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Schlechtes Gewissen

Kommunikationsloch

Wir sind jetzt seit ein paar Tagen ohne Internet. Gibt es einfach nicht. Kein G3, kein UMTS, kein GPRS, kein gar nichts. Wir sind tief in der schönsten Schlucht unseres Lebens, in der Schlucht Rio Colca. Tausendsechshundert Meter steigt die Schlucht zu beiden Seiten fast senkrecht hoch, an der Sohle der reißende Fluss. In der Lodge Llahuar treffen sich die Wanderwahnsinnigen, die zu Fuß in die Schlucht absteigen, dann eine weitere Tageswanderung in die sogenannte Oase weiter wandern. Und! Natürlich den ganzen Weg zurück, in praller Sonne mit tausend Höhenmetern. Wir haben das Ganze über eine Schotterpiste gemacht, die sich in unendlichen Serpentinen langsam an den Schluchten entlangschleicht, die immer enger wird und immer steiler, die an der Backbordseite erst 45 Grad abfällt, dann fast senkrecht die Sicht in die Tiefe die Sicht bis zum Fluss freigibt, ohne Platz für ein entgegenkommendes Fahrzeug. Es ging so weit, das ich mir in die Hose geschissen habe. Alle mussten aussteigen und ich mit qualmenden Reifen rückwärts die Anhöhe wieder rauf. Vierrad ist ja prima, aber rückwärts gibt es nur noch zwei Gänge, statt der acht nach vorne. Klares Manko. Also Zentimeter für Zentimeter an einer breiteren Stelle gewendet und eine Stunde wieder zurück. Natürlich stinkesauer, weil mit Umkehren hatte ich ja schon immer mein Problem. Aber das ganze als Wanderung mit Maya und Lena wäre geradezu mörderisch in der Hitze und die Steigungen, die genauso gefährlich und dramatisch sind wie der 4WD Track.

Inzwischen sind wir schon die zweite Nacht in der Llahuar Lodge. Am Fuße der Lodge gibt es mehrere Thermalbäderbecken - einfach aus Zement gemauert. In Plastikrohren fließt das 38 Grad warme Wasser mit leicht schwefeligen Geruch aus den Felsspalten in die Becken. Wir sind alleine. Alle anderen Gäste, genau ein deutsches Pärchen und eine Solowanderin aus Kanada, sind wieder unterwegs am Berg. Um 11 Uhr kommt die Sonne über die Bergspitzen und wir relaxen, faulenzen, spielen in den heißen Thermalbecken. Über das Wetter braucht man sich keine Gedanken machen. Es ist jeden Tag sonnig, kein Smog wie in Arequipa, kein Dunst wie an der Pazifikküste. Ich versuche im Wasser die Forellen zu entdecken die es hier geben soll. Herr Beuger steht wohl 200 Meter über uns auf dem nächsten Berg. Da müssen wir ab und zu hin, denn in der Lodge gibt es kein Strom. Die alten Solarpanele geben grade genug Strom für das LED Licht nachts und das auch nur mit Hängen und Würgen. Und so ist der Steile zwanzig Minutenweg hoch zum Toyota die einzige Möglichkeit um das Macbook, iPad und iPhone aufzuladen. Na, wir werden es überleben. Auch mal schön ohne die ganze Unterhaltungselektronik, wie Natahlie meint. Schlecht für Dauerleser, die die regelmäßige Dokumentation gewöhnt sind.

Doch wie sind wir ins Tal heruntergekommen? Der Plan war zwei Maulesel zu mieten und Gepäck und Kinder darauf zu verpacken und den Weg ins Tal so zu schaffen. Aufgeben ist ja nun nicht unser Ding. Doch es kam anders. Auf dem Rückweg blockierte plötzlich Antonios roter Hilux den Weg. Keiner drin, aber Antonio kam dann irgendwann aus den Büschen. „Wo kommt ihr den her?“ Und wir erzählten unser Leid. Antonio überzeugte uns schnell, dass wir genau den richtigen Wagen hätten um bis in Tal zu kommen. „Easy! Total Easy!“ Nun, wenn man weiß, das der Weg nicht enger und enger und steiler wird, mag das ja sein. Wir wissen das nicht. Kurzerhand drehen wir wieder auf eigner Achse und Antonio zieht an uns vorbei. Im Staubschweif des Hilux geht es wieder den verfluchten Geröllweg in die Tiefe der Schlucht. Nathalie hat Höhenangst, sie schließt die Augen. Nur nicht runtergucken. Gut eine Stunde lang geht es Serpentinen runter. Die Kurven sind so eng, so steil, dass man in der Mitte stoppen und rückwärts setzen muss, damit der Wendkreis der Geländewagen ausreicht um rumzukommen ohne den kurzen Weg zu nehmen ;-) Ich denke an Antonio Worte „Easy! Total Easy!“ Mit meinem Freund Guido an der Seite hätten wir bestimmt viel Spaß daran das letzte aus Herrn Beuger zu holen. Gib Gas, ich will Spaß. Aber mit der besorgten Kindesmutter und den zwei Drittelstarken auf den achterlichen Sitzerhöhungen sieht das ganz anders aus.

Das Rauschen des Rios Colca begrüßt uns, nach dem zwanzigminütigen Abstieg bekommen wir eine kleine Hütte aus Steinen mit Lehm gehalten, mit dicken Matrazen und den üblichen drei Alpaca Decken je Bett für die kalten Morgenstunden, wenn die Kälte das aus den Bergen das Tal erreicht. Die Duschen sind kalt, das Essen einfach und es ist höchstgradig romantisch, schön, ergreifend und unserem Budget entsprechend sehr günstig. 5 Euro pro Nase, Kinder gelten halb, plus Essen und Trinken. Hier bleiben wir erst mal ein paar Tage, bevor wir Herrn Beuger wieder über den 4WD-Trail nach oben bringen werden. Ich hab gestern meine Flyfishing Angel aus dem Auto mitgebracht. Mal schauen, ob die Forellen meine Köder mögen.



  • 07:47
  • 17.08.2012
  • 15°34.9358'S, 072°00.5540’W
  • By Car / Northeast
  • Lodge Llahuar, Peru
  • Machu Picchu, Peru
  • 13°
  • 0 kn
  • 0 m

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