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Own it!

Ich sitze bei Samantra. Ich habe die GPRS Einstellungen meines Handys beim rumspielen geloescht, Samantra weiss wie es geht. >>Und. Bist Du mit den Wahlen gluecklich?<< Die creolisch zarte Schoenheit schaut sich um wer im grossen Buero von XY zuhoert, beugt sich vorne ueber. >>Meinst Du wirklich, dass es nach fast dreissig Jahren nicht an der Zeit ist, frische Luft in unsere Regierung zu bringen?<< >>Klar eigentlich schon, ich habe auch noch niemanden hier kennengelernt, der nicht genau Deiner Meinung ist.<< Auf der Marktstrasse sitzen alte Maenner mit noch aelteren Schuhen und Stoecken als Gehhilfen. Dicke Muttis mit noch dickeren Kindern verzehren Fast Food aus Styroporschalen. Beim Inder im Kiosk stehe ich am Rand der Theke. Schlangen, mit hinten anstellen gibt es nicht, wer am lautesten groelt wird zu erst bedient. Die Ware: Zigaretten. Keine Packungen, ne, mal drei oder vier. Und Telefonkarten um das Haendy aufzuladen. Standardkarte 10 Rupees. (Zwei Dollar) Im Laden schraeg gegenueber gibt es Plastikwaren, Eimer, Naegel, Candies und Schreibwarenartikel. In allen Laeden gibt es etwas, aber in keinem etwas Spezielles. Die Tochter des Besitzers sitzt hinter dem billigen Schreibtisch, spricht mich an. Was ich hier mache. >>Urlaub?<< Ich druckse herum. Immer ne komische Frage, bei der ich mich selbst frage, was ich denn eigentlich hier mache. Ist das Urlaub? >>Nein, ich lebe hier. Auf einem Segelboot. Gekommen von Ost, gehe weiter nach Sued. Wissend zieht sie die Augenbraunen hoch. >>Mein Land ist krank. Keiner will ihn und doch jetzt sitzt er wieder da wo er schon fast dreissig Jahre sitzt.<< >>Meinst Du die Roten?<< >>Ja, die Roten.<< >>Komisch, 53 Prozent.<< >>Warum geht ihr nicht auf die Strasse?<< >>Weil dann die Polizei kommt. Manche ihren Job verlieren oder ihr Grundstueck oder schon mal einer einfach so verschwindet.<< Jetzt schaue ich mich um, wer unserer Konversation denn so zuhoert. Ich muss an meine Freunde aus den Bergen denken, an den Taxifahrer, der mir vor zwei Tagen fast die gleiche Geschichte zugefluestert hat und irgendwie schaue ich, dass ich sie nett anlaechel und zurueck auf die Strasse komme. Auf dem Rueckweg zu LADY komme ich am Buero von Eden Island vorbei. Ich klebe mit meiner Nase am Schaufenster. Dahinter ein Modell des artificial Islands >>Eden Island<<, ein paar Meilen suedlich von hier. Ein Paradies von ueber 40 Hektar, Paradies fuer die Reichen wird hier geschaffen. Nur ueber eine kleine Bruecke zum Festland verbunden 500 Einheiten, Apartments, Luxushaeuschen eigene Anlegestege. Die Inseln werden aufgeschuetten, darunter natuerliche Korallenriffe, keine zwei Meilen dahinter das Naturschutzgebiet St. Anne. Die Representantin der Gesellschaft spricht mich an, ich frage sie nach wie und warum, sie schaut auf meine abgeranzten Fahrtenseglergummischuhe, mein durchgeschwitzes Hemd. Foermlich sehen kann man ihre Gedanken im oberflaechlichen Gespraech, in einem der schicksten Ladenlokale Viktorias sehen: >>Manche Reiche muessen so rumlaufen. Haben kommt von Geizen.<< Wenn sie wuesste, dass ich unser Geld im Socken von Oma verwalte, wuerde sie mir keine der bestimm zehn Dollar schweren Hochglanzbroschueren mit Orginalphotoprints des Projektes in die Hand druecken. Ich schaue auf die Preisliste. 59qm, 305.000$US, na das geht ja fast noch. Im Impressum: Zwei suedafrikanische und ein australischer Rechtsanwaelte als Chairmen, Sitz der Gesellschaft, im Independence House, an der Independece Strasse, da wo auch die Immigration ist, zwei Haeuser neben dem Haus mit den dunklen Fensterscheiben, den Securityleuten mit den automatischen Waffen vor der Tuer und dem Soldat auf dem Dach. Ich muss an die Tochter des Ladenbesitzers denken. www.edenisland.sc Die Lady kommt morgen raus. Ein rostiger Kran wird sie an Land heben, ich werde das Ruder ausbauen und nachsehen, warum sich das Stevenrohr trotz eingebautem Ruder mit der Hand bewegen laesst. Irgendwie hab ich das Gefuehl das wir ziemlich Glueck hatten mit der LADY hier anzukommen und nicht in der feuerroten Rettungsinsel.

Unsere Windfahne wartet im Abendlich ab auf das was auf sie zukommt. Wind! Aber im Moment liegen wir romantisch in einer Bucht im Nordwesten von Mahe, glattes Wasser, fühlen uns etwas ausgebremst. Noch mal baden gehen, die Plicht noch sauber machen, ein paar Telefonate führen mit Familie und Freunden, ein letztes wichtiges Skype Chat. Maya spielt unendlich mit eimerweise Wasser und einem Becher. Ja, soll sie nur, denn die nächsten zehn Tage wird es ziemlich schräg werden, wenn die Lady, den Wind auf der Nase, in den Süden geht. Bisher konnte Maya noch nicht laufen, wenn wir gesegelt sind, jetzt ist die Situation eine andere. Natale wird sich hauptsächlich um Maya kümmern, ich um die Segel und all das, wie heißt es, stehende und laufende Gut. Na, wir sind selber gespannt, wie das funktionieren wird. Schon ein kleines Abenteuer, alles so neu, aufregend, nervenerregend und wie man es auch sonst noch umschreiben könnte. Panisch Jungeltern auf Weltumsegelung, vielleicht? ;-)

Morgen werden wir im Windschatten der Insel Mahe langsam in den SE Tradewind eintauchen um uns und unser kleines Mädchen an die Welle zu gewöhnen. Hoffentlich wird sie nicht zu sehr seekrank.

Der Weg führt vorbei an ein paar Inseln, Atollen, die wir anlaufen können aber eigentlich nicht wollen. Auch Madagaskar ist aufregend. Das Schönste am Segeln ist eben doch immer wieder neue Ziele anzulaufen, zumindest wenn man die Ziele dann erreicht hat.






  • 21:27
  • 01.08.2006
  • 04°37.51S, 055°04.41E
  • Victoria/Seychellen
  • -
  • 27°C
  • 2-3 SE
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