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Zivilisation

Die Hälfte des Weges ist geschafft

Ankerfall im Paradies! Der Garten Eden ist erreicht. Nur – Nun, im Garten Eden regnet es auch. 120 Menschen leben hier. Es gibt einen Kindergarten mit sieben Kindern, eine Schule mit wahrscheinlich ebensoviel Kindern, eine Polizei- und Armadastation und zwei oder drei Supermärkten, mit ein paar Flaschen Bier, Rum, Eiern, Mehl und Spülmittel. Es erinnert mich an Kalimantan, einem verlassenen Nest in Indonesien. Ich habe die Zeit dort sehr genossen. Damals sechs Wochen, hier werden wir wahrscheinlich 60 Stunden bleiben. Wir haben es eiliger, als bei der ersten Reise mit der eisernen Dame. Oder kommt mir das nur so vor? Es ist der Regen, der vor allen Dingen mich vorantreibt, nach Norden.

Fünf andere Boote liegen hier in Puerto Eden. Ein Schweitzer GFK Kat, drei Französische Aluslups, noch ein Schweitzer Einrumpf-Aluteil und wir. Die Stahl Lady. Früher haben wir Franzosen kennengelernt, junge Familien, mit vielen Kindern und alten Stahlbooten mit viel Charakter, aber der Trend geht eindeutig zu mehr Platz, reifere Crew, höherem Mast und Alu als Schwimmmasse. Aber das mit dem „Früher war alles besser!“, mag ich ja so gar nicht. Meine Haare sind auch gut grau geworden, also sollte ich nicht lästern.

An Land erkennt man die Segler gut. Ein Weg aus Holzplanken geht einmal um die Insel. Auf Pfählen, genauso wie die Häuser, die Schule, die Polizei. Die Segler laufen mit ausgerollten Kapützi aus der Segeljacke über dem Kopf, wegen dem Regen, und die sind sicherheitstechnisch eben immer signalgelb. So sieht man sie, die Segler, die froh sind mal von ihrem Boot runterzukommen, wirklich brauchen tun sie nichts, außer Diesel.

Das mit dem Diesel ist dann so die Sache. In dem dicken Wälzer der Italiener steht, dass es nicht immer Diesel gibt und drei der vier anderen Boote waren zusammen am letzten Ankerplatz. Einer ist dann mitten in der Nacht schon mal vorgefahren. On the run, sozusagen, um der erste zu sein, der vielleicht noch die letzte Tonne Diesel zuerst bekommt. No comment. Der andere Franzose hat seinen Sohn aus Frankreich, per Telefon, ein Fass vorreservieren lassen. Zur Sicherheit. Grins. Wir haben gut Lachen. Wir haben in Puerto Natales getankt. Ob wir Nachtanken? Müssen wir morgen mal sehen. Wir würden auch so hinkommen. Zumindest bis zu Insel Chiloe. Seit dem der Wind nicht mehr in Sturmstärke aus Norden bläst, brauchen wir auch nicht mehr so viel Vollgas fahren, auch die Heizung läuft weniger. Die Kinder turnen ohne Socken im Boot rum.

Neben dem überteuerten Diesel, 1,4 Euronen, von dem es genug gibt, ist das zweite Thema, wie viel man denn hochgekreuzt ist auf dem Weg durch die Kanäle. Also die Frage: Wie sportlich bin ich. Für Nathalie ist das unwichtig: „Wir machen Schule!“ Das da nicht bei 20 Grad Krängung geht ist klar. So hat eben jeder seine Prioritäten im Leben. Leben und Leben lassen. Die Kommunikation mit den anderen fällt also eher gering aus, was aber auch daran liegt, dass unser Französisch so schlecht ist. Beim Rundgang durchs Dorf fängt es an zu schütten, wir verziehen uns in einen Unterstand und der Schreiner des Dorfes lädt uns in seine Küche ein. Spanisch können wir gut. Der Schreiner und seine Frau sprechen so was Ähnliches. Sie kommen von der Insel Chiloe, da wo wir hin wollen. Wir sitzen um den Ofen in der Küche, aus dem geöffneten Fenster können wir seine Werkstatt unten am Ufer der Bucht sehen und seine Geschichte über sein Leben hören. Früher war auch hier alles besser. Als es noch keine Lachsfarmen gab, die ihre Aufzucht mit Tonnen von Antibiotika beifüttern. Das könnte Schuld sein daran, dass die rote, bei Verzehr tödliche Algenplage (Marea Roja), sich so ausgebreitet hat. Früher haben 200 Leute hier in Eden gewohnt, aber wegen der Marea Roja gibt es jetzt keine Jobs mehr. Und der Schreiner kann auch nicht mehr so viel Boote bauen. Aber vielleicht ist es auch wegen el Niño, wenn der Humboldstrom, der den Kril aus der Antarkis mit dem kalten Wasser nach Norden bringt einfach aussetzt. Oder la Niña, wenn der Strom plötzlich entgegengesetzt fließt. Das Weltklima sorgt auch im Puerto Eden für Veränderungen.

Wir erstehen zwei Flaschen Bier, setzten wieder über zu unserer schwimmenden LADY. Ohne Landleine heute mal, einfach vor Anker. Es regnet. Aber wem erzähle ich das. Die Kinder kochen mit Nathalie Lasagne ohne Käse, dafür mich Bechamel, wegen meiner Milchallergie. Ich sitze da, still, schaue zu. Ich bin stolz zwei so große, tolle Töchter zu haben. Die wachsen wie Unkraut, geht mir durch den Kopf. Maya kommt zu mir, setzt sich auf den Navigationstisch und liest vor was ich geschrieben habe. Es ist wunderschön so viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Da kann es so viel regnen, wie es will. „Mir doch egal!“






  • 20:35:00
  • 16.04.2012
  • 49°07.7100'S, 074°24.7200'W
  • Anchor
  • Puerto Eden / Chile
  • Golfo de Penas / Chile
  • 8°/ 1002 hpa
  • 5kn, NW
  • -m

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