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Cape Hoorn gerundet!

This was NOT a Sunday Morning Sail!

Um 09:15 sind wir ausgelaufen um das Kap Hoorn von West nach Ost zu umrunden. Die Nacht hatten wir nun ja auf spiegelglattem Wasser in einer der hübschesten Ankerbuchten bisher verbracht. Kaum draußen, legen uns die WillyWallys schräg auf den Backbord Bug, so dass wir schon gefragt haben, ob das denn nun so eine gute Idee gewesen ist auszulaufen. „35-40 Knoten aus NW! Böen mit 10 Knoten mehr. 8 Km Sicht. 3-4 Meter See aus SW.“, schreibt Nathalie den Wetterbericht von der Chilenischen Armadastation vom Kap mit. Gut, dass wir gestern Abend keinen Funkkontakt mehr hinbekommen haben, sonst wären wir vielleicht gar nicht ausgelaufen.

Gestern noch Windstille und eine Damenbrise, heute Böen, die sich gewaschen haben. Auf den 15 Meilen zum Kap, mehr und mehr Wind, mehr und mehr Welle. Ob das so eine gute Idee war? Kirmes total. Das Kap will sich noch nicht am Horizont zeigen. KLEINER BÄR tanzt einige Bootslängen hinter uns, kommt auf gleiche Höhe und gegenseitig fotografieren wir. Kleiner Bär verschwindet immer wieder bis zur Saling in den Wellentälern. Maya und Lena verschwinden mit Nathalie in den sichernen Bauch der LADY. Kalter Wind bläst mir um die Nase. Die Segel werden immer kleiner, bis ich die optimale Größe gefunden haben und finally zeigen sich die ersten Umrisse des Hoorns am Horizont ab. „Mein Gott ist das windig.“, fluche ich. Zu dem Wind kommen dicke Regenwolken die in einer irren Geschwindigkeit über uns hinwegziehen. In jeder Wolke steckt eine dicke Böe von 40 und mehr Knoten. Old LADY zieht mit ihren Relingskante durch die Wellen, Brecher waschen über das Deck. Ich verzichte auf Reffen und mit Rumpfgeschwindigkeit geht es am Wind die Wellenberge rauf, runter surfen wir mit etwas mehr.

Das Kap zeigt sich und liegt an. Langsam bewegt sich das kleine rote Schiffchen auf der elektronischen Karte. Die Wellen werden höher und höher, der Autopilot meldet sich auf immer wieder „OFF Course!“, warnt er immer wieder. Nathalies Kopf erscheint im offenen Niedergang. „Alles Klar? Brauchst Du meine Hilfe? Der Autopilot piepst! Hörst Du das?“ KLEINER BÄR tanzt wild auf den Wellenkämmen, so in etwa muss das bei uns auch aussehen. „Tsst.“ Meine Hände sind kalt. Eiskalt. Die Stumpenhandschuhe helfen, aber damit kann man die Leinen so schlecht führen, winschen und sich vor allen Dingen festhalten. Ich stehe auf den Kanten der schräg stehenden Sitzbänke. „Alles klar. Die LADY macht das.“ In Wirklichkeit zittern mir die Beine vor Aufregung. Plötzlich kommt Nathalie fast weinend aus dem Niedergang. „Arm! Ich muss in den Arm. Ich habe grade einen Kinderbeschützanfall. Alles gut? Sollen wir abdrehen?“ „Abdrehen? Wohin? Zum Horn?“

Das Innere der LADY hat sich in ein Schlachtfeld verwandelt. Bücher sind aus den Regalen gefallen. Ein Schapp hat sich entleert. Segelzeug ist aus dem Schrank gerutscht. Maya und Lena habe sich in Lee gelegt. „Was machen wir hier? Warum machen wir das?“, ich führe Selbstgespräche mit mir und mit Huhibuhu, dem eiskalten Wind aus NW Zwei Rocks liegen auf dem Weg ums Kap, die wir lieber links liegen lassen. Dann endlich können wir in kleine Schritten abfallen.

