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Centolla und Dusche

Wetterfenster in Sicht

Unser heutiger Tag beginnt wie gewohnt grau in grau. Macht nix. Einen Vormittag Schule ohne das Röhren des Diesels ist auch mal ganz entspannt und Micha nutzt die kurze Trockenphase um den Diesel, den wir noch auf dem Deck fahren in den Tank zu leeren. Bei der bevorstehenden Passage über den Golfo de Penas, ungeschützt dem Ozeanschwell ausgesetzt, sind wir ganz froh, so wenig Gewicht wie möglich an Deck fahren zu müssen. 140 Liter fehlen noch, um den Tank gänzlich zu füllen und so nehmen wir Kontakt zu Ohio auf. Ohio lebt seit 20 Jahren in Puerto Eden, taucht nach Seespinnen, verkauft Muscheln, wenn auch letzteres durch die Marea Roja ein schwieriges Geschäft geworden ist. Doch er ist auch ein findiger Geschäftsmann und hat erkannt, dass die durchziehenden Fahrtensegler auf ihrem Weg zum Horn oder zurück in den Norden, Abnehmer für Diesel, Centolla und selbstgebackenes Brot sind. Er bietet seinen Diesel frei Haus an, sprich, er füllt 20 Liter Kanister und kommt direkt mit seiner Lancia längsseits. Auch wir nehmen das Angebot dankend an, natürlich nicht, ohne auch ein Kilo frisches Seespinnenfleisch zu erstehen. Lecker. Während Kanister um Kanister in unseren Tank wandert, quatschen wir über Familie, Kinder, Enkel und fragen, ob er vielleicht weiß, wo wir eine warme Dusche finden können, was derzeit in den patagonischen Kanälen ein absoluter Luxus ist. Vergleichbar mit einem Tag in einem 5 Sterne Wellness Spa. Na, klar, bei mir zu Hause, sagt er. Wenn ich den Boiler einheize, könnte ihr 1 ½ Stunden später zum Duschen kommen.

Gesagt getan. Am Nachmittag kommt Ohio mit der Lancia und kündigt das fertige Heißwasserspektakel an. Rein in die Regenklamotten, denn mittlerweile schüttet es wieder aus Eimern, und ab ins Haus von Ohio und seiner Senora. Wir packen zu klein gewordene Gummistiefel und Klamotten von Lena für die Enkeltöchter aus, gerngesehen Geschenke an einem Ort, an dem es keine Geschäfte gibt und geniessen die warme Dusche. Eine halbe Stunde später sitzen wir duftend im warmen Wohnzimmer der Familie, essen frischgebackenes Brot und trinken Tee. Der Sohn bringt die älteste Enkeltochter Camilla vorbei und wenig später spielen die drei Mädchen auf ausrangierten Matratzen im Nachbarzimmer Trampolin, während wir Erwachsenen über alte Zeiten, das Segeln und das Meer philosophieren. Das Leben hat sich verändert hier in Puerto Eden, erzählt Ohio der hier aufgewachsen ist und nach vielen Jahren in Punta Arenas und Puerto Natales zurückgekehrt ist. „Gesegelt und gerudert sind wir Fischer damals, als die Bucht in Eden noch jeden Winter zugefroren ist und wir Männer auf der Eisfläche Fußball gespielt haben.“ Doch jetzt, wo der Diesel immer teurer wird, arbeitet er daran, sein Boot wieder mit einem Segel auszustatten. Viel schneller kommt man damit voran, zumindest zurück, das spart Geld. Centollas fängt er mit Reusen, oder er taucht. Bis zu 50 kg des wertvollen Fleisches fängt er in zwei Stunden tauchenderweise im eiskalten Wasser. Eine eigene Konservenproduktion ist der Traum, den er derzeit versucht zu verwirklichen. Seine Senora ist eine gute Köchin, damit können wir richtig Geld verdienen.

Der Abschied fällt schwer, denn morgen müssen wir weiter. Die Gribfiles zeigen ein Hoch an, das sich über dem Golfo festsetzen wird und damit Südwind für Ende der Woche bringt. Das ist unsere Chance den Golfo bequem unter Segeln zu meistern, ein Wetterfenster, das man nicht ignorieren sollte. Kaum an Bord bricht Maya in Tränen aus und eröffnet uns, dass sie am liebsten hierbleiben will, bis wir wieder Nahrungsmittel einkaufen oder arbeiten müssen. Die Stege, die Häuser auf Stelzen, die kleine Gemeinde haben es ihr angetan. Erst der Blick auf die Karte und der Hinweis, dass wir ab nun häufiger solche kleinen Orte besuchen werden, beruhigen sie. Der Abschiedsschmerz war auch für mich immer schon der schwierigste Teil unseres Lebens unter Segeln. Ankommen, Freunde gewinnen, weiterfahren und wissen, dass man vielleicht nie wieder kommen wird. Zu wissen, dass es zu jedem Zeitpunkt viele Wege gibt die, man beschreiten kann, und das der eine den anderen ausschließt. Glücklicherweise wissen wir, dass mit jedem Abschied wieder neue Erlebnisse und Erfahrungen auf uns warten. Auf der anderen Seite des Golfo wartet eine Bucht mit Sandstrand. In unserem Outdoorkühlschrank warten 2 kg argentinisches Filetsteak, die unbedingt auf ein offenes Feuer müssen. Und morgen beginnt das Wetterfenster, das uns dorthin bringen wird.

In unserem Yachblog gibt es übrigens jede Mende Bilder vom Gletscherbesuch des Pius XI. Hier der Link: http://www.yacht.de/panorama/iron_lady/zu-besuch-beim-eisigen-papst/a71253.html






  • 22:21:00
  • 17.04.2012
  • 49°07.7100'S, 074°24.7200'W
  • Anchor
  • Puerto Eden / Chile
  • Golfo de Penas / Chile
  • 8°/ 999 hpa
  • 18kn, NW
  • -m

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