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Kommunikationsschwierigkeiten

Kommunikationsschwierigkeiten

23:24 Die Wege der Hochfrequenz sind unbegreiflich. Gestern sitzen Freunde von uns via Funk quasi zu Sundowner im Cockpit und ich bekomme auf der anderen Seite die Mails kaum noch raus. Alle 100 Meeilen veraendern sich die Ausbreitungsbedingungen, die beste Zeit und alles ist wieder neu auszuprobieren. Auch die Kommunikation zwischen mir und Natale ist nicht gerade wie an den besten Tagen. Missverstaendnisse ziehen wie Wolken an uns vorueber, beide sind wir gereizt von fast 3 Wochen auf See und manchmal eben gar nicht mehr kompromissbereit wie normal. Eine Seefahrt halt. Wie der Wind. Leicht bockig mit Boen ;-) Wir werden es ueberleben...

20:44 Unglaublich, aber wir segeln immer noch, mal schneller mal langsamer, den ganzen Tag von einer Gewitterwolke zur naechsten, immer die begleitende Brise ausnutzend. Doch seit Sonnenuntergang segeln wir ohne Wolken, sollte das gar der Passat sein? Mal nicht unken, lieber drueber freuen und abwarten, was die Nacht bringt.

Haben auf der Funke gerade zufaellig canadische Freunde gehoert, gut 3000 Meilen weit weg, in Colon auf einer Frequenz, die normalerweise nur 1000 Seemeilen weit reicht. Das ist, wie alte Bekannte plötzlich auf der Strasse treffen, auch wenn man nur die Stimmen hört. Die Verbindung war so gut, dass ich richtig quatschen konnte. Kleine Dinge, aber sie verschoenern den Tag und machen ihn zu etwas besonderem hier draussen, nach 4 Tagen Flaute...

11:00 ...das Murmeltier. Ich steh in der Pantry nach dem Fruehstueck um zu spuelen, wie immer gegen halb zehn, aus dem Fenster derselbe Blick, wie immer kein Wind, die Deutsche Welle versorgt mich mit Nachrichten. Und ploetzlich hoere ich dieselbe Sendung ueber russische Popmusik, die wir gestern gehoert haben. Nu reichts. Entweder wir sind bekloppt geworden und es wird langsam wirklich jeder Tag wie der andere, oder die Deutsche Welle hat sich mit uns armen Flautenseglern nen Scherz erlaubt.

Haben gerade mal wieder Wolkenwind von ner kleinen Gewitterfront, vielleicht haelt die nen paar Stuendchen. Etmal heute 85 Seemeilen, das wird ja wieder.
Micha ist grantig, hat schlecht geschlafen, Rueckenschmerzen und pendelt gerade liegend vom Cockpit in die Koje und wieder zurueck. Vielleicht kann ich ihm ja einen Fisch fangen, zur Aufmunterung.

05:54 Ich hab den Motor wieder aus gemacht. Konnte das Geruehre nicht mehr ertragen. Der Wind reicht so gerade um die Lady auf Kurs zu halten. An meine letzte Wache kann ich mich nicht mehr erinnern. Ueberhaupt wird alles zu viel, mein Kopf faengt alles an durcheinander zu werfen. Irgendwann um 3:30 bin ich dann wach geworden, einfach in der Plicht eingeschlafen. Den Ruecken nicht zugedeckt ist mein Kreuz steif wie Hund. Scheisse. Ich will endlich Wind, ich will endlich ankommen, ich will endlich mal wieder nen paar hundert Meter aufrecht laufen, ich traeume schon davon morgens 20 Minuten joggen zu duerfen...

Ortwin, mein Pa ist uebrigends ins Krankenhaus gekommen. Bandscheibe. Nicht die Welt, aber trotzdem nicht gerade der tollste Zeitpunkt. Also das auch noch.

04:03 Und wieder weg, der Wind. Johann wieder aus dem Schlaf holen und ne Runde motoren. Aber immerhin, wir sind seit gestern abend 30 Seemeilen GESEGELT! Hatten wir seit Tagen nicht mehr.

Das Cockpit scheint sich in den leichten bis nicht vorhandenen Winden immer mehr zum Schlafzimmer zu entwickeln. Micha holt mich um halb vier aus der Koje, eineinhalb Stunden zu spaet, ist eingeschlafen da oben... Na ja, andere Schiffe schlafen ueberhaupt immmer nachts und hier in der Ecke ist wirklich ueberhaupt nichts los was andere Schiffe angeht.

Bei Flaute entwickelt man schon die seltsamsten Idee, gestern abend Funkkontakt mit der Zwantje: Wenn die Flaute bleibt, koennen wir unsere Kurse ja leicht aendern und uns hier draussen treffen, wir machen mehr Sued und Ihr West, stehen gerade 50 sm auseinander.
Die Zwantje hat naemlich Bier an Bord, als Tauschgut koennten wir frischgebackenes Brot anbieten, denn deren Herd scheint nur Brickets zu produzieren... Party auf dem Pazifik, mit dem Dinghi mal eben bei Nachbars vorbeirudern. Komische Vorstellung, aber wer diese absolute Stille und Bewegungslosigkeit in einer Flaute mal gesehen hat, weiss, dass man auf die irrwitzigsten Gedanken kommen kann.



  • 04:03
  • 10.04.2003
  • 17°26.28S, 117°23.39'W
  • Pazifik
  • Pitcairn
  • 24°C
  • SE 1-2
  • 1

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