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Sechzehnter Tag auf See

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Nightsail

Nicht grade Regattageschwindigkeiten im Moment, aber wir segeln. Es geht jeden Tag voran mit über 100 Meilen und das ist gut. Blister rauf, Blister runter. Ich weiss gar nicht wie Nathalie und ich ohne dieses Leichtwindsegel bis Thailand gekommen sind. Nochmals „Danke“ an den edlen Sponsor Ortwin. Ohne den Blister würden wir nicht vom Fleck kommen, bei den Winden um die acht bis 10 Knoten. Ich denke ernst drüber nach, den 100qm zu verkaufen und einen 160er herstellen zu lassen. Wenn ich den 100er in Deutschland verkaufe, und den neuen in Thailand machen lasse sollte ich dabei sogar noch nen Euro Gewinn machen, meint Thomas. Hmm. Braucht jemand nen wunderschönen Blister 100qm, dickes Tuch, für ein Boot mit 15 Meter Masthöhe und 12 Meter Länge? Preis 1999 Euro. Neuwertig? Bringe ich mit nach Deutschland. Grins.

Um so nen bisschen die Stimmung an Bord zu verstehen: Rainer hat mich grade geweckt und die Wache übergeben. „Keine besonderen Vorkommnisse!“ Ich sitze auf der Bettkante. Hmm. „Gut, dann geh mal ins Bett.“ Ziehe meinen blauen Wickelrock an, entscheide mich gegen ein T-Shirt, weil zu warm, schmeiße mir die Schwimmweste über und setzte mich morgens um 3 Uhr erst mal zum Wachwerden ins Cockpit. Wie gesagt. Halbnackt! Der Mond steht 3/4tel voll über dem Horizont und beleuchtet die Szene. „Hammer!“ Ich kann es gar nicht oft genug sagen. Der Himmel ist sternenklar und das Rig der LADY knarrt leicht, wenn sie sich leicht nach backbord überlegt, ihren Bug ins Meer drückt und in jeder Sekunde 2 Meter Richtung Brasilien, Richtung Rio gutmacht. Einfach so, ohne Motorengeräusch ohne Krach nur mit diesem leichten Neigen nach vorn. „Hammer!“ Brauchen wir Drogen? Ne, Segeln ist die Droge.

Gestern dann noch mal Crewmeeting. Also es gibt Crew-Briefing, Crew-Besprechung und Crew-Meeting und in der Abstufung wird es schwieriger. Gestern dann noch mal Thema Toilettenventile. Ich schreib da nur drüber, weil solche Probleme echt eklatant wichtig werden können an Bord und sie echt zum Alltag gehören, also auch, die Problemlösung. Is ja nicht so, dass wir in Rio angekommen sind und 52 Tage an Bord miteinander gelebt und gesegelt haben und die ganze Zeit Friede, Freude, Eierkuchen war. Kann man sich ja vorstellen. Also gestern noch mal Crew-Meeting. Das Ergebnis ist schon aussagekräftig genug. Statt Toiletteneintrag im Logbuch gibt es jetzt bei uns auf Toilette eine Liste, wer zuletzt auf Klo war und nen 360° Rundumcheck gemacht hat. Wie bei Mac Doof aufm Klo. Damit sind alle glücklich und weiter geht die Reise. Das Leben geht weiter.

Die Genua schlägt. Soll ich jetzt Thomas wecken um den Blister zu setzten? Nachts ist bei uns keiner alleine auf dem Vordeck. Oder warte ich noch ne Stunde. Mmh. Ich warte noch ne Stunde. Braucht ja auch seinen Schlaf. Gestern habe ich noch mit Rolf von Intermar gesprochen und mir das Wetter gegenbestätigen lassen. Für die nächsten Tage bis zum 28ten Nordwind, schwach, aber segelbar. Noch auf den Punkt 699 Meilen to go. „Noch fünf Mal schlafen, Maya, dann kann Papa anrufen.“ Wahrscheinlich ist die junge Dame dann grade busy. „Willst Du mit Papa sprechen?“ „Nein.“ Und das meint die dann so. Aber damit hab ich kein Problem, halt mein Blut im den Adern.

So richtig zum Schreiben, zum Bloggen, kann ich die Crew nicht motivieren. Mal schreiben sie was, aber eigentlich eher ungern. Lieber fletzen sie sich im Cockpit herum, genießen ihre Zeit an Bord und erzählen sich Geschichten, von damals und heute und wenn geschrieben wird, dann schreiben sie an Lutmila, an Gudrun und Evi. Die Frauen sind heilig und an die kommt auch nix ran. „Ist Post für mich gekommen?“ ist dann auch immer die erste Frage, wenn ich aus der Funkecke rauskomme um meinen Tee zu trinken. Rainer immer zuerst. „Nein, wir verlesen die Mails nicht zum Frühstück.“ Mir soll es recht sein, wenn ich den Blog hauptsächlich mache. War auch immer schon so. Gewohnheit? Ich schreib ja nun mal gerne und quasi nebenbei, was mir so durch den Kopf geht. Da darf man gar nicht drüber nachdenken. Und wie sacht Thomas dann immer: „Und die Rechtschreibfehler könne die Leser dann behalten. Bidde schön.“

Ich bin ja fast schon so weit Resümee zu ziehen, aber dafür ist es noch viel zu früh, denke ich mir. Es ist schön noch zu segeln. Geniessen wir noch die paar Tage wunderschönes Segeln. Ich setzte mich noch mal ins Cockpit. Der Mond geht grade im Meer unter und die Sterne werden klar wie Klossbrühe am Firmament sichtbar. Keine Wolke ist am Himmel über uns und schräg über uns steht das Kreuz des Südens. Schöner geht es doch gar nicht. Is doch genau wie bestellt.






  • 23:00 UTC
  • 23.04.2010
  • 20°59.29'S 030°54.86'W
  • Southern Atlantic Ocean
  • Rio de Janeiro / Brasil
  • 27,5° 1016hpa 1/8
  • 28°
  • 10kn N
  • 0,5m

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