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Fünfzehnter Tag auf See

Steinhaufen im Meer

“Land in Sicht brülle ich!“, aber Wolfgang schaut mich nur unverständnisvoll an. Rio, wäre Land, aber doch nicht die Insel Ilha Martin Vaz, der erste zu Brasilien gehörende Steinbrocken. Jeder von uns ist sehr eigen, von daher wundern mich solche Anmerkungen nicht mehr. Wir haben schnell gelernt miteinander klar zu kommen und verstehen uns hervorragend. Manchmal eben nur sehr eigen. Aber das ist o.k. so. Unter Motor, der heute zu den Garanten zählt, dass speziell mir nicht langweilig wird, geht es um die Ecke des eine halbe Meile großen Granitfelsens, der genauso hoch aus dem Wasser steigt. Dahinter, 15 Meter Wassertiefe, Steingrund, tiefblaues Wasser über türkisem Schatten der Steine. Nicht grade Ankergrund für die Nacht, aber das wollen wir ja nun auch gar nicht. Nur eine Pause. Nen bisschen Schnorcheln, nen bisschen NICHTSEGELN! Nach fünfzehn Tagen auf See.

Johann der Motor ist mal wieder krank. Also nicht der Motor, sondern die Dieselzuleitung. Beim Saugen am Diesel entsteht ja Unterdruck im Tank, der durch die Entlüftung wieder ausgeglichen wird. Nun, es scheint, dass diese Entlüftung verstopft ist! Plötzlich läuft Johann unrund, bekommt kein Diesel mehr. Bei der Kontrolle des Wasserabscheiders bemerke ich, dass das Kontrollglas, aus Plastik, sich verformt hat und zwar durch den Unterdruck. „Nee! Hammer! So was habe ich ja noch nie gesehen.“ Um das mit dem Unterdruck rauszubekommen, brauche ich erst mal eine Stunde intensives Nachdenken. Ich öffne ein Serviceventil als zusätzliche Entlüftung und der Johann, der läuft wieder. Oder war zu viel Wasser drin? Aber das kann doch nicht sein? Oder? Johann läuft und ich bin nicht der Liebhaber von weiteren Maschineninspektionen auf See, also lassen wir es dabei. Ein neuer Wasserabscheider kommt auf die Rio Liste. Schauen wir lieber zu, dass die Mannschaft nach Rio kommt und nutzen den Wind aus, der endlich aufgekommen ist. Noch 800 Meilen zu segeln. „Let’s go!“

Alle hüpfen ins Wasser. Wir liegen vor Anker. Thomas und Rainer mit Schnorchel, Brille und Flossen, ich mit Chlorbrille und Wolfgang ohne Brille. Ich sehe die Haie 10 Meter unter uns am Boden ihre Runden drehen. Soll ich was sagen. Ne, entscheide ich mich. Die tun uns eh nix. Sind vielleicht nen Meter lang. Weiß- und Schwarzspitzenriffhaie Ich kontrolliere den Anker, das Unterwasserschiff der LADY und genieße die Aussicht von 25 Meter klarem Wasser. Die Farben und der Bewuchs sind Atlantisch. Keine Korallen. Hunderte von schwarzen Falterfischen tummeln sich unter dem Boot und finden uns total aufregend! „Micha, da sind Haie“, kommt Thomas auf mich zugeschwommen. „Ja“, flüstere ich zurück und lache. Thomas ist ganz aufgeregt. Supercool, denk ich mir und gehe wieder aufs Boot, ich bin seit drei Tagen einfach nur noch müde. Irgendwie kommen Wochen von Skipperwache (24h – Mindestens alle drei Stunden aufwachen und mal eben nen Check machen ob noch alle da sind und keine größeren Katastrophen passiert sind!) auf mich zu und fordern ihren Tribut. Ich schlafe quasi im Stehen ein und das gerne und ständig. Jetzt auch schon wieder.

Beim „Um die Ecke fahren“, haben wir noch einen geilen Jackfish aus dem Wasser gezogen. Quasi 3 Minuten vorm Ankern. Siehste Natale, immer schön die Leinen drin lassen! Man weiss nie ob noch einer anbeißt! Die Jungs trennen Fleisch von Gerippe, man kann es auch filetieren nennen, wo drin sie jeden Tag besser werden! Ich zeige Ihnen wie man mit den Haien spielt. Bind mal den Fischkadaver an die Leine. Vorsichtig hängt Rainer das Gerippe mit Kopf über die Seite der Bordwand. „Ja, pass auf“, jetzt kommen sie gleich. „Shark“, da sind drei Brüder, anderthalb Meter große Grauhaie da und streiten sich um das Gerippe, Rainer zieht den einen hoch, aber schnell haben sie das Gerippe abgebissen und kloppen sich im Wasser neben der LADY um die Reste. Wo die aggressiven Grauhaie so schnell hergekommen sind.. Hatte ich gar nicht gesehen. „Hmm! Noch jemand ne Runde schwimmen gehen?“

Die Crew hisst die Segel. Anker auf und Ablegen unter Motor. Sie denken gar nicht groß drüber nach und deshalb klappt das einwandfrei. Kurs 280°. Kurs Rio. Der Skipper geht schlafen. Um 11 Uhr in der Nacht werde ich wach und taumel auf die Toilette. Beide Ventile auf, im Waschbecken ne Pfütze Wasser, die Toilette kurz vorm überlaufen. Ich will grade losschreien und alle zur Standing Order an Deck antreten lassen, überlege es mir dann aber doch anders. „Du ärgerst Dich am meisten über Dich selbst. Nach Wochen auf See, das höchste Gesetz auf der LADY ist: „Toilettenventile IMMER zu, wenn Du nicht grade abpumst. Schon bevor irgend jemand an Bord kommt, bekommt er diese Grundregel mitgeteilt! Problem ist, dass das Boot sonst, vor allen Dingen bei Lage, zulaufen kann. Also. Ich schreie nicht. 21,22,23,24… Ab sofort macht jeder nen Logbucheintrag, wenn er die Toilette verlassen hat. Sollten die Toilettenhähne noch mal offen sein durch Geisterhand, werde ich die Ventile mit dicken Kabelbindern verschliessen und einen neuen hübschen schwarzen Eimer in die Plicht stellen. Ist auf anderen Booten auch Standard, wo immer irgendwelche Geister die Toilettenventile öffnen. Mag sich jetzt kleinkariert anhören, es ist viiiieeellll schlimmer…






  • 23:00 UTC
  • 22.04.2010
  • 20°36.13'S 029°13.10'W
  • Southern Atlantic Ocean
  • Rio de Janeiro / Brasil
  • 27,5° 1015hpa 6/8
  • 28°
  • 08kn SE
  • 0,5m

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