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Butter bei de Fisch

Butter bei de Fisch

Is ja nicht so, dass wir keine Lust zum Segeln haben. Ganz im Gegenteil. Nur so mit kleinen Kindern und schwangeren Frauen ums Kap der guten Hoffnung zu segeln ist ja nun nicht ganz so romantisch. Also denn mal Butter bei de Fische.

Gestern war wieder Segeln angesagt. Guy, ehemaliger Kommodore des Zululand Yachtclubs, hat mich eingeladen auf seiner 42 Fuss Fast Yacht am Mittwochabend Race teilzunehmen. Das mach ich doch glatt. Um 17 Uhr treffen sich eine Handvoll Racer am Steg und entern die ADIOS. Ich schaue kurz rein. Alles ausgeräumt. Keine Matratzen, kein Tisch, nix in den Schränken, in der Vorpiek liegen zwei Segelsäcke. Man sieht, dass dieses Boot wirklich nur zu Racing Zwecken benutzt wird. Das einzigste, was voll ist, ist der Kühlschrank. Ein paar Hände werden geschüttelt. Vorsichtig werde ich mit Blicken der eingespielten Crew gemustert.

Morgens fällt mein Blick immer wieder auf die Wetter Gribfiles. Durban. 80 Meilen. Nix schlimm. Da kommt man mal so eben hin. Durban, Est London, 240 Meilen. Keine Hafen, keine Bucht und lokales Wetter. Was meint das? Lokales Wetter? Das heißt, dass es hier mal einfach so, ganz ploetzlich mit 35-40 Knoten aus SW bläst. Gegen den Agulhas Strom und schon stehen meterhohe Wellen, es gibt keinen Weg zurück. Was meint, dass Natale diese Etappe wohl auslassen wir. Oder nicht? Oder wohl? Dicke Diskussionen auf der LADY.. Segel ich dann alleine? Oder mit Crew? Fragen über Fragen. Na ja, im Moment erholen wir uns gerade mal von den letzten 1500 Meilen.

Die ADIOS zieht aus dem Seitenarm der Richards Bay, zwischen die Tonnen, die Crew ziehen das beeindruckende Großsegel aus Kevlar hoch, ADIOS legt sich auf die Seite und segelt los. Als die Genua dazukommt, macht der Skipper den röhrenden Motor aus und ab geht es durch die Richards Bay auf’s offene Meer. Viel zu viel Segel, denke ich mir, aber die Fast Yacht geht ab wie ein Zäpfchen. Kein Gestampfe in den Wellen wie es unsere schwere LADY jetzt verursachen würden, sondern elegant schiebt sich der Bug der ADIOS mit 7 Knoten und 30 Grad hoch am Wind durch die Wellen. Zugegebener Maßen nicht gerade ein Kurs, den man jetzt für Tage segeln könnte, so schräg dass alles im Boot durcheinander purzeln würde. Aber schnell. Skipper Guy will mir alles zeigen, was sein Baby kann und bei Windstärke 6 geht es raus aus dem Breakwater. Warm up. Wende. Das Team hat seit sechs Wochen nicht mehr gesegelt. Merkt man. Die Vorschoter trämen ein bisschen rum, die Segel schlagen, der Skipper schreit hektisch und der Rest der Mannschaft purzelt als Ballast auf die andere Süllkante. Ich darf an eins der beiden Steuerräder. ADIOS Downwind. Acht Knoten, neun Knoten, Surf, Zehn Knoten. Nun ja, wie alle Skipper so sind, um ihr Boot zu präsentieren fahren sie gerne bei guten Bedingungen. Ich grinse Guy an. Er weiss, wie ich dass wir auflaufendes Wasser haben und wir fahren in die Richards Bay ohne Welle.. Und das er nie unter zehn Knoten segelt. Hmm. So schnell sind die Fast Yachts denn doch nicht. Aber Spass macht es schon.

Irgendwann wollen wir dann in Cape Town ankommen und Natale wird im siebten Monat sein. Für Januar ist dann geplant die LADY nach Europa zu segeln. Cape Town, St. Helena und mal eben auf die Azoren. Mal eben 5400 Meilen. Das sind sechs bis sieben Wochen segeln. Nathalie kann natürlich nicht mit segeln, weil die Gefahr, das sie bei der Überfahrt platzt ist zu groß. Hmm. Da muss ich dann wohl alleine segeln. Oder die LADY bleibt mal wieder eine Saison länger als geplant in Cape Town. Im Moment steht der Plan A, die Einhandbezwingung des Südatlantiks der LADY mit Michael. Bis Dato haben wir uns schon den Mund fusselig diskutiert und Berge von Plänen von steuerbord nach backbord geschoben und zurück natürlich. Hat nicht viel gebracht, außer das der Mast der LADY in der letzten Zeit mächtig gewackelt hat. So richtig glücklich sind wir gar nicht mit den Plänen ums Kap und rundherum. Aber wir wissen eins sicher inzwischen. Wenn der Nachwuchs erst mal da ist, ist gar nix mehr mit Segeln über Ozeane. Aus der Traum. Dann bewegen wir uns mit der LADY nicht mehr zwischen Kontinenten, sondern bleiben da wo wir gerade sind, kümmern uns um die Aufzucht unserer Küken und der Finanzierung dessen.

