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Gletscherrumpeln

Leinenmanöver in Caleta Olla

Um fünf Uhr morgens quälen wir uns aus dem warmen Bett ins Ölzeug. Teewasser aufsetzen, Motor an, Landleinen einholen und los. Der Vollmond leuchtet und erhellt den frühen Morgen. Morgengrauen beginnt erst um 6, die Sonne geht um sieben auf. Ohne Mondlicht brauchen wir unsere Köpfe eigentlich nicht mehr vor 6 aus der Koje zu stecken. Wir genießen es immer mehr, morgens um die Uhrzeit aufzustehen und die ersten 10 bis 15 Meilen zurückzulegen, während die Kinder noch selig in ihren Betten träumen.

Der Wind kommt von vorn, wie zu erwarten, aber die Welle hält sich in Grenzen, so dass wir mit etwas mehr als vier Knoten durch den Beagle Kanal West machen. Der Mond wird leider nicht von der Sonne, sondern von einer immer dichter werdenden Wolkendecke abgelöst. So lange es nicht regnet, sind wir schon zufrieden. Am frühen Vormittag taucht endlich der Ventisquiero Hollanda, unser erster, richtiger Gletscher auf. Blauschimmernd liegt er wie eine riesige Eislawine zwischen den Berggipfeln.

Die Caleta Olla ist ein beliebtes Ziel der Charterboote, die das Gletschergebiet befahren. Es ist nah, die Bucht ist bequem, groß genug für viele Yachten, einige schöne Wanderwege und einen Strand für ein Lagerfeuer gibt es auch. Doch heute ist außer uns niemand hier. Wir nutzen den Platz und das ruhige Wetter, um Landleinenmanöver zu üben. Bisher konnten wir immer relativ bequem erst zusammen ankern, dann in aller Ruhe die Leinen ausbringen. Doch bald ist es damit vorbei, je kleiner die Bucht, desto sicherer, und sicher will man haben. Doch je kleiner die Bucht, desto schneller und reibungsloser muss auch das Landleinen vertäuen funktionieren. Unsere Arbeitsaufteilung Micha an der Pinne, Nathalie auf dem Bug funktioniert nicht mehr, denn wenn Micha mit dem Dinghi die Leinen ausbringt muss ich an die Pinne. Rückwärts, Radeffekt, Langkiel, Stahlboot. Das muss man erstmal wieder üben, denn unsere Lady fährt nicht einfach rückwärts, wie ein Auto, und bei Wind schon mal gar nicht. Und wir üben. Nach einer Stunde sind wir einigermaßen zufrieden und froh, dass wir uns zu dieser Trainingsstunde durchgerungen haben, bevor es schwierig wird.

Wir versuchen auf ein sonniges Wetterloch zu warten, was heute zwecklos erscheint, egal, ab ins Dinghi und los an den gegenüberliegenden Strand. „Achtung Micha, da vorne ist es dunkel im Wasser, Kelp!“ rufe ich. „Nee, das ist kein Kelp, das ist…Krill!!“ Riesige Schwärme dieser kleinen roten Krabben und Krebse schwimmen hier im Wasser getoppt von ein paar Eisbrocken, die aus einer der anderen Buchten hierher geströmt wurden. Krabbencocktail, kein Wunder, dass sich die Wale hier so wohl fühlen. Vom Strand aus wandern wir auf den nächsten Hügel um den Blick auf den gesamten Gletscher und den darunterliegenden See zu bewundern. Bis an den Fuß der Eismassen kommen wir hier nicht, mit den Kindern wären wir sicher 3 Stunden unterwegs, one-way. Aber das macht nichts, das Rumpeln aus sicherer Distanz zu beobachten, ist auch schon sehr eindrucksvoll. Auf dem Rückweg zeigen uns die Kinder, dass sie nun endgültig hier in der patagonischen Wildnis angekommen sind. In einem Affentempo rasen sie sicher den oft nur schwer erkennbaren Pfad Richtung Strand entlang und hängen uns gnadenlos ab. So soll es sein.

Es weht wieder und regnet, oberhalb der Baumgrenze bleibt alles als Schnee liegen. Mal sehen, was das Wetter morgen für Überraschungen für uns hat.



  • 21:30:00
  • 08.03.2012
  • 54°56.4560'S, 069°09.3808'W
  • Anchor
  • Caleta Olla / Chile
  • Seno Pia / Chile
  • 5-20kn, NW
  • - m

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