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Michas 50ter Geburtstag!

Der Beginn einer neuen Zeitrechnung

Es gibt ein paar wenige Tage im Leben eines Micha W. aus D., die erwartungsgemäß etwas anders sind. Die Sonne scheint, am Nachmittag gibt es Blitz und Donner. Ein ganz normaler Tag. Wir befinden uns in Cuba, einem wirklich kontrastreiche anderem Land. Da gibt es keine Diskussion. Das müssen wir alle erst einmal verdauen. Doch heute ist das noch nicht Teil meiner Gedanken, die sich in diesem Blog spiegeln. Heute ist mein fünfzigster Geburtstag.

Wie schreib mein Freund Jürgen aus Husum letztens: „Mit Fünfzig ändert sich eigentlich nicht viel. Die Gesamtkörperschmerzen, werden etwas mehr.“ Jürgen ist Arzt in einer großen Klinik und hat Recht, obwohl das mit den Gesamtkörperschmerzen ein Vorgang ist, der eher schleichend daher zieht. Am Fünfzigsten fällt es einfach mehr auf. Auch Maya, die im Moment grade ganz große Füße bekommt und anscheinend so einen Sprung in ihrer Entwicklung macht, ist mit dieser Zahl in Papas Leben sehr beschäftigt. Maya und ich verbringen den Tag vor dem Geburtstag alleine an Bord. Die anderen sind ausgeflogen. Maya hat Fieber wegen dem Entwicklungssprung, ich Durchfall wegen den neuen bakteriellen Bedingungen. „Papa, wenn ich Tischlerin bin und Möbel mache, darf ich dann die Küche der MARLIN umbauen?“ „Klar mein Liebes!“, nehme ich sie in den Arm. „Wenn ich dann noch lebe!“, rutscht mir in meiner Fünfzigmelancholie raus. Maya fängt bitterlich an zu weinen. Sie ist immer so empfindlich, ich bekomme direkt ein schrecklich schlechtes Gewissen über das, was ich da eben sagte und Arm in Arm sitzen zwei, die sich lieben, im Schatten auf der Terrasse des kubanischen Yachtclubs, der genauso heißt wie unser gemeinsames Boot: MARLIN Marina. Man kann das was zwischen mir und meinen Kindern im Moment so abgeht fast nicht beschreiben. In großen Schritten werden Maya und Lena richtige Menschen. So wenig ich mit den beiden im Babyalter anfangen konnte, um so mehr ist derzeit jeder Tag auf der MARLIN und die gemeinsame Lebenserfahrung, so eng und intensiv auf dem Boot, wie diese sonst nicht sein könnte, das größte Geschenk, was mir meine Familie nur machen kann. Ein Familienleben im bekannten deutschen Alltagsablauf ist das reinste Kopfkino, dass ich mir bewusst für die Nächte aufbewahre, in denen ich meine Ängste im Traum verarbeite und mich wild vor rechts nach links wälze. Wir genießen jeden Tag.

Nathalie und ich reden wenig über unsere Zukunft. Die Auseinandersetzung können wir uns sparen. Keine gütige Einigung in Sicht und diese Zukunft gehört zu den Sachen, die sich immer schon von alleine entschieden haben. Das Leben auf der MARLIN ist entspannt. Eine richtige Entscheidung. Nicht nur das Segeln ist so viel einfacher und komfortabler geworden, sondern die Freiräume. Mit unserer „Alusalatschüssel“, wie ich die MRLIN immer mal wieder gerne lieblich nenne, können wir theoretisch an jeden Ort dieser Welt mit Wasseranbindung fahren ohne unglücklich durch Beengung, Kälte und Bootsprobleme zu sein. Wir können Arbeiten, unsern wirtschaftlichen Haushalt unserem Erfolg anpassen. Wir vermissen nichts und das Leben ist jeden Tag wieder ein Abenteuer. Eins passiert uns zuletzt: Das wir Langeweile haben oder wiederkehrende Monotonie Streifen durch unser Leben zieht. So ein Leben abzugeben und dafür an Land zu leben. In einem Haus. Mit Schule und Arbeit, Freizeit und Freunden. Uff, dass ist eine schwierige Vorstellung. Nathalie knackt daran. Ich merke es, aber wie gesagt: Es gibt Sachen, über die spricht man vielleicht besser nicht. Nathalie schreibt vom Glück im Leben. Das ist ja nun auch schon eher selten. Ein Zeichen. Wofür?

