines Tief schnell durchsegeln. Na toll. Schnell. Ich hab doch keine Rennziege als Boot. Ohne Rennziege muss man dann eben Glück haben oder man bekommt was auf den Deckel. Tja, sieht wohl so aus, als wenn wir ein paar ordentlich hohe Wellen zu Gesicht bekommen werden. No Risk no Fun. Wir segeln ja auch nicht zum Kaffeetrinken über den Südatlantik.

Da hängt schon wieder einer mit Blinker links hinter mir. Muss wieder raus. Nen bisschen an den Bändseln zupfen.



  • 22:59:00
  • 11.10.2010
  • 33°09.9390'S, 052°18.0200'W
  • 215°/5kn
  • Südatlantik, Brasilien
  • Punta del Este, Uruguay
  • 17°/1026hpa 3/8 ¼ Moon
  • 15°
  • 12-15kn/SEE
  • 2m/E

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