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Ein Tag wie jeder andere und doch so anders...

Ein Tag wie jeder andere und doch so anders...

20:38 In Deutschland soll es maechtig kalt sein, dass im Maerz. Hier dagegen ist es maechtig warm. Wir kommen dem Aequator immer naeher. Jetzt 1 Grad Nord. Nachts ist es einigermassen zu ertragen, tagsueber im Schiff nur mit Handtuechern um den Schweiss aufzufangen.

Die Squalls der letzten Nacht und des Tages werden immer weniger, der Wind wieder stabiler, segelbar und moderat mit etwa 10 Knoten. Die Stimmung auf der Lady steigt, dass Dreitagestief ist ueberwunden. Wir haben nicht so detailliert berichtet um unsere Familie, die nun ja auch mitliest, nicht in Sorge um ihre Kinder und Enkelkind zu bringen. Ja, das spielt immer eine Rolle und fuehrt auch immer wieder zu Diskussionen zwischen mir und Natale. Ich bin mehr fuer Realtimereportage, Natale mehr fuer die moderate Darstellung in Ruecksicht auf unsere Leser. Na, was is nun richtig?

Sache ist die, dass ich, der Skipper mal wieder ausgefallen bin und die arme Natale nicht nur Maya, sonder auch die Lady, die Squalls, die Navigation, die Kueche, die Kommunikation, den kranken Micha als Aerztin und ueberhaupt alles am Bein hatte. Der Grund, ist nicht so ganz klar, weil wir schlecht ausgeruestet sind. Wir haben kein medizinisch technisches Labor an Bord. Ne Verkuehlung war es allerdings nicht. Das Fieber war zu hoch und Schuld sind wahrscheinlich die Tropen, besser gesagt die Anopheles Muecke, die mich vor einem Jahr in Borneo gestochen hat. Das die Muecke uns jetzt verfolgt hat ist unwahrscheinlich, wahrscheinlich ist, das der Erreger Plasmodium vivax immer noch in meiner Leber steckt. Das ist nicht unnatuerlich fuer die Form der Malaria tertiana. Erst wenn man zwei Jahre keinen Rueckfall hatte ist das ausgeschlossen. So. Absatz.

Neben dem ueblichen Nichtrauchen werden bei Ueberfahrten zu neuen Kontinenten, ausser Becks alkoholfrei, auch kein Alkohol mehr mit an Bord gefuehrt. Meine Theorie ist ganz klar! Der Erreger Plasmodium vivax lebt also in meiner Leber seit Monaten, versteckt sich quasi und wartet nur auf seine Chance, die bekommt er allerdings nicht, weil er in der Leber immer vom Gin Tonic in Schach gehalten wird. Ist doch einleuchtend. Oder? Ich finde schon. Kaum entfaellt der Alkohol kommt er raus und richtet ueble Sachen an. Oh Gott, wenn die Capitana das nachher liest...

Wie auch immer. Skipper hat ploetzlich Fieber, gar nicht so hoch, aber Fieber, Schuettelfrost und Schweissausbrueche, wasserfallartig oeffnen sich alle Poren. Da wird nicht lange diskutiert. Wir sind zu dem Zeitpunk etwa 400 Meilen vom naechsten Krankenhaus entfernt. Klar sind wir vorbereitet, habe die Medikamente an Bord, die damals in Malaysia in der Johur Baru Klinik verabreicht wurden. Chloroquin und Doxycyclin (mindestens das erste gehoert in jede Bordapotheke). Ich bin eh schon ganz Banane im Kopf und liege mehr flach als ich aufrecht stehe, dann schlaegt die Chemie zu, ich trinke sechs Liter Wasser am Tag und schwitze ebensoviel wieder aus, binnen 12 Stunden kann ich wieder Segel setzten, reffen und ueberhaupt. Nach weiteren 12 Stunden hat sich auch das Fieber verabschiedet. Konnten wir wirklich nicht drueber berichten, wegen unserer Lieben zu Hause. Machen sich ja nur Sorgen.

Das Wichtigste ueberhaupt, Maya geht es super. Malaria ist nicht direkt ansteckend. Jetzt 158 Meilen vom ersten Zwischen Landfall entfernt ruecken wir, vor allen Dingen ich, dann mit der Wahrheit raus. Das Schoenste an dieser Weltumsegelung ist, das Nathalie das alles mitmacht, immer wieder den Mut findet weiter zu segeln und mit den Problemen fertig wird. So eine Frau muss Mann erst mal finden. Muss doch mal gesagt sein. Ich liebe diese Frau!

22:00 Die Lady hackt weiter Richtung SW. Addu rueckt mit jeder Stunde naeher auf der Karte. Sternklarer Himmel, die Squallzone hat sich verabschiedet und der Wind wieder noerdlicher gedreht. Freitag sollten wir ankommen. Dann erst mal was tun? Gin Tonic trinken?

13:22 Den Morgen haben wir in einer Reihe von Squalls verbracht. Segel reffen, Segel fieren, staendige Wenden... Das nervt so nen bisschen nach 15 Tagen auf See. Im Boot ist es inzwischen ganz schoen muffig und feucht. Normal.

Der Skipper heute ganz tollpatschig. Die Angelrolle gleitet ihm aus der Hand. Das sofort eingeleitete Rettungsmanoever fuehr zu nichts, der Lieblingskoeder entschwindet auf 3252 Meter Tiefe. Auf Nimmerwiedersehen. So was. Nur gut das ihm das selber passiert ist und nicht der Capitana.

Das Ziel naehert sich langsam aber stetig. >>Hurra! Nur noch 199 Miles to go.<<

Die ganzen bunten Pillen der Capitana haben Wunder bewirkt. Das Fieber ist weg und Skipper kann wieder fluchen.

03:16 Der Wind hat gedreht und wir drehen mit. Von Hoehe laufen keine Rede mehr. Wir halten so eben gerade auf Addu zu. Wenn der Wind weiter dreht kann das mehrere Tage aufkreuzen bedeuten. Danke lieber Wettergott. Haben wir irgendwas falsch gemacht? ;-)

Um uns herum nun kein klarer Sternhimmel mehr, sondern ITC. Es blitzt die ganze Nacht, aber nur in den Wolken. Keine Entladungen zu Wasseroberflaeche. Ein dickes Ding zieht seit Beginn der Dunkelheit hinter der Lady durch. Na, wenigstens da haben wir Glueck gehabt.

Fuer unseren Wetterfrosch Poldy 1011 hPa. Normale Tropenkurve.

Noch 236 Meilen.



  • 03:16
  • 22.03.2006
  • 02°10.02'N, 075°53.31E
  • Indik/Ostseite Malediven
  • Addu/Malediven
  • 29°C
  • 2-3 W
  • 1,5 2 Schwell

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