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Neue Bucht, neues Glück

Aus Erfahrung klug

Wir waren ja noch nie besonders begeisterte Buddysegler, sprich sind noch nie viel im Verbund mit ein oder zwei anderen Yachten gesegelt. Man segelt schneller, langsamer, eine andere Richtung und lässt sich, logischerweise von seinen Mitseglern beeinflussen. Das liegt in der Natur des Buddysegelns, nur das eben die Boote, die unterwegs sind, so unterschiedlich sind wie die Crews an Bord. Mit der KLEINER BÄR haben wir uns für das Kap zusammengetan, weil wir uns mögen, weil wir Fotos von uns vor dem Kap haben wollten, weil es einfach schön war zu zweit dort draußen zu kreuzen und den Moment und die Party danach zu teilen.

Heute jedoch hat sich für uns wieder gezeigt, was die Nachteile der gemeinsamen Fahrt sind. Unser Ankerplatz in der Caleta Mayalena war bestens, gut geschützt, guter Ankergrund, wir haben herrlich geschlafen, während die Lady in den Fallwinden vor Anker tanzte. Trotzdem stand das Verlegen in die nördlich gelegenere Caleta Martial im Raum, denn dort gibt es einen wunderbaren Sandstrand für die Kinder und nicht zu vergessen, das berühmte Ankerzeichen in der Karte. Eigentlich hatten wir entschieden, dass wir die für die nächsten Tage bleibenden starken Westwinde hier abwettern wollen, bis es zurück geht in den Beagle Channel. Doch die KLEINER BÄR geht Ankerauf und kämpft sich hoch am Wind unter Maschine in die übernächste Bucht, mit Sandstrand. Schön soll es sein, „worth exploring“ und überhaupt. Und plötzlich erscheint für uns das berühmte Gras grüner auf der anderen Seite und wir drängen den Gedanken, dass die eben auch eine stärkere Maschine haben, zur Seite. Wer weiß wie lange wir noch hier liegen müssen? Vielleicht zwei Tage, da ist es einfach netter, in Gesellschaft zu liegen. Anker auf und los. Am Anfang ist alles easy, eng unter der Küste drehen wir den Bug der Lady nach Norden, doch je mehr die Küste nach Westen wegdreht, desto unangenehmer werden die Windseen, keine gefährlichen Brecher, keine stehenden Wellen oder gefährlichen Strömungen, einfach eine Windsee für die unsere Maschine nicht stark genug ist. Mit 2200 Touren kämpfen wir uns mit einem Durchschnitt von 2 Knoten vorwärts, im Normalfall machen wir mit der Umdrehung 6,5 Knoten. Lange hält Johann so eine Belastung nicht aus, ohne zu überhitzen. Den ganzen Tag schon sind 20 Minuten Squals über uns hinweg gezogen, doch der, in dem wir jetzt stecken, nimmt überhaupt kein Ende. Zu allem Übel kommen aus den Wolken Hagelkörner, statt Regen geschossen. „Wessen Idee war das? Das kostet extra“, brummt Micha durch seinen Fleeceschal. Wir fluchen um die Wette und ärgern uns schwarz über uns, dass wir nicht auf unser Gefühl gehört haben. Gestern haben wir schließlich auch unserem Urteil vertraut und auf den Stempel im Pass verzichtet.

Meter um Meter kämpft sich unser Johann weiter gegen die Wellen, die Kinder sitzen drinnen im Warmen und Maya liest Geschichten vor. Hinter uns taucht plötzlich aus einer Regenwand ein Kreuzfahrtschiff auf, das gerade durch den Paso del Sur gekommen ist. Eine unwirkliche Szenerie, die Wellen, die Wolken, die Fetzen blauen Himmels und sonnenangestrahlten Felsen, wir und der Luxusliner, der gerade 150 Passagiere für den Stempel im Pass am Horn an Land gelassen hat. Kurz vor dem letzten Kap scheint der Squal nochmal all seine Kraft an uns ausprobieren zu wollen, querab liegt eine kleine, mal wieder namenlose Bucht, ein letzter Versuch die letzte Meile anzugehen, schon können wir die beiden Boote, die vor dem gepriesenen Sandstrand vor Anker liegen, sehen, dann drehen wir ab, in die namenlose Bucht. Unter Hagelgewitter fällt der Anker auf 18 m Tiefe in ruhigem Wasser, rumpelt kurz über die Steine, packt und die Lady liegt sicher. Ruhe kommt wieder ins Schiff, eine halbe Stunde läuft der Leerlauf noch mit, aber der Anker hält. Die Fallwinde halten sich in Grenzen, da wir direkt vor einer Hochebene ankern, nach Norden ist die Bucht durch eine vorgelagerte Felskette geschützt. Wir können es nicht glauben, aber wir haben wir haben einen sehr guten Ankerplatz gefunden. Durchgehende Wassertiefe von 18 bis 20 Metern in der gesamten Bucht, kein abfallender Grund, die Ankerkette ruckelt viel weniger, als in der vorherigen Bucht. Der Rest des Abends vergeht mit langen Gesprächen über unser Manöver. Wir hätten es besser wissen sollen, oder? Natürlich hätte nicht viel passieren können, im schlimmsten Fall hätten wir unter Segeln Kurs auf die offene See genommen, aber das war nun mal nicht der Plan und schon gar nicht wünschenswert.

Draußen sind immer noch Schaumkronen auf den Wellen, der Kanal Franklin hat es in sich. Wir freuen uns auf Montag, da ist das Ende dieser Starkwindperiode in Sicht und wir können den sicheren Beagle Kanal ansteuern. Eine heiße Dusche und ein Pisco Sour im Micalvi und dann die Gletscher, vom Cabo de Horno und dieser Inselgruppe haben wir vorerst genug.

An dieser Stelle auch einen lieben Dank an alle, die mitgefiebert haben und uns mit ihren netten Glückwünschen eine Riesenfreude gemacht haben.



  • 21:31:00
  • 04.02.2012
  • 55°49.8800S, 067°15.5000W
  • Anchor
  • Isla Henschel / Caleta Buena Suerte / Chile
  • Beagle Channel / Chile
  • 6°/978hpa
  • 30kn/W/NW
  • -m

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