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Beigedreht

Beigedreht

23:59 Natale zaubert irgendwie eine geniale Erbsensuppe, der Wind ist mal wieder weg oder kommt jetzt ploetzlich aus SW genau aus Pitcairn. Es macht einfach keinen Spass mehr. Das Ruder liegt hart backbord, die Genua ist aufgerollt und das Gross laesst uns beigedreht in den vielleicht 3 Knoten Wind wanken wie am Ankerplatz. Wir feiern spontan, oeffnen eine Flasche Wein und toeten eventuelle Bakterien und Krankheitserreger in der Suppe mit einem Rum ab. Beide sind wir am Ende und schlafen ein, die Lady wankt ruhig wie am Ankerplatz. Die Luft ist raus und die Natur holt sich, was sie braucht. Schlaf und Erholung.

Immer noch 916 Meilen zum Ziel und kein Wind. Ich werde diesen Bericht rausschicken und die Genua ausrollen, den Wind in der Nacht suchen und vielleicht bis morgen in der Daemmerung noch ein paar Meilen sued machen.

Auf dem Guenternetz gestern war fuer den ganzen suedlichen Pazifik die gleiche Situation zu hoeren. Passatwind ausgefallen. Etwa 10 europaeische Schiffe sind quasi stehengeblieben. Die einen motoren, die anderen schlafen...

12:58 Am spaeten Vormittag entscheiden wir uns, doch noch ne Stunden zu motoren, bevor das Nervenkostuem ganz blank liegt, Etmal 16 Seemeilen, das gabs noch nie! Doch die Geduld wird belohnt, schon nach kurzer Zeit kommt ein Windhauch aus Suedwest, der zu einer stetigen Brise auffrischt. Endlich wieder Fahrt im Schiff, hoch am Wind Richtung Sued, die Mannschaft atmet auf.

05:44 Da schippert man wochenlang ueber den Pazific und im Gaestebuch tritt Grabesstille ein. Gerade jetzt wo in der Flaute mal ein aufmunternder Gaestebucheintrag den lieben langen Tag im Schwell verschoenert, scheint es das normalste der Welt zu sein, dass wir uns in der hintersten Ecke der Welt befinden, die Eier ausgehen und wir anfangen Vitamintabletten zu schlucken, weil Obst und Gemuese schon lange nicht mehr sind. Macht einen dann doch etwas nachdenklich. Darf man das als Autor? Ich mein ja. Klar.

Doch da ist Petra & Marcel und hier meine Info. Unsere Pacific funktioniert einwandfrei. Das Ding ist inzwischen anderthalb Mal um die Welt gesegelt. Wir haben keine Probleme und dies auch nie behauptet. Es ist lediglich die Pinne zwischen Ruder und Seilzug der Selbststeuerung gebrochen, die muessen wir wieder mal schweissen, da wir bei der Passatsegellei doch ziemliche Scheerkraefte hatten im Geschwindigkeitsrausch. Dieses Teil gehoert nicht zum Lieferumfang der Anlage, sondern ist gleichzeitig unsere Notpinne. Also eigene Schuld. Haette eigentlich nicht sein muessen. Bei der Pazifik Plus hat es wohl schon oefters Probleme gegeben, da ein Ruder wohl aus zwei Teilen zusammengesetzt ist, was wiederum mit der maximalen Laenge beim Versand zu tun hat. Nun. Ich kann es nicht beurteilen, aber die Verbindung dieser beiden Teile ist wohl schon mal gebrochen und ploetzlich war das Ruder weg. Ist natuerlich doof. Ich wuerde da beim Hersteller noch mal nachfragen. Das Problem ist bekannt auch durch das Boot DADDEL DOO, bitte beziehe Dich darauf. Dann kann man ja den Fall durchspielen, was ist wenn und entsprechende Vorsichtsmassnahmen einleiten. Buch? Ja. Siehe auch Beschreibung Partner unter dk-Verlag. Danke fuer euren lieben Gaestebucheintrag! Muntert auf.

So, da kein Wind, auch keine Steuerung notwendig. Die Sonne geht grade auf und schnell noch dieses Mail raus, bevor die
Ausbreitungsbedingungen zusammenbrechen. Die Wettervorhersage sagt 5-10 Knoten innerhalb der naechsten 24 Stunden beginnend. Mensch das waere doch mal was...

04:13 Wie fluessiges Blei oder Quecksilber sieht dás naechtliche Meer aus, kein Windhauch , kein Kraeuseln, nichts. Sogar die Sterne spiegeln sich im Wasser und spielen einem Streiche, da man staendig meint, irgendwo Lichter von anderen Booten zu sehen.
Der Motor ist wieder aus, wir wackeln von rechts nach links, hoffentlich kann Micha schlafen...

00:10 Merkwuerdige Welle laesst uns wild ins Schaukeln bringen, so dass ich entscheide die Batterien unter Schleichfahrt wieder aufzuladen und etwas Suedwest zu machen. So kann Natale ein paar Stunden ruhig Schlafen und ich in Ruhe funken und das Daypic schicken.

Die Kommunikation tut sich insgesamt etwas schwerer, als ich mir das vorgestellt habe. OrbComm ist etwa 250 Meilen nach Galapagos ausgefallen. Wir koenen weder empfangen, noch senden. Im Moment prueft Orbcomm ob es sich um eine Fehlkonfiguration handelt oder wir uns in einer toten Zone befinden.

Ueber unseren Provider Marinenet/Florida ist die Kommunikation via Pactor auf Kurzwelle fast kaum noch moeglich. Die Speedautomatik des Pactorprotokolls, abhaengig von der Qualitaet der Verbindung, schaltet auf 200-600 baud/min runter, in der Karibik waren 3200 baud/min normal. Um Bilder zu senden ist das zu wenig. Ein Daypic dauert dann etwa eine Stunde, wofuer Onlinezeit und Strom fehlt.

Nur ueber Amateurfunk halten wir im Moment noch die Verbindung zur Aussenwelt aufrecht. Gut das wir uns fuer verschiedene Techniken und Anbieter entschieden haben. Jemanden der die Reise ebenso machen will, wuerde ich sicherlich noch ein Irridium Satellitentelefon empfehlen, nachdem ich jetzt merke wie schnell die anderen Kommunikationswege ausfallen...

Familie und Bodenstation ist ja gewoehnt jeden Tag eine Mail zu bekommen, unser Logbuch zu lesen und gegebenenfalls ein Bild anschauen zu koennen. Sollte unser Funkgeraet allerdings jetzt zufaellig ganz den Geist aufgeben wollen, dann wuerde ploetzlich keine Meldung mehr kommen. In diesem Falle also keine Panik, so lange wir unsere EPIRB Rettungsboje nicht aktivieren.



  • 00:10
  • 08.04.2003
  • 16°37.13S, 115°47.42'W
  • Pazifik
  • Pitcairn
  • 25°C
  • VAR -
  • 2

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