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Glueck

Glueck

22:44 Natale und ich sind gluecklich zwei Segel ueber dem Kopf zu haben, nen Pumpklo was funktioniert und nen Diesel der anspringt wenn der Wind ausfaellt. Trotzdem kann sich keiner vorstellen was zwischen zwei Menschen so alles passiert, die jetzt quasi drei Wochen auf der winzigen Lady eingespeert sind. Das kann nur der, der es selber mal gewagt hat. Ein wahrhaft eindruckvolles Erlebnis:

>>Schatz!<< >>Ja?<< >>Was moechtest Du als erstes machen, wenn wir auf den Gambier Inseln ankommen?<< Ich runzel die Stirn, bewege mein Blick von der Angelspitze weg ins heimische Haus mit dem Segel ueber dem Kopf: >>Hmm. Wir fahren gemeinsam mit dem Dinghy zum Strand. Wir landen an, kuessen den Boden. Dann gehtst Du nach links und ich nach rechts. Dann, nach zehn Minuten moechte ich Dich endlich mal wieder richtig vermissen.<< Sprachspiele, wie diese praegen die Zeit zwischen windstillem Motoren in Richtung naechster Regenfront und dem Untersegeln und den Mast nicht verlieren bei 30 Knoten Boeen bei Erreichen der naechsten Regenfront.

Es ist ein so grosser Unterschied, im Charterurlaub von griechischer Insel zu griechischer Insel zu segeln oder von Mittagssonnenfix zu Mittagssonnenfix irgendwo mitten im Pacific, der die Haelfte unserer Erdkuegel mit Wasser bedeckt, sich selbst zu finden. Nach drei Wochen fragt man sich schon ob man selber noch ganz richtig im Kopf ist. <>, stehe ich an Deck und schreie das Meer an. Immer noch 700 Seemeilen, also genau 1297,271472 km zum Landfall. Ja ich bin einer der wenigen Segler, der dieser Traum wirklich wurde, ich bin stolz darauf aber in manchen Momenten eben auch nicht und ich luege mich nicht selber an, habe manchmal auch tierischen Schiss vor diesem unendlichen Blau mit seinen Flauten und Boen...

>>IRON LADY for VP7TC. Good morning Tom, how copy?<<, ich spreche mit einem der Blutsverwandten des Cristian Fletchers, der die auf dieser Insel unseres naechsten Wegpunkts leben. Ohne Flughafen, ohne feste Schiffsverbindung, eigentlich noch weiter weg von der Zivilisation als die Osterinseln, weil vollkommen unerreichbar. >>How is Betty? I heard, that she is in New Zealand in the hospital...<<, es folgen Liebesbeteuerungen an seine Frau, wie schlimm das Leben ohne Betty ist, wie Tom´s ganzer Tagesablauf durcheinander geraet und das er er wegen einem vorbeikommenden Cruisships am Dienstag nicht auf Frequenz war. Wieder Liebesschwoere an Betty. >>Siehste Schatz!<<, so ist das wenn dann zwei Menschen getrennt werden die ebenso eng leben wie wir. Natale und mir stehen vor Ruehrung die Traenen in den Augen. Ein anderes Segelboot ist von den Gambierinseln angekommen. Liegen aber auf der Westseite, in der Bountybay, wo das beruehmte Wrack noch in acht Meter Tiefe liegen soll, steht Schwell und macht Ankern unmoeglich.

It is mailtime. Nur noch ein paar Stunden nachts haben wir hier Richtung Ende der Welt die Ausbreitungsbedingungen um mit unserer halbkaputten Funke unsere E-Mails zu senden und zu empfangen. Gleich wissen wir mehr, ob die Bedingungen es heute vielleicht zulassen ein kleines daypic mit 22k zu senden. Bei der Entfernung heisst das 10 Amperestunden der Batterie entnehmen fuer eine halbe Stunde. Vielleicht bricht die Verbindung aber auch bei 99 Prozent der uebertragenen Daten zusammen. Waere nicht das erste Mal. Der Schleppgenerator wird vier Stunden brauchen um die verbrauchte Energie zurieckzubringen, aber nur bei 6kn Fahrt, also wahrscheinlich den ganzen Tag... Kann man sich das vorstellen, wenn man untem am Tisch eine Steckdosenleiste mit 12 Schukosteckdosen hat? Nein. Alternative Lebensformen, alternative Ansichtsformen...

05:53 Also ganz lieber herzlichen Dank fuer alle aufmunternden Gaestebucheintraege. Bei den Zahlen, die unsere Bodenstation nun bekannt gibt scheint die Zahl der Leser, die nicht unbedingt ins Gaestebuch schreiben ja enorm gross zu sein. Sogar Ruedi lebt. Mann. Mann.

Micha ist jetzt wieder wach und am Mikrofon, wir segeln durch die Nacht dahin. Der Beate empfehle ich einen ICOM718 und zu unserer Toilette sei gesagt, dass ich diese noch nie auseinandergeschraubt habe, auch nicht die Pumpe. Wenn die verstopft ist warten wir einfach ne halbe Stunde, schuetten warmes Wasser ins Klo, wenn kein Wasser mehr drin ist, und dann mit sanften kurzen Schlaegen der Handkante den Pumphebel bearbeiten ohne die Pumpe aus ihrer Verankerung auszubrechen. Nach ein paar Minuten flutscht dann alles wieder. Bei einer Binde hat man natuerlich auch mit so etwas keine Chance mehr. Wir haben uebrigends eine Lawac Unterdrucktoilette.

Ich warte auf den Sonnenaufgang, damit ich die Wolken besser sehen kann. Natale hats nun doch wieder eilig gehabt und alles augerollt was da ist, jetzt fliegen wir mit Wing rechts und links durch die Nacht und ueber das Meer. Mit etwas Licht koennen wir das Spiel noch etwas verfeinern und das typische gieren der Passatsegel nach steuer- und backbord reduzieren: Hier noch nen bisschen dicht holen, da noch nen bisschen fieren und fertig ist die Erbsensuppe.

02:53 Wind hat gedreht, auf Ost und abgeschwaecht. Wir laufen nun wieder raumen Kurs mit ausgebaumter Genua ohne Gross. Das wackelt und wackelt. Micha ist auch gleich wach geworden. Geräuschemässig sind wir einfach noch nicht so fuer den Vorwindkurs präpariert. Auf dem Atlantik haben wir die ersten Tage damit verbracht, Decken, Tuecher, aufbalsbare Gummibaelle in saemtliche Schapps zu quetschen um den fliegenden Toepfen, Glaesern usw die Resonanz zu nehmen. Doch auf dieser Fahrt sind wir bisher fast immer auf einem Bug gefahren. Ich geh noch mal nach draussen und versuch die Rollerei abzustellen...



  • 02:53
  • 11.04.2003
  • 18°31.28S, 118°35.00'W
  • Pazifik
  • Pitcairn
  • 28°C
  • E 2-3
  • 1

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