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Indonesia – Hello Mister Land

17:33 Schoen wie Kumai ist, so geht es mir doch manchmal auf den Keks, dieses staendige Gerufe: >>Hello Mister!<< Sobald ich den Fuss aus dem Dinghy an Land bewege und um die erste Ecke bringe faengt es an und endet nicht bevor ich das Dinghy nicht wieder erreicht habe. Es ist nicht unfreundlich, ganz im Gegenteil, es spiegelt den englischen Wortschatz der Bevoelkerung wieder, es ist alles was ihnen an Wohlgefallen entweichen kann. Schon lange habe ich es einfach aufgegeben bei jedem stehenzubleiben und eine >>mit Armen und Beinen<< Konversation aufzubauen. Auch wenn sich mein indonesisch Wortschatz langsam taeglich erweitert, so bin ich vom Anspruch Konversation auf Indonesisch wahrscheinlich genauso weit entfernt wie diese Menschen dem gleichen Ziel in englischer Sprache. Also rufe ich laechend, vielleicht noch mit der Hand winkend ein >>Hello Mister!<< zurueck. Auch ein Sprachfuehrer mitzunehmen ist ein grober Fehler. Schaut man einen Satz, ein paar Brocken nach, bekommt der Gegenueber sofort die Meinung in fliessendem Indonesisch antworten zu koennen und zwar in einem Wortschwall, dass es einen wie eine kalte Dusche erwischt. Der Sprachfuehrer ermoeglicht zwar zu reden, aber nicht zu verstehen ;-) Und doch es geht, irgendwie und es ist schoen... Auf dem Markt lernt man die Zahlen, ueberhaupt das erste was man lernt und mit einem >>Selamat Pagi<< (Guten Morgen), einem Laecheln bekommt man von den Marktfrauen mehr an Freundlichkeit zurueck als man gibt. Klar sollte nur sein, dass gerade die Frauen allesamt einem nur auf die Nase schauen. Neidische Blicke, viele wollen auch mal anfassen, weil grosse Nasen eben Schoenheitsideal sind, weil die Asiaten alle so platte Stuppsnasen im Gesicht haben. Ja. Da muss man erst mal drauf kommen. Gut. Mein Ruecken ruft nach Bewegung, nein nicht irgendwo in der Lady rumkrabbeln und Zug bekommen, nein Laufen, aufrechte Fortbewegung! Also erst mal um die Ecke zum naechsten >>Schiffsausruester<<. Der Chinese hat alles, kann alles und das gar nicht mal so schlecht. Die Preise sind nicht ganz indonesische, aber auch nicht europaeisch, Chinesen sind halt nicht dumm, deshalb findet man sie auch auf der ganzen Welt. Eine neue Steuerstange aus Edelstahl fuer den Windpiloten soll es sein. Hmm, ich nicht dumm, habe einfach die alte mitgebracht und schnell wird verstanden was ich haben will. Material ist da, es wird gebogen, gehaemmert und vor dem Shop entsteht eine neue Schubstange. Daisy wird stolz sein. Die Chinesen sind auch stolz und ich gebe ihnen noch eine Aufgabe, ein Plastikfitting fuer unsere Regenauffangung, bumms, auch das bekommen sie auf die Reihe. Nebenbei wird der Rahmen eines Mopeds lackiert und ein anderer fraest frei Hand mit der Bohrmaschine einen Lagersitz im Innelleben einer Kettensaege. Alles, wie gesagt auf der Strasse, zwischen den Beinen werden die Teile gehalten. Indonesien halt. Meine Beine tragen mich bis zum anderen Ende des Dorfes. Bisher habe ich diese Richtung noch nicht eingenommen. Ich spiele mit den Kids eine Runde Playstation, bekomme still ein bisschen Gebaeck zugeschoben und die jungen Maedchen gucken schnell weg und kichern, wenn ich die Kamera ansetzte. Ich sehe massenweise Muttis und Papis im Kinderglueck auf Verandas sitzen, Kinder in Tuechern schaukeln, das es mir schon auffaellt, dass es wohl an mir selbst liegen muss, das ich dafuer so sensibel bin. Schoen, das ich die Zeit dafuer habe. Neugier siegt und ich traue mich zu einem der dicken traditionellen Segelschiffe, dass schon seit Wochen an der Pier vertraut liegt. Ganz schoen gross. Am Kai steht die ganze Belegschaft, ausschliesslich junge und aeltere Maenner. Um so dicker der Bauch um so wichtiger die Position an Board. Ich erklaere, dass ich auch wichtig bin, Kapitaen von der IRON LADY. Reines Segelschiff! Aehm, derzeit! Erst mal wird viel gelacht (ueber mich natuerlich), doch einer mit den dicken Baeuchen laedt mich auf einen Kaffee ein. Ich trinke ja eigentlich gar keinen Kaffee, aber den schlage ich natuerlich nicht aus. Ich darf an Bord dieses in Sulawesi gebauten 30 Meter langen Segelers kommen. Irgendwie zeigen sie mir alles und kaum gaehne ich, wird mir ein Platz zum Schlafen ageboten. Ein Teller Reis mit einem fingerlangen Fisch ohne alles landet vor meinem Platz. >>Ahem, danke, gerade kein Hunger.<< Sie sind so unglaublich nett, allesamt. Die Besichtigung des Motorraums konnte ich leider auch nicht komplettieren, da es dermassen nach Rattenpisse stinkt, dass sich ein sofortiges Wuergegefuehl in meinem Hals regt. Heute Abend, lerne ich wieder ein paar Woerter Indonesisch im Bett. Versprochen. Am Himmel wird es schwarz, wie jeden Nachmittag. Der Monsum kommt mit dicken Backen, pustet einmal die Strassen von Kumai leer, schuettet tonnenweise Wasser aus und nach einer Stunde geht es weiter. Die Sonne brennt wieder und unter meterlangen Huetten sitzen Jung- und Altweiber, flechten in affenartiger Geschwindigkeit Palmwedel zu Dachbedeckungen. Die Matten werden auf Lastwagen verladen und ins Land gefahren. Trotz der Arbeit im Schatten gehoert zum weiblichen Schoenheitsideal die helle Hautfarbe. So schminken sich die Maedels von Morgens bis Abends das Gesicht mit weisser Farbe, was auch immer es ist. Ob im Supermarkt im Restaurant ueberall sieht man diese pittoresken Damen arbeiten. Zurueck auf der Lady, merke ich, dass es schon wieder Abend ist. Nichts einen Handschlag habe ich auf der Lady getan, ausser meinen Dreck weggespuelt, das ist doch was, ein erfolgreicher Samstag. Ich muss noch anderhalb Liter Tee trinken um meinen Spiegel wieder zu erreichen ;-)




  • 17:33
  • 15.01.2005
  • 02°44.63S, 111°43.85E
  • Kumai/Kalimantan/Indonesien
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  • 4 SW
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