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Grillen und Chillen

Einfach Urlaub

Rømø ist die erste dänische Insel auf der Westseite und direkt nördlich dem deutschen Sylt gelegen. Hier treffen sich bei entsprechend viel Wind die Kiter, die Surfer und die Strandsegler. Letzteres ist ein leichtes dreieckiges Gestell mit einem Rad an jedem Eckpunkt, einem Surfbordrigg in der Mitte drauf gestellt. Damit fahren die meist etwas älteren Herrschaften, ich sage mal so mein Alter, relativ schnell, aber unspektakulär den Strand bei Halbwind rauf und wieder runter. In dem Moment, wo es dem Kiter und Surfer zu langweilig wird und die ersten Kunststückchen geübt werden, meist entgegengesetzt der Schwerkraft, hört es bei den Dreiradfahrern auf. Oder habe ich da etwas beim Zuschauen nicht verstanden? Auf jeden Fall treffen sich alle am Abend wieder auf dem Campingplatz. Ausgewiesene Zonen am Strand, das finde ich sehr reizvoll, dürfen nämlich bis zur Wasserkante mit dem eigenen Auto befahren werden. Über Nacht darf man wohl aber nicht in seinem Wohnmobil bleiben.

Rømø reizt auch mit seiner Heidelandschaft. Es gibt ausgewiesene Wälder und Landschaften, auch Strandbereiche, wo man seinen Hund frei laufen lassen darf, ansonsten gilt generell Leinenpflicht, natürlich auch auf dem Campingplatz. Meine Frau Dr. Basara hat aber ganz klar gemacht, dass Hunde nicht keimfrei genug für Leukämie Patienten in der Regenerierunsphase sind. Lars sitz also in der Hundepension. Ganz glücklich, wie er in seinem letzten e-mail schreibt ;-)

Ich schwächel bei den Freizeitaktivitäten ordentlich. Bei Strecken über 1km bin ich direkt ordentlich aus der Puste. Ich habe das Gefühl, dass mein Körper full of poison shit ist. Mir ist das peinlich gegenüber meinen Kindern, die in ihrem smarten Alter nur so vor Power glühen und einfach keinen Tag ihres wunderbaren Lebens mit Untätigkeit verbringen wollen. Ganz begeistert sind sie von meinen Krankenhaus-Tablettendosen. Diese Dinger mit den den durchsichtigem Schiebeplexiglas und dem Fach für Morgens, Mittags, Abends, Nachts. Frau Dr. hat es sich nicht nehmen lassen mit jede Menge Pillen für meine Gesundheit mitzugeben. Keine Chemo, aber Antibiotika, Anti-Pilz Mittel, Aufbaustoffe etc. Sechs Pillen am Morgen, vier am Abend. Ich weiß, sind gar nicht so viele. Aber ich fühle mich Scheiße, wenn ich die morgens alle schlucken muss. In der Apotheke ist mir fast schlecht geworden. Dort sieht man ja auf der Quittung, was die einzelnen Mittel kosten. Ein bestimmtes Antipilzmittel kostet 5.940 Euro (100 Tabletten), dank meiner gesetzlichen Krankenkasse, zahle ich 10,00 Euro Zuzahlung. Mal ganz ehrlich, ohne Krankenkasse wäre ich doch schon tot. Wie machen die das nur in anderen Ländern ohne Krankenkassensystem?

Wir haben unseren Grill vergessen, haben auch gar keinen richtigen. Nathalie aber hat den richtigen Riecher und findet das Zeichen für öffentlicher Grillplatz auf der Rømø Karte. Wir kaufen ein bisschen was zur Drauflegen, Grillkohle und was man sonst noch braucht. Dann: Nix wie hin und hoffen, dass wir nicht 20 andere Griller neben uns haben. Wir grillen alleine. „Ist doch fast wie auf den Azoren.“, meint Nathalie. Das tut jetzt grade weh, weil, wie gerne wäre ich auf den Azoren, nebst meiner Familie, auf meinem Schiff? Viel zu gerne. „Nicht ganz!“, und ich versuche zu lachen um der Sache nicht zu viel Bedeutung zu geben. Unter einem offene Holzdach sind fünf Grillplätze angelegt. Einfache Bänke laden zum Verweilen ein. Die Kinder bowlen, ich kümmere mich um das Grillgut und Nathalie nimmt sich ein Buch. Ihr Zeichen für: Ich habe JETZT Urlaub. Sie hat es sich verdient. Es gibt eine Dose Bier dazu, die ich eher trinke, weil der Genußneid in mir aufkommt. Seit der Chemo schmecken mir keine alkoholischen Getränke mehr, die vorher wie das Sals in der Suppe, zu meinem Leben gehört haben. Der Geschmack von Rotwein und Bier ist mir zu wieder, einzig die Auswirkung, dass der folgende Schlaf viel tiefer und länger ist, reizt. Das Bewusstsein, dass mein Körper full of poison shit ist und für die nächsten Monate sein wird, beunruhigt mich, macht mich nachdenklich.

Stand Klingelbeutel: >1.000. Tausend Dank noch mal an alle Spender. Ich kann keine personalisierte Dankesschreiben für jede Spende schreiben. Ich find euch alle toll, wie ihr mich hier unterstützt.




  • 22:33:00
  • 21.08.2016
  • 55°09.7406'N, 008°32.5870’E
  • -°/ -kn
  • Rømø / Dänemark
  • Azoren / Horta
  • 18°C
  • 16kn/W°
  • -m

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