Zurück zu meinen Fünfzig! „Der Kapitän Michael W. soll sofort in das Marinabüro kommen. Der Immigrationskommandeur hat da ein paar wichtige Frage zu stellen!“, im Feldwebelton steht der Marinamanager vor der MARLIN. Uns allen, die wir nicht mehr ganz nüchtern im Cockpit sitzen, fällt das Herz in die Hose. „Kontrolle!“ Schnell verstecken wir die 15 jährigen Rumflaschen ohne Etikett, die Zigarren, die wir extrem günstig im Schutz der Dunkelheit bei einem Freund, ein paar Häuser weiter, erworben haben. Unser Gast Micha hat da eine Cuba Connection aufgemacht! Nicht ganz legal. Jetzt bekommen wir ordentlich Schiss! So ein schlechtes Gewissen kann ganz schön heftig sein. Ich rechne mit dem Schlimmsten und tapere barfuß durch die Pfützen des abendlichen Gewitters zum Marinabüro. Geduckt. Hoffentlich lassen die Offiziellen sich nicht schlimmste Sachen einfallen. Weiß man ja nie in Cuba. Auch wenn sich durch den Präsidentenwechsel vor einem Jahr, vieles verändert hat. Die autoritäre Präsenz der Kommunisten ist deutlich. Hätte ich einfach mal auf die Uhr geschaut, hätte ich mir das sparen können. „HAPPY BIRTHDAY to SKIPPER MICHAEL! Das Marinateam!“, steht auf eine Flasche guten lokalen Weines! George nimmt mich in der Arm und ist der erste, der mich termingerecht beglückwünscht. Mir wird nass in den Augenrändern. „Danke!“

Eine Flasche Wein kostet hier 2 $US, was etwas weniger als zwei Euro sind. Aber wenn man bedenkt, dass das offizielle monatliche Einkommen eines Taxifahrers mit vierköpfiger Familie etwa 20 $US sind, ja richtig, kein Schreib- oder Informationsfehler, 20 $US, da kommt man schon ins Nachdenken.

Am heutigen Morgen bekomme ich dann die selbstgebastelte Fünfzigjahreskrone meiner Kinder aufgesetzt. Einen dicken Schokoladenkuchen und schmetterndes Geburtstagsständchen meiner Crew. Auch meine Freunde Rene und Marion von der MIRA, die immer noch in Venezuela mit ihrem Boot festgewachsen sind, lassen es sich nicht nehmen in Kurzwellenqualität auf 10.090 Mhz zu singen! So was. So ein Geburtstag kann wunderschön sein. Ich bin zu Recht gerührt! Neben selbstgebastelten karibischen Schmuck meiner Kinder steht dann eine GoPro Kamera auf dem Gabentisch. Gewünscht hatte ich mir diese schon. Erwartet aber wirklich nicht. Danke an die Capitana und meinen Papa! Internet haben wir hier nicht. Aber Dank Sailmail erreichen mich trotzdem die vielen Glückwünsche über e-mail. Ein schöner Tag beginnt. Die melancholischen 50er-Gedanken werden vertrieben durch die kommenden Aktivitäten des Tages. Wir machen gemeinsam mit unseren Gästen eine Tour in die Berge. Besuchen ein Kaffeeröster-Museum, erklimmen gefühlte tausend Treppenstufen bis auf einen gigantischen Monoliten und genießen den Ausblick über die Umgebung von Santiago. Knapp unter den rasenden Wolken. Am Abend ziehen wir uns schick an. Meint: lange Hose, frische Unterhose, geduscht und rasiert. Die Capitana sogar ohne Brille. Hübsch sieht sie aus. Ab ins Zentrum von Santiago. Da schmettert uns die Musik um die Ohren und wir finden das Familien-Restaurant, wo wir den Tag fertig feiern können.

Es ist doch nicht so schlimm fünfzig zu werden, beschließe ich den Tag, lese gerührt das liebe lange Mail meines Freundes Guido, in dem er mich noch mal motiviert, so zu bleiben wie ich bin und nicht mit Lob und Anerkennung zum erreichten Lebensziel spart. Macht der Guido auch nicht immer. Ganz im Gegenteil. Jetzt aber Zeit ins Bett zu gehen. Morgen wird wieder die Sonne scheinen. Auf in die nächsten Fünfzig. Maya will noch die Küche der MARLIN umbauen. Sachen gibt’s: Die sitzen.






  • 23:59
  • 29.11.2013
  • 19°50.7271'N, 75°47.8900’W
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  • Santiago de Cuba
  • Jamaika
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