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Geben und Nehmen

Besuch geht, Besuch kommt

Heute morgen klopft es an der Bordwand. Unsere Liegeplatznachbarn, eine Chartercrew aus Montreal. „Hey, dürfen wir euch unsere Proviantreste geben, die sind zu schade zum Wegschmeißen!“ Wenige Minuten später wandert ein großer Karton Lebensmittel an Bord, die Kinder stoßen spitze Schreie der Begeisterung aus: „Guck mal! Würstchen und Ketchup und Sprite und Fanta!“ All das findet man nur selten in unserer Backskiste, ich freue mich mehr über das halbe Glas Dijon Senf und den Rest Bienenhonig von einem ökologischen Imker irgendwo im Quebecker Hinterland.

Zwei Stunden später sitzen wir in der Schulpause im Cockpit und eine deutsche Familie kommt vorbei, zwei Jungs um die 4 Jahre, Papa, Mama. Mama hält mir eine Büchse Dosengemüse entgegen, zugegeben, es ist eine große Büchse. 1 kg Gemüse ist da schon drin. „Könnt ihr die gebrauchen, unser Charterurlaub ist zu Ende und der Laden nimmt die nicht zurück.“ Na ja, eigentlich essen wir kein Dosengemüse, aber bei irgendeinem Potluck kann man sie sicher verwerten, oder einem Leuchtturmwärter etwas Gutes tun. Auf einem Fahrtenschiff wird selten etwas schlecht, also nehme ich die Dose entgegen. „Und was gebt ihr uns dafür? Die hat nämlich 11 CUC (9 Euro) gekostet, so an 5 CUC dachten wir schon, für die Dose. Ich muss geguckt haben wie ein Auto. Kurz zucken meine Finger Richtung Bordkasse, um dann doch die teure Dose wieder über die Reling zu reichen. „Dann schenkt sie lieber einem Kubaner, wir essen eigentlich gar kein Dosengemüse, 5 CUC lege ich lieber auf dem Markt in Frischzeug an.“ Etwas pikiert wandert die Dose wieder unter Mamas Arm.

Kaum ist die Familie von dannen gezogen, regt sich meine fest verankerte Moralinstanz über die Micha manchmal gerne lächelt. War das jetzt doof? War das anmaßend zu denken, die Dose sei ein Geschenk? Ist das normal, seine Proviantreste zu verscherbeln und ich bin einfach nur schon so lange unterwegs, dass mir der Realitätssinn abhanden gekommen ist? Nee, schließlich habe ich selbst schon unzählige Male vor Deutschlandurlauben den Kühlschrank geleert und Stegnachbarn mit dem Inhalt beglückt, habe in Chile unsere gesamten Bunkereinkäufe für den Pazifiktörn mit der Lady an die Segler verteilt und bin nicht im Traum darauf gekommen, Geld dafür zu verlangen. Noch nicht mal für Gemüsekonserven und seien sie noch so groß.

Ansonsten sind hier alle wieder gesund. Die Oma ist im Air Berlin Touristenbomber wieder gen Heimat geflogen und den nächsten Besuch, meine Freundin aus Grundschulzeiten mit ihrem Sohn aus Milano haben wir gestern in Santa Clara nach einem kurzen Geschichtsunterrichtstopp im Che Guevara Museum abgeholt. Langeweile kommt hier gewiss nicht auf!






  • 00:30
  • 06.04.2014
  • 22°07.5000'N, 80°27.1594’W
  • -°/-kn
  • Cienfuegos, Cuba
  • Deutschland/Cuba
  • 24°
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