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Spass inne Backen

Spass inne Backen

19:28 >>I am the local boat manager.<< Arie steht vor mir , klebt an der Bootkante. Will natuerlich Diesel verkaufen. Mir ist schon vollkommen klar, was jetzt kommen wird. >>How much? One Liter Solar?<< Arie beginnt mit 5000 Rupiah, der Tankstellenpreis ist 1680. Alles klar? Das sind die normalen Piraten, mit denen ein Cruiser in Indonesien zu tun hat. Nach einer Stunde stellt sich erst mal raus, dass es hier kein Geld auf Plastic Fantastic gibt. Die Bank will hier meine letzten Euros zu 9.500 umtauschen, der offizielle Kurs ist 12.800. Also auch in Anzuegen, die gleichen Piraten. Irgendwo in der Stadt verhandel ich dann schlussendlich 11.000 raus. Das ist soweit o.k. Ich kann 100 Liter Diesel fuer 2500/L incl. Transport rausholen. Alles wieder sehr schwierig und nach erfolgter Lieferung des zweifelhaften Diesels, Johann wird schon schlucken, hat Arie vergessen die Transportkosten zu kalkulieren, mit seinen traurigen Augen und Erzaehlungen ueber seine 4 Kinder, buche ich die Extrakosten mal wieder unter Entwicklungshilfe. Nach einem halben Tag Arbeit, ein Problem weniger. Auf die Inselrundfahrt mit dem Boatmanager verzichte ich dankend.

Sangkapura entpuppt sich als schnukkelieges Dorf. Der Weg fuehrt ueber den Markt, ein Warung stillt meinen Hunger fuer 50 Cent und die Leute, alles Moslems, sind super freundlich. Touristen: Unbekannte Wesen. Segler kommen ab und an schon mal vorbei. Den ganzen Tag ist es bedeckt, regnet immer mal wieder, das sind Temperaturen die ich geniesse, jedenfalls ausnahmsweise nicht Schweissrinsale am Koerper.
Und es ist verhaeltnismaessig sauber. Keine toten Hunde im Wasser.

Azo steht vor seinem dicken Jeep, voll das Verbrechergesicht, lullt er mich an auf indonesisch, irgendwie nett. Nettes Laecheln, nettes Photo. >>Photo ?<< >>Klar.<< >>Gestellt ?<< >>Vorm Auto?<< >>Klar.<< >>Komm ich zeig Dir die Insel.<< >>Azo, ich habe kein Geld und brauche auch keinen Fuehrer, nen dickes Auto schon gar nicht.<< Aber er will kein Geld. Er faehrt mich erst mal zur Villa seines Bruders. Harry, spricht Englisch und super nett, die Frau, die Kinder, zwei Freunde und der Verbrecher Azo. >>Mango?<< >>Tee?<<, >>Klar, ja alles.<< Nach dem Touristenschrecknest Bali fuehle ich mich fast auf die Kapverden versetzt. Der gruene Tee haut mich und meine Kreislauf glatt vom Hocker. Die Gastfreundschaft aber noch viel mehr. Kenne ich gar nicht mehr. Harry hat lange bei einer niederlaendischen Cargofirma gearbeitet, weltweit, auf Schiffen, im Buero, wie es sich gehoert. Billiglandarbeiter. Er hat sich damit einen Palast hier auf Pulau Bawan geschaffen, Ansehen im Dorf und jetzt? Jetzt ist die niederlaendische Cargo Company bankrott und seine Frau arbeit auf dm lokalen Markt. Normales Auf und Nieder, auch hier in Indonesien nix anderes als in Old Germany. Harry ist aber trotzdem gluecklich, sein Habe ist bezahlt und er schaut sich gerade nach einem neuen Job in Jakarta um. Viel Glueck wuensche ich im.

Azo faehrt Moped, ich hinten drauf, Harry mit einem zweiten dieser Hondas, Yamahas, die Herren aus Japan, Herrscher ueber Asien und alles was sich bewegt. Azo muss immer runterschalten, wenn es den Berg hochgeht, das liegt wohl an mir. Es ist gruen, es regnet viel hier, wunderschoene Reisfelder reihen sich aneinander, die letzte Reisernte wird bestellt, alle warten auf den Monsum, die Regenzeit.