Und da ist er. „The bloddy fucking last rock of South America.” Manchmal muss man fluchen, obwohl das ja nicht Nathalies Art ist. Heute darf sie es. Der Anblick ist atemberaubend. Ich bekomme eine Gänsehaut, erst auf dem Rücken, dann an den Gliedmaßen. Ja, es hat sich gelohnt. „Mein Gott ist der schön.“ Nathalie und ich fallen uns in die Arme. „Danke, dass Du das mit mir gemacht hast!“ „Das kostet extra!“, meint die Capitana. Mehr verrate ich aber nicht. Ein totales Glücksgefühl befällt uns gleichzeitig, der Himmel tut sich auf und zirrendes Blau schenkt uns das so seltene glasklare Licht am Kap um diese Felsenkomposition zu bestaunen. Im Aufzug geht es rauf und nieder. Der liebe Gott schenkt uns 15 Minuten. Ich nehme die Pinne in die Hand und wir tanzen mit den hohen Wellen, dem Wind und dem Kap. Wunderschön. Berauschend. Ja, es hat sich gelohnt. Ja, zu Recht ist die Rundung des Kap Hoorns der Traum jedes Seglers. Der Traum ist wahr geworden. We did it!

Das Kap gibt uns Zuckerbrot und Peitsche. Nach den schönen 15 Minuten rückt eine graue Wand an und wir kommen in den Bereich der Kapwinde. Düsen-Effekt. Auf der Rückseite des Kaps gibt es die Peitsche. Regen und Böen drücken die LADY auf die Seite und in den Wellen zieht das Wasser am Deckshaus vorbei. Schräg, schräger, geht es noch ein bisschen mehr? Die Gravitation gewinnt und stellt den Mast immer wieder senkrecht. Mir läuft das Wasser der Brecher den Rücken runter bis zum Arsch. Die Segel werden immer kleiner. Reffen. Wenn der Gedanke auftaucht, sollte man diesem folgen.

Auf der Rückseite der Insel wird aus dem NW Wind mit (40 Knoten, oben an der chilenischen Station messen sie die Böen zu der Zeit mit 70 Knoten) ein am Wind Kurs. In der Bucht zum Anlanden steht der Wind voll rein. Wir verzichten auf Anlaufen und leider auch auf den Stempel im Pass und laufen unter größten Mühen den Al Paso del Mar Sur an. Zwischen der Isla Henschel und der Isla Hornos drückt es den Wind aus NW erst so richtig zusammen. Jetzt ist es nicht mehr die Welle die uns zu schaffen macht, sondern der Am Wind Kurs, das Kneifen um noch ein Grad um in den Passo einzulaufen. Es geht grade so eben noch. Im Pass soll Strom stehen, der Guard auf der Isla Hornos weiß aber nicht ob rein oder raus. Starker Strom steht bei Gorgio im Handbuch. Wir haben Glück, 50 Meter vor den Klippen wird es etwas ruhiger, zwei Knoten Strömung ziehen uns in den Paso. Wir nehmen die erste Bucht links. Kein Ankerzeichen, keine Genehmigung, keine Karte. Uns ist alles egal. „Deine Seglerbatterie war leer Papa!“, sagt Lena später. Der Anker fällt auf sieben Meter. Fallböen spielen mit der LADY. Der Anker hält. Da kommt lautes Gejubel und Geschrei aus dem Inneren der LADY. Maya und Lena springen wild auf den Polstern und feiern den Ankerfall. Ich werden Giorgio ein Mail schreiben und ihn bitten dieser namenlosen Bucht einen Namen zu geben. Caleta Mayalena!






  • 15:11:00
  • 03.02.2012
  • 55°52.5174S, 067°12.8878W
  • Anchor
  • Isla Henschel / Caletta Mayalena / Chile
  • Beagle Channel / Chile
  • 6°/983hpa
  • 35kn/NW
  • -m

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