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Die dicke Emma und die Augsburger Puppenkiste

Endlich. Es haucht.

12 Stunden sind wir unter Motor gefahren. Ein Zwischenhoch ist direkt über uns hinweggezogen und hat jeglichen Druckausgleich zwischen Isobaren zum Erliegen gebracht. Kein Fisch hat gebissen und die Sonne hat uns auf die Köpfe geschienen. Das Meer wabert wie eine Plastikfolie. Es ist blau. Der Himmel ist blau und Tuktuktuktuktuk... schiebt sich der Rumpf der MARLIN langsam Meile für Meile weiter. So kann es gehen. Ich bin echt froh, dass die dicke Emma das ohne einen Mucks gemacht hat. War ja in letzter Zeit nen bisschen schwierig und bis heute ist nicht klar, warum sie vor zwei Tagen heiß gelaufen ist. Ob es wirklich Luft war in der Kühlleitung? Ich hatte jetzt auch keine Lust rumzuspielen und den Motor zum Test wieder auf 3.000 Touren laufen zu lassen. Das kann ich machen wenn wir auf den Azoren am Pier liegen und Ersatzteile schneller verfügbar sind als mitten auf dem Atlantik. Endlich werden wir auch leichter. 1,2 Tonnen Diesel mit sich rumschleppen macht ja auch nicht grade schnell. Die Batterien sind auch mal wieder randvoll und der Batteriemonitor zurückgesetzt, die Crew geduscht und wohlriechend, zwei Maschinen Wäsche gewaschen und getrocknet, die Wassertanks voll mit herrlich schmeckendem Wassermacherwasser. Ja und da kündigt sich dann für den frühen Abend ein Lüftlein an. Jetzt ist es da und die 5 Knoten schieben uns an ohne Tuktuktuktuktuk. Mal drei, mal vier Knoten, besser als das Gedröhne der dicken Emma allemal. Hoffentlich bleibt der Wind stehen. Westlich von uns kommt schon wieder die nächste Front mit Regen und Wind. Uns ist es egal, da kommen wir wenigstens weiter.

Heute haben wir dann Bergfest gefeiert. Bergfest ist die Hälfte des Weges. Geschafft. Die Hälfte von den Bahamas zu den Azoren. Auf der Karte sieht das so schnell aus. Auf dem Wasser ist das ein langer Weg mit fünf Personen auf wenig Raum. O.K. Wir können uns wirklich nicht beklagen. Platz haben wir genug und zu einem Streit ist es noch nicht gekommen. Noch nicht mal im Ansatz. Wie immer wichtig ist, dass alle immer satt sind. Und das war dann auch heute wieder der Fall. Ich habe meinen Miniräucherofen aus dem Motorraum geholt und ein ordentliches Stück Dorade mit Tropenholzspänen aus Suriname geräuchert. Nathalie hat dazu Poison Crue in Kokosnussmilch auf polynesisch gemacht und Kartoffeln, Julian konnte gar nicht genug bekommen, Krautsalat, eine Flasche Weißwein und zum Schluss ist der Skipper schlafen gegangen... Leben, wie Gott in Frankreich nennt man das wohl. Ich sag nur: Segeln kann so schön sein wenn alle drei Tage ein Fisch beißt. Ob uns das Fischglück weiterhin begleitet? Wer weiß. Zwei Köder haben uns irgendwelche Monsterfische mit sicherlich mehr als hundert Kilo einfach abgebissen. Was ist auch schon so ein Stahlvorfach? Da beißt man doch einfach durch. Solche Monsterfische wollen wir ja auch gar nicht haben. Aber so ein 25kg Yellowfin Tuna, der steht noch auf der Liste. Ob das überhaupt geht hier, so weit im Norden? Wir nähern uns deutlich der 36 Grad N Grenze. Da haben wir einen neuen ganz bunten Köder geknüpft. Petri Heil.

Der Wind ist schon wieder vorbei. Die dicke Emma brummt schon wieder. Vielleicht irgendwann heute Nacht? Wind? Tuktuktuktuktuk...

Unserem treuesten Leser, meinem Vater Ortwin wünschen wir auch an dieser Stelle noch mal herzlichen Glückwunsch zum Abschluss seines 82 Lebensjahres! Happy Birthday and a lot of Gesundheit!

Ade, Tropen!

kalte Füße

Micha hat Recht gehabt, mit jeder Nacht spüren wir es mehr, dass wir die Tropen verlassen haben. Immer häufiger kommen lange Ärmel und Hosen zum Einsatz. Lena hat sich ihre Hausschuhe aus dem hinterletzten Winkel raussuchen lassen. Hüttenschuhe mit kurzen Hosen, lustige Kombination. „Wenn ich doch kalte Füße habe, Mama!“ Recht hat sie. In meiner Nachtwache, als keiner geguckt hat, habe ich meine alten Schluppen dann auch gleich rausgekramt, muss ich mir noch überlegen, ob ich die verstecke, bevor die anderen wach werden.

Wind hatten wir trotz Hoch den ganzen Tag, stetig mit 6 Knoten aus Nord. Am Horizont sehen wir die Front wegziehen, hinter uns kommt Stück für Stück der glasklare, blaue Himmel näher. Der Wind ist kalt und riecht ein bisschen nach Grönland. Schön ist das. Auf einmal setzt man sich wieder freiwillig in die Sonne und genießt die wärmenden Strahlen, anstatt von einem Schattenfleckchen in das nächste zu hetzen. Gegen Abend schläft der Wind tatsächlich ein. Zeit, sich mal wieder ein bisschen um die dicke Emma zu kümmern, Die hat nämlich am Vorabend wieder geschrien, als Micha sie auf dreitausend Touren gescheucht hat, um mal kräftig durchzupusten. Qualm aus dem Motorraum, klarer Fall von Überhitzung. Schon wieder ein Impeller durch? Der Verdacht lag nahe und die Frage nach der Ursache auf der Hand. Um uns vor voreiligen Schlussfolgerungen und Aktionen zu retten, habe ich der Crew kurzerhand eine Flasche Rotwein spendiert. Da hat sogar der Skipper die Motorraumklappe wieder zugemacht. Als Proviantmeister hat man ja immer ein paar Tricks auf Lager.

Dicke Emma zieht irgendwo Luft, das ist unsere Vermutung. Wir haben ein zentrales Seewasserventil und über einen Mannifolder wird der Zufluß weitergeleitet. Deckswaschpumpe, Toilettenspülung, Generator, Motor, Wassermacher, ganz schön viele Abgänge. Irgendwo da muss ein Leck sein, dass Wasser raus und Luft rein lässt. Gefunden haben wir es noch nicht, dafür läuft die Emma wieder wie geschmiert. Der Impeller war noch nicht hinüber, Temperatur ist bei 1800 Touren wieder im Lot, keine Mängel festzustellen. Die 48 Stunden Regel hat sich mal wieder bewährt. Trotzdem denken wir darüber nach, beim nächsten Werftaufenthalt der Emma einen privaten, ganz eigenen Seewasserzulauf zu schenken, damit ihr nicht die Toilettenspülung das Wasser abgräbt. Ich finde, das hat sie verdient.

Letztes Etmal 111 Seemeilen und ein Dankeschön an Joern für seinen Autorenbeitrag!



  • 03:05
  • 26.06.2014
  • 35°26.5233'N, 56°48.3206’W
  • 88°/6kn
  • Nordatlantik
  • Azoren / Atlantik
  • 22,3°/1023.3hpa
  • 22,0°
  • 330°/4,1kn
  • 1,5m

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