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Vierzehnter Tag auf See

Nix geht mehr

Also, ich kann ja zaubern, wenn es darum geht e-mails irgendwie durch den Äther zu schicken. Mit nem nassen Finger und nem PACTOR Modem, auch mit 5 Watt. Kommt halt auf die richtige Uhrzeit, Sonnenstand, Frequenz und Ausschaltung aller Störelemente aufm Boot an. Doch jetzt bin ich mit meinem Latein am Ende. Wir stehen 50 Meilen südlich von St. Helena und ich komme durch bis Red Sea, Mozambique, Florida, Canada und sogar nach Belgien. Die Verbindungen bauen auf, genug für einen Logbucheintrag als Text, aber für nen Bild reicht es nicht mehr. Ich kann die Bilder erst später updaten, wenn ich entweder wieder bessere Bedingungen finde oder nen Internetcafe mit ner RJ45 Leitung alias LAN Connection für mein Mac Book. Die hören mich einfach nicht stark genug. „Pass mal auf Mischa, da kommste nach St. Helena, sprichst in der Kneipe nen Local an und der bringt Dich zu jemanden, der hat ne Kiste mit Transistorten, und da sind genau die zwei drin, die bei uns kaputt sind. Wetten?“ „Na, das wäre zu schön Thomas.“ Aber das wird wohl kaum sein. Erst mal ankommen. Hab grade die Hundewache übernommen. Rückenschmerzen. Scheisse. Vom ständigen fast aus der Koje fallen, wenn die Jungs wieder Gas geben. Wir sind alle reif für die Insel. Zu den 8/8 Bedeckung kommt alle zwei Stunden nen Squall. Segel rein, Segel raus. Das alte Spielchen. Aber sie wollten ja wissen, wie das so ist den Atlantik da zu überqueren, wo nicht die ARC lang segelt. So isses und im Süden noch ganz anders. Doppelt so viel Wind und dann auch mal von vorne, doppelt so viel Welle und dann auch mal drüber und wir drunter.

Nix neues aussem Westen

Nun ja, wenigstens frieren wir nicht und die Segelklamotten liegen weitestgehend im Schrank. Kaum Katastrophen, ausser Wasser in der Motorbilge von werweisswoher, aber mit einem Liter in 24h kann ich damit leben, vielleicht war es nur fehlendes Fett im Stevenrohr des Ruders. Wenn nicht, werden wir den Verursacher auch noch finden. Wasser im Diesel, aber immer weniger und lässt sich auch prima ablassen am Wasserabscheider und die Filter sind ok. Ach, die liebe Technik. Und wegen der Batterien wollte ich ja auch noch was schreiben. Also die scheinen die Tiefenentladung überstanden zu haben. Ob mit Behinderung kann ich noch nicht sagen. Wir fahren viel elektrischen Autopilot, weil die Crew lieber Knöpfchen drückt als Daisy’s (Windpilot) Launen zu verstehen und sich damit anzufreunden. Nun ja, wegen fehlender Sonne seit über einer Woche müssen wir dann eben zweimal am Tag die Batterien laden und da kann ich schlecht beurteilen was noch normal ist. Fisch liegt auch wieder im Kühlschrank. Immer Dorade, jeden Tag um die 50cm. Aber besser als Corned Beef. Oder? Sicher.

Und Träumen, was das Zeug hält

Reality dreams ohne Ende. Ich trau mich kaum noch zum Schlafen hinzulegen. Ich träum das ganze letzte halbe Jahr rauf und runter mit Zusatzepisoden, Verstrickungen und so weiter. Wenn ich zur Wache geweckt werde, muss ich mich immer erst mal sammeln. Traum und Realität verschmelzen zu bunten Glasperlen, die in meinem leeren Hirn umherkugeln.

Draussen wieder Squalls. Reffen? Ich geh mal schaun. Duster. Also nicht reffen, entscheide ich mich. Hinter mir aus Mayas Kabine kämpft Rainer gegen die wilden Tiere und schnarcht so laut das die Tür die ich grade geschlossen habe, vibriert. Thomas sagte gestern: „Nur der Skipper kann lauter!“

Alltag auf See

Ob sich meine Crew das so vorgestellt hat? Da kommen ja schon mal Sprüche wie: „Auf den Photos in der Broschüre waren die Fische viel größer, der Himmel blau und der Skipper hat immer gelacht!“ Klar ist das Spass, aber wie jeder weiss, an jedem Spass ist auch nen bisschen Ernst, wird Christoph bestätigen, der mir mit den Wetterdaten jeden Tag noch seinen Spruch zur Lage der Nation dabei schreibt. Hatte ich doch gar nicht bestellt, Christoph. Aber mach mal weiter. Beim Öffnen Deiner Wetterberichte freue ich mich mehr auf die Frotzeleien, als auf das Wetter, den im Gegensatz zu Dir hab ich das hautnah hier und kann eh nix dran ändern. :_)))

“Wird’s denn gehen?“ Spruch des Jahres 2009 hat sich nun auch auf der Lady eingebürgert. Statt klarer Befehle mag die Crew es immer mit Samthandschuhen. „Chefe, auf den Ton kommt es an.“ Ich find meinen Ton eigentlich immer gleich, Rainer nicht. Aber das ist auch schon Kram von einer Woche. Es muss an Bord immer einen geben, der das Kommando führt, so lernt man das im Unterricht. Die Wahrheit ist, es muss an Bord immer einen geben, der immer alles Schuld ist, und die Scheissarbeit macht, wenn das Klo verstopft ist. So kann man das auch sehen. Wir hatten noch kein verstopftes Klo und Thomas hat immer das letzte Wort, also damit immer Recht. Genau so ist dann eben die Stimmung an Bord, wenn auf dem GPS „ETE 12:24“ blinkt. „Land in Sicht wird es in ein paar Stunden heissen,“ und kurz darauf sind wir da, dürfen alle mal ausschlafen und in der Hafenbar sind wir ganz schnell wieder die Helden und die besten Freunde. So war das schon immer mit den Piraten, später Seeleute genannt. Ahoi, IRON LADY. Ich geh mal wieder ausreffen.






  • 05:20
  • 05.04.2010
  • 16°36.85'S 005°0415.09'W
  • Southern Atlantic Ocean
  • St. Helena
  • 24,5° 1014hpa 7/8
  • 25°
  • 15-20kn/SE
  • 2-3m

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