Die beiden harten Jungs aus Sangkapura zeigen mir ihre Strasse, wo alle immer hin und herfahren, viel anderes gibt es auch nicht zu machen in Sangkapura, aber sie und auch ich, wir geniessen es. Ich darf den Sprit nicht bezahlen, werde zu Omlett mit Red Hot Chilly in Cocusnussmilch eingeladen und Azo meint, iss mal noch ne Portion, als ich nach dem ersten malaysischen Volksgericht luftschnappend auf der einfachen Holzbank vor mich hinschnaufe. German Tourist in Sangkapura, ich werde jedem vorgestellt, lerne neue Woerter, die ich allesamt wieder vergessen habe, Azo zerrt mich immer wieder aufs Moped. Azo ist Gaengster, Harry eigentlich auch, Sangkapura’s Mafia. Die beiden haben hier alles in der Hand, nur dass es wegen den Moslems keine Drogen, kein Mord- und Totschlag und auch keine Prostitution gibt. Ja, was denn nun, wer ist der Pate, wer die Brueder frage ich nach. Azo war schon mal im Gefaengnis und sechzehn Jahre im Untergrund von Malaysia taetig und das Wichtigste zu allerletzt, ich bin jetzt Azo’s Freund und keiner tut mir was und auch nicht der Lady. Uff, da bin ich ja beruhigt ;-) >>Komm weiter<< Azo zieht mich am Aermel auf Moped. Ich fuehle mich durchgenagelt von der Lady von den letzten 200 Meilen segeln, motoren und jetzt Reizueberflutung. Die sind ja so nett zu mir oder bin ich einfach nur eine gefundene Abwechslung im romantischen indonesischen Inselleben.

Die Lady zeige ich den Beiden natuerlich auch noch. Muessen ja wissen, wie verrueckt Menschen sein koennen, dass sie auf so engem Raum so lange Zeit zusammen leben. Viele Fragen, das uebliche und doch sehr aufgeschlossen, ich schliesse beide selbsternannten Localmafiosis tief in mein Herz. Muslim ruft und jetzt aber nach Hause. Sie beten nicht gerne vier mal am Tag, aber das muss eben sein.

Fazit: Ich bin ueberwaeltigt. Nirgendwo steht etwas ueber diese Insel zu lesen, vielleicht ist das das richtige Auswahlindiz um Land und Leute wirklich kennenzulernen. Morgen, ich fahre nicht weiter, mindestens eine Tag muss ich mir das noch geben, war das wirklich wahr oder nur ein Traum und gleich wache ich in einer Marina auf.

Noch ganz was anderes: Die Prinzen sind wirklich losgefahren. Einen Tag vor Heilig Abend. Die sind auch einmalig.

Noch ne halbe Stunde und ich kann endlich den Diesel ausstellen und langsam unter Fock reinsegeln, parallel mit dem sunrise. Gut. Habe bis gerade geschlafen. Wenn ich nen Logbucheintrag schreibe werde ich wenigstens wach. Wenn ich mich in die Plicht setze, schlafe ich sofort wieder ein, aufm Klo wuerde ich auch wieder einschlafen. Traeume von Anker werfen und schlafen legen. Schon gemerkt? Ich habe voll den Wachrythmus drauf, als wenn Natale dabei waere, nur das ich jede Stunde einmal aufstehe und nen Check mache. Sitzt tief, auch wenn ich zwischendurch wochenlang normal schlafe.

Mimpi Manis, Schoene Traeume. Die hatte ich bis gerade, dass mein Wecker piepst, im Cockpit gelegen und versucht nicht zu verschlafen und an Bawean vorbeizufahren schrecke hoch und da sind sie wieder, die Kumulus Stratus Gewitterwolken, eher die normalen ueblichen, nicht wie gestern eine ganze Gewitterfront, aber eben doch, sie sind wieder da, meine Freunde. Weit hinten ueber dem Festland leuchtet es.

Im ersten Moment will ich umdrehen, aber nach genauerer Ueberlegung kann ich das ja jetzt nicht den ganzen Aequator lang mit seiner ITC tun. Der Radar ist negativ, keine Schaueraktivitaeten, noch nicht reif genug zum platzen. Noch 15 Meilen bis zum Ansteuerungspunkt, dann noch vier Meilen bis zum vermeintlichen Ankerplatz, der aber gegen SW auch nicht geschuetzt ist, Hafen unbekannt, nicht gerade verlockend bei einem Gewitter dort reinzufahren. Also Misch, jetzt mal ne Entscheidung: O.K. Kurs beibehalten, Fahrt drosseln und ggf. an Bawean vorbeiduesen und Kurs auf Kumai absetzten. Soviel Weind ist in den Dingern ja nicht drin und so schlimm wie gestern sieht es ja nicht aus. Jetzt teilt sich das Wolkenband und in der Mitte wird es hell, kann aber auch eine Einladung sein, mich einzukesseln. Nicht paranoid werden, kann eh nicht viel dran aendern, in Minuten veraendert sich das Wolkenbild. Das war es wohl mit der Nacht. Also wieder die ganzen Antennenstecker loesen alles vorbereiten zum abwettern und warten auf den Morgengrauen, dann loesen sich die Dinger eh auf.



  • 00:33
  • 23.12.2004
  • 06°01.63S, 112°50.30E
  • Pulau Bawean/Java Sea/Indonesia
  • Pulau Bawean/Indonesia/Singapore
  • 29°C
  • 2-3 NW
  • 1

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