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Frischfleisch

Frischfleisch

Hat Natale gesagt, aus Chargos frisch angesegelt. Junge Segler unter fünfzig, unter vierzig, ohne Rente, die kommen irgendwann. Ja, Recht hat sie mal wieder behalten. Die FREEFALL und STELLA MARIS sind vor ein paar Tagen eingelaufen und noch drei weitere Boote mit Jungseglern aus Irland, Deutschland, Norwegen, Holland, England... Das Leben ändert sich schlagartig, wir drücken uns plötzlich nicht mehr darum Sonntags in irgendwelche Buchten zu fahren, wo sich die Rentnerband beim Frühstücks Buffet zu 9 Euro 33 trifft, sondern kleben an der Bordwand der jüngeren Neuankömmlinge, lachen, tratschen und haben Spaß und planen an welchem Ankerplatz wir uns als nächstes treffen.

Hell-Ville gefällt mir eigentlich jeden Tag besser. Im Gegensatz zu Nosi Kumbar, gerade mal dem zweiten Ort, den die Jungfamilie in der Madagascarzeit kennensgelernt hat, gibt es hier Autos und Taxis, LKWs und was man sonst noch so fuer den lokalen Verkehrslärm und Gestank braucht. Die Taxis und die meisten Privatwagen sind zu 99 Prozent Renault 4. Ja, so einen hat ich auch mal, bis er mir von der Polizei entzogen wurde, wegen dem Sieb im Unterboden und akuter Zusammenbruchgefahr. Hier sind wohl all die R4’s dann angekommen. Ich kenn ja die Tricks. Die Türen beim zumachen leicht anheben, weil die Scharniere verrostet sind. Anschnallgurte gibt es natürlich nicht und Maya sitzt auf Papas Schoss und will immer den Revolverschaltknüppel bedienen. Und genau so ist eigentlich ganz Hell Ville. Staubig, lärmig und um diese Stadt zu lieben braucht es viel Durchhaltevermögen.

Nachmittags sitze ich auf der CARDINALA. Unser Freund Aurelio hat uns eingeladen zu Besuch zu kommen. Dann ist er weggefahren, Natale schicke ich ins Internet, Oy ist auch nicht da und so sitze ich mit dem maledivischen Matrosen Abduhl auf dem riesigen Sonnendeck der Superyacht und spiele mit Maya und einem Eimer Muscheln. Auch Abduhl trollt sich um die anderen zu suchen, Maya und Papa koennen endlich mal wieder die Vater Tochter Beziehung etwas aufpolieren. Es wird geflirtet in den Bauch geprustet und gekitzelt was das Zeug haelt, tobend das Deck der CARDINALA erkundet und versucht nicht ins Wasser zu fallen. Die Sonne, die in der derzeitigen Trockenzeit jeden Tag scheint geht langsam dem Horizont entgegen, als die anderen wieder eintrudeln. Oy, Thailänderin kocht für alle Green Curry, das sich noch auf der Lady findet, mit Fisch, den Aurelio auf dem letzten Chartertoern gefangen hat und Garneelen vom Markt, die hier eine Mutantengroesse erreichen koennen. Unglaublich und finanzierbar.


Wenn man nur nicht immer das Kind auf dem Arm hätte. Das behindert wirklich bei unserem Fotografierfieber, was von Tag zu Tag immer mal wieder ausbricht. Natürlich ist mir Maya lieber als die Kamera, ohne Frage, aber Fotos wollen wir ja auch machen. Mehr Selbstdisziplin verschreibe ich mir. Blende auf, nah ran und statt Sundowner noch mal zur besten Lichtzeit in die Stadt. Es lohnt sich. Wenn ich nur ein Prozent von dem was ich mit meinen Augen sehe auf den Chip bekomme werde ich doch noch berüchtigt.



  • 21:00
  • 27.09.2006
  • 13°24.45S, 048°17.07E
  • Madagascar/Nosi BE
  • 28°C
  • 2 NE
  • -

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