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Malboro Country

Traum oder Wirklichkeit.

Nachdem ich in Ushuaia wieder meiner alten Last, der Nikotinsucht verfallen bin, habe ich dann, wie es so meine Art ist, darauf verzichtet tonnenweise Zigaretten für die lange Fahrt durch die Kanäle mitzunehmen. „Mein Körper wird es mir danken!“, raunze ich mir selber zu; wenn ich am ersten Tag ohne Nikotinlevel im Cockpit stehe und etwas die Zähne zusammenbeißen muss. Das war es aber auch schon mit den Schwierigkeiten. Gibt ja kein Kiosk, wo man das schlechte Kraut kaufen kann. Jose, der Gaucho raucht natürlich am Stück eine nach der anderen, darum halten die Gauchos hier auch die Zügel der Pferde in einer Hand, damit in der anderen Hand eine Malboro vor sich hin glüht.

Wir verbringen den Sonntag wieder an Land, mit der Ausnahme, dass ich zwischendurch wegen schlechter Laune mal eben auf die LADY muss, die Bilge und den Wasserpass putze und gut ist. Yendegaia ist ein Traum. Das Tal bis zum Gletscher, hinter den drei Häusern am Strand ist so unglaublich, so unbeschreibbar, dass ich im Moment echt nicht weiß, wie wir hier jemals wieder wegkommen sollen. Zumal die Faszination Pferd mich und Nathalie nun auch voll erwischt hat. Es ist alles so kitschig, die Fotos sind so kitschig, wir fühlen uns wie in einem Malboro Werbespot, irgendwo am Ende der Welt. Ist ja eigentlich gar nicht unsere Welt. Micha und Nathalie in den Reiterferien. Grins. Ich lach mich tot. Hab mich ja schon früher in der Schule immer totgelacht über die Mädchen mit den Pferdepostern im Jugendzimmer, die sich den ganzen Nachmittag zwischen Pferdeäpfeln und Heuhaufen bewegt haben. Nathalie auch. Jetzt sitzen wir selber auf diesen doch sehr wendigen Tieren, durchqueren schlammige Steppen, reißende Gebirgsflüsse und klettern steile Berge rauf und runter. Bewundern unsere Kinder die im Sattel sitzen, als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätten. Hallo Wnuk. Alles klar? Traum oder Wirklichkeit? Charakter hat vor allen Dingen Jose, der Gaucho. Er hat die ganze Gruppe im Griff, vor allen Dingen die Kinder. Die Anweisungen sind dürftig, Jose redet nicht viel, gibt keine Weisheiten zum Besten. Angenehm, super angenehm. Jeder, auch die Kinder, lernen das was sie wollen, was sie sich zutrauen. Wir lernen zu traben, zu galoppieren, die Pferde sind unglaublich einfach zu reiten. Annemie und Jose passen auf, dass nichts passiert ohne besserwisserisch zu sein. Wir erreichen einen See, den die Biber gebaut haben. Hier gibt es Forellen. Jose zieht eine andere aus dem Wasser. Er hat den richtigen Blinker. Über meine Flyfishing Köder lachen die Forellen nur, sie schwimmen drum herum, machen Scheinattacken und springen drüber. Danke. Ich gebe auf. Dumm, dass ich das Angebot von Werner nicht angenommen hab, mich in die Welt des Flyfishing Angels einzuweisen. Jetzt ist er weg, hundert Meilen vor uns und jeden Tag werden es mehr, weil wir wieder mal das langsamste Boot von allen sind. Um uns herum die schneebedeckten Berge, der Gletscher am Horizont. Wir steigen wieder auf unsere Pferde. Die merken dass es nach Hause geht und sind kaum noch zu stoppen. Wieder durch den reißenden Fluss. Wir haben alle das Dauergrinsen im Gesicht. Abends kochen alle zusammen in der warmen Küche von Annemie und Jose, mit dem Eisenofen, den ich zum letzten Mal in der Küche von meinem Opa vor mehr als vierzig Jahren gesehen habe, wo ich dieser an jedem Morgen erst einmal das Feuer für den Tag angemacht hat. Maya und Lena schlafen ein. Wir tragen unsere Kinder zum Dinghy. Der Mond scheint. Oh, ich spüre jeden Knochen, jede Sehne meines Körpers.






  • 23:00:00
  • 04.03.2012
  • 54°51.3511'S, 068°49.0277'W
  • -
  • Yendegaia / Chile
  • Caleta Olla / Chile
  • 5kn, NW
  • - m

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