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Selten aber wahr: Mir fehlen die Worte.

Der Golfstrom – Mein Feind und Helfer

Die letzten drei Tage haben mich schon an den Rand meines Könnens und meiner Kraft als Skipper gebracht. Aus meiner Crew gibt es leider keinen, den ich als 1st Mate auf dieser Tour einsetzen kann. Die vier Stunden Schichten muss ich alle betreuen, die Segel gemeinsam so setzen, dass die Aufgabe der Wache auf Rundumblick beschränkt ist und für jedes Manöver oder besondere Vorkommnisse lasse ich mich wecken. Jeder Einzelne ist supernett und superlieb, aber wirklich aktiv mitsegeln kann noch keiner. Ist so und das stelle ich auch so im Meeting fest. Dann liegt es jetzt an mir, das in den nächsten Tagen zu ändern. Aufgabe. Wenn das darin endet, dass das Dichtholen einer Genuashot mit ausbildungstechnisch korrekt mit: Briefing, Anziehen der Rettungsweste, sicherer Stand, Vormachen, Nachmachen, alleine machen, Debriefing durchgeführt wird, dann sind wir doch falsch bei einer Atlantiküberquerung E-W. Wie lange soll die denn dauern? Skipper Micha dampft aus den Ohren. Hall o?

Wir haben ONO Wind 25 Knoten. Also voll auf die Nase. 30 Meilen nördlich von Varadero finden wir erwartungsgemäß den Golfstrom. In der Karte ersichtlich. Ich habe ja schon viele Stromengen gesegelt, also so schlimm wird es ja nicht sein und die MARLIN ist ja ein großes Schiff. Wir biegen ein mit Groß im zweiten Reff und Fock, am Wind was nur geht. Ein schräger Einstieg für CREW 45. Schnell haben wir 9-10 Knoten über Grund 6-7 Knoten unter Segeln am Wind und durchs Wasser erreicht. LEV-O-GAGE zeigt 25 Grad durchschnittliche Schräglage. Dazu gibt es nun Waschmaschine. Wellen von allen Seiten, standing waves, ripps, brakers. Es wird dunkel und meine Crew mach das Beste, was man in der ersten Nacht auf dem Schiff unter solchen Umständen macht. Bett und dann die Decke über den Kopf. Hana liegt auf dem Salonsofa, Helen hat sich eine Matraze auf den Salonboden gelegt. In der Vorkabine ist Kirmes. Draussen zeigt ein Bahamas Squall was er so kann und ich nehme blitzschne ll die Segel runter um Schäden zu verhindern. Die Dinger sind einfach unberechenbar. „So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Regen. Sturm. Das habe ich aber nicht so gebucht.“ In solchen Situationen habe ich diesen Spruch ja schon öfters gehört und ich grinse Helen an: „Wird schon noch. Hier muss es ja auch mal regen.“

Immer wenn wir der amerikanische Küste auf 5 sm nah kommen, machen wir eine Wende. Das geht die ganze Nacht so und das geht den nächsten Tag so, dass geht die zweite Nacht so und das geht den folgenden Tag ebenso. Der Himmel ist grau und am Horizont sehen wir die Skyline von Miami. Ich ändere alle sechs Stunden unsere Pläne zur Weiterfahrt. Bimini diskutieren wir, Freeport kommt als möglicher Stopp ins Gespräch. Immer noch ist die Verproviantierung das Problem. Mein Kopf fährt die „Wilde Maus“ mit mir. Ohne regelmäßigen, ausreichenden Schlaf wird man mittelmäßig durchgeknallt. Die üblichen Probleme bei einer solchen wilden Fahrt stellen sich ein. Ein Toilettensitz bricht, das marode Achterlieg und das Sunbrella UV Schutz am Achterlieg der Fog hängt am nächsten Morgen nur noch als Fetzen vom Segel, meine E-Zigarette bekommt ein Salzwasserbad über das offene Fenster im Deckshaus und ihr Lebenslicht verlischt, die Schlingerleiste vorm Besteckkasten bricht u nd Stephan kann diesen grade noch bewahren davor als Ufo durch die MARLIN zu schweben. Ich will nicht übertreiben, aber auch nicht untertreiben: Die Fahrt durch den Miami Channel bei Ost bis Nord Winden ist ein unvergessliches Erlebnis.

Nach der zweiten Nacht biegen wir Höhe Freeport nach Osten ab. Wieder aufkreuzen. Gegenan. Nun gegen den Atlantik, der mit seiner Öberflächenströmung aus vielen Tagen Ostwind durch die Bahamas mit zum Golf Strom will, um seine H2O Moleküle nach Spitzbergen zu schicken. Da sind wir jetzt. Waren die ersten Tage nun erfolgreich? Ich bin da nicht so der Meinung. Nathalie versucht eine Reparatur der Fock auf den Bermudas zu organisieren. Für den bevorstehenden Ritt zu den Bermudas kann man fast eh schon die Sturmfock anschlagen geht mir so durch den Kopf. Wir reiten weiter ohne Stop durch die Nacht. Der Bug der MARLIN gräbt sich wieder und wieder in die Wellenberge, schneidet die See in zwei Teile. Manchmal gewinnen auch die Wellen. Der Bug geht in den gefühlten Himmel, der Rumpf schlägt in der kommenden Welle aufs Wasser, Frontänen zu beiden Seiten, 30 Tonnen werden ausgebremst, der Mast zittert. Segeln, gegenan ist unromantisch laut und ungemütlich. Am Samstag soll der Wind auf SE drehen. Unsere Chance Bermudas anzuliegen.




  • 17:00:00
  • 03.05.2018
  • 23°11.4376’N, 081°07.5221’W
  • -°/ - kn
  • Bahamas
  • Bermudas
  • 28°C
  • 20 kn/ENE
  • 2,0 m

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