Über Funk vereinbaren, drei baugleiche Fast Yachts 42 die Startzeit, den Kurs und die Startlinie zwischen zwei Bojen. Nervös manövrieren die Teams an der Startlinie um die beste Startposition zu erhaschen. Es weht mit 20 Knoten, in Böen mehr und manchmal weniger. Bumms. Es geht los. Wieder raus aus dem Breakwater aufs offene Meer. Die Wellenkämme sind weiß. Für mich immer ein Anblick, bei dem ich weiss, dass wir mit der LADY jetzt wieder für Wochen auf See sind, die Regattaboote wollen nur 10 Minuten bis zur Boje, dann sich fast gegenseitig versenken und im raumen Kurs zur nächsten Boje, tief in der Richards Bay. Die Sonne steht auch schon tief, so ist das beim nach Feierabendsegeln. Hoch am Wind kämpfen sich die Plastikrümpfe durchs grüne Wasser. Die NEMESIS hat neue Segel aus Cape Town drauf, Guy meint, dass das der Grund sei dafür, dass er nicht an der Spitze segelt, aber in Wahrheit bleibt der Abstand, den die Boote beim Start vorgelegt haben über den ganzen Kurs. Es sind Bootslängen die zwischen den Racern liegen, nicht Minuten, sondern Sekunden. Eine andere Welt für mich. So nah verwand und doch so weit entfernt. Beim Downwindkurs drückt mir einer der Grinder eine Dose Bier in die Hand und fragt das Übliche. >>Wo ward ihr denn so überall?<< Übliche Frage, übliche Antwort. Ich nenne die Namen der Inseln, die jeder kennt, nicht die wirklich wichtigen... >>Habt ihr Stürme gehabt?<< Ich frage ihn, ob er sich vorstellen kann, gerade beim Hoch am Wind Kurs draussen als die ADIOS schräg wie Hund, dem Teufel den Schwanz abgesegelt hat, unter Deck ein andershalbjähriges Kind und eine hochschwangere Frau zu haben?

>>Wir sind um die halbe Welt gesegelt, da werden wir auch damit klar kommen, wenn wir noch ein Kind dabei haben.<< Mir liegen die Worte noch in den Ohren, als es darum ging ob man die Familienplanung in die Zeit der Weltumsegelung oder danach legt. >>Andere schaffen das auch. Warum sollen wir das nicht auch schaffen?<< Irgendwo stimmt das ja auch. 10.200 Kilometer Segelerfahrung hat Maya, weit mehr als jeder des Teams ADIOS, weit mehr als viele unserer Leser und Mitsegler. Und jetzt liegen wir in Süd Afrika, haben uns in eine Einbahnstraße gesegelt. Die LADY zwischen Hunderten von Rümpfen, deren Eigner immer vom Trip geträumt haben die große weite Welt zu bezwingen, deren Träume jetzt mehr oder weniger gepflegt älter und älter werden... Zwischen Baustellen, Ruinen und Schicksalen. Beim Schreiben läuft mir Maya laut kreischend zwischen den Beinen herum, Nathalie spielt den nicht endenden Versuch Herr über das Mutter, Vater und Kind Chaos zu werden. Maya entdeckt gerade ihre Stimme. Vor allen Dingen die hohen Töne.. Einbahnstraße. Sackkasse. Ob wir, wie so oft den Rückwärtsgang finden?

Die Sonne ist hinter dem Horizont gefallen. Die ADIOS hat nur den zweiten Platz ergattert und kurz vor der Abfahrt zum Yachtclub macht es >>Rumms!<< Die Aufnahme der Großschot ist direkt am Baum gebrochen. Der Baum rauscht aus, niemand hat seine Kopf im Weg und helle Aufregung. Ja, das ist eben, das Problem mit dem schnellen Segeln, es geht alles auf’s Rigg. Doch der Baum ist schnell gesichert, das Segel eingeholt und die Box ist erreicht. Guy drückt mir eine Drink in die Hand. Vielleicht war es ja nicht das letzte Mal, dass ich mit der ADIOS gesegelt bin. Wer mehr wissen will über diese schnellen südafrikanischen Yachten www.fastyachts.co.za



  • 18:57
  • 16.11.2006
  • 28°47.50S, 032°04.99E
  • Richards Bay/Sued Afrika
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  • 24°C
  • 2 NE
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