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Na so was

Na so was

23:00 Weiter geht es. Maya hat morgens immer Maerchenland mit mir. Nach dem Fruehstueck, reitet Klein Maya im um die Schulter gebundenen Pareo mit Papa in den Urwald. Zwei Stunden Auszeit fuer die gestresste Mami und zwei Stunden Abenteuer fuer Papi und Kind. Mit dem Dinghy geht es an Land, die Machete in der Linken, zwei grosse runde, blaue Kinderaugen in an der rechten Seite. Da gibt es viel zu sehen und zu erleben. Einmal quer ueber die Insel geht es unter umgefallenen Palmen, immer den herunterfallenden Kokusnuessen ausweichend, vorbei an der vierzelligen Gefaengnissruine, an der Kirche und am Baum der in den Boden waechst. Jaja. Den Weg muessen wir uns immer ein bisschen freischlagen, alles wuchert nur so von oben, recht, links und unten. Da. Eine riesige Kokusnusskrabbe in der Groesse eines Fussballs versperrt Maya den Weg, wie ein Monster von einem anderen Planet schwenkt sie wild mit der Kampfzange, verkrallt sich an der Klinge der Machete und fliegt in hohen Bogen ins Unterholz zu ihren Artgenossen. Maya staunt und ihre kleinen Finger verkrallen sich in meinem Hals, sie versteckt ihren Kopf unter dem Pareo. Doch es geht weiter ueber die moosigen Korallensteine vorbei an den riesigen Spinnennetzen, die die handtellergrossen Spider schon am Morgen gesponnen haben, um uns in unserer Mission aufzuhalten. Tausende von Einsiedlerkrebsen kuendigen das baldige Ende des Urwaldwegs an. Da. Nochmal kracht es im Unterholz. Wie aus dem Nichts stuerzt eine Palme von der Senkrechten in das Dikicht. Ein Riesenkrach. Den Strand kuendigen hunderte von angeschwemmten Plastikbadelatschen an. Immer wieder suche ich nach zwei gleichen oder zumindest passenden in Mayas Groesse, aber es will nicht gelingen. Da, die Wellen brechen sich. Es ist Ebbe und wir haben den 50 Meter langen Korallenstrand fuer uns. Alle Spuren von gestern sind verwischt, der Korallensand ist glatt und eben wie neu gemacht fuer unsere Fuesse. Die Schule geht los. Auf dem Programm heute: Walking Lessons. Wie jeden Tag. Fuer Papi eher nen bisschen anstrengend, so gebueckt, Mayas Arme haltend im Schneckentempo hinter Maya herzulaufen, aber Maya hat Spass in den Backen. Ein breites Grinsen auf dem Gesicht, jauchzend laufen die kleinen Fuesse noch etwas wie auf Eiern Richtung Sueden. Immer wieder wird gestoppt. Jeder kleine Freund wird begruesst. Die Freunde haben alle ein kleines Haus, ein Schneckenhaus, zwischen Daumennagel- und Apfelsinengroesse, die Einsiedlerkrebse. Man sagt, dass die Einsiedlerkrebse bei Geburt entscheiden ob ihre Kinder Einsiedlerkrebse werden und ihr Leben lang das Haus mit dem Schwanz darin hinter sich herziehen oder ob es Kokusnusskraben werden, die unter den umgefallenen Baeumen leben und das Paradies gegen Feinde verteidigen, gross wie Fussbaelle, gefaehrlich dreinschauend. Wenn Maya mit Ihren Haenden die Einsiedlerkrebse aufhebt, verschliessen die geschickt ihr Haus, ziehen sich zurueck und nichts kann hinein. Am Anfang hat Maya die Haussle noch in den Mund genommen, doch seitdem so ein Einsiedlerkrebs mal zugeknipst hat, haelt sie vorsichtigen Abstand. Fuer die 25 Meter weisse Korallensandpiste brauchen Paps mit Maya demnach etwa 14 Minuten 45 Sekunden. Rekordzeit heute. Paps faellt ins Dickicht, faellt eine beindicke, junge Palme und gemeinsam fruehstuecken wir das Mark. Seit dem die frischen Aepfel und Bananen auf der Lady ausgegangen sind, ist das ein appetitliches Mahl am Morgen. Manchmal gibt es auch eine gekeimte Kokusnuss, deren Fleisch aussieht und schmeckt wie Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt, eine gruene Trinknuss, wo der Inhalt weiss und glibbrig ist, eine reife Nuss, wo das Kokosnussfleisch hart und fasrig ist. Viel mehr essbare Pflanzen gibt es nicht auf Chagos, aber Maya findet die Auswahl schon recht stattlich. Die zweite Schulstunde faengt an und Richtung Norden ist wieder Walking Lesson angesagt. Papis Ruecken schmerzt, also nehem wir heute einen Stock dazu. Maya mit der Linken am Stock, mit der Rechten an Papis Hosentasche. Erst etwas unsicher, dann richtig schnell. Nur 20 Minuten 35 Sekunden bis zur Wippe. Eine fast umgefallene Kokusnusspalme schwebt ein Meter ueber dem Riff, vielleicht so lang, wie der Mast der IRON LADY hoch ist. Pause. Maya steht auf dem Baumstamm und Papi darf mit den Beinen den langen Stamm zum Schwingen bringen. Ein Heidenspass. Die Sonne steigt langsam ueber die Palmen. Vorbei mit dem Schatten. Zeit fuer den Heimweg. Kaum ist Klein Maya wieder im Pareositz, faellt der Kopf auf Papis Schulter und leises Schnarchen setzt ein. Jetzt muss ich den Heimweg wohl alleine bestreiten.

Zurueck am roten Dinghy beginnt Michas Pechstraehne. Ich hab die Sonnenbrille im Urwald verloren. Das ist hier in den Tropen, als wenn man einem Tauben sein Hoergeraet wegnimmt. Das war die letzte, vielleicht habe ich noch ein verkratztes Exemplar. Unabdingbar fuer die Fahrt mit der Lady durch die Riffe. Nur mit der Polaroidbrille siet man die flachen Untiefen, die den Weg saeumen. Schei..

Auf der Lady, schnappt Mami sich das schlafende Kind und trollt sich zum Buechertausch der Segler an Land. Alleine kann ich mich um meine demolierte Harpune kuemmern. Der letzte Zakki war definitiv zu gross. Nach dem Schuss wollte der Zakki nach unten, ich nach oben. Der Zakki hat gewonnen, der Speer ist verbogen, der Widerhaken fast abgerissen und die Leine kaputt. Hmm. Ersatz hab ich Idiot in Phuket nicht gekauft, so wie ich auch kein Fischinggear gekauft habe. Tja, man wird aelter. Mit viel Fummelei bringe ich den Widerhaken wieder dran. Klappt hervorragend, bis mir auffaellt, dass ich die falsche Seite vom Speer bearbeitet habe. Guten Morgen Herr Abenteurer. Eine halbe Stunde spaeter ist alles rechtens, ich mache einen Probeschuss ins Wasser, die neue Leine bricht und der Pfeil ist zehn Meter unter der Lady, irgendwo in den Korallen. Nicht mein Tag? Schnorchelnd finde ich den Speer nicht und in einer halben Stunde bin ich verabredet zum speeren am Aussenriff. Prima Sache.



  • 23:00
  • 27.04.2006
  • 05°21.39S, 072°1274E
  • Ile Boddam/Solomons/Chagos
  • -
  • 29°C
  • 1-3 S
  • -

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