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Schwarzer Freitag

Schwarzer Freitag

Nach dem Fruehstueck faellt unsere kleine Acrobatin einfach rueckwaerts den Niedergang runter. Nix passiert, aber Maya heult natuerlich wie Hoelle, verstaendlicherweise... Das mit dem Heulen und bei Mama aufm Arm geht dann den ganzen Tag, bis die Eltern die Nerven mehr als blank liegen haben. Nix geht mehr. Der Tag ist hin, aber Hauptsache dem Kind geht es gut. Soviel zum Thema Eltern werden. Das gibt bestimmt wieder bueschelweise graue Haare.

Uns ist aufgefallen, dass wir gar nicht mehr wie frueher, so oft ueber unsere alten Feinde berichten. Da mag der aufmerksame Leser denken, die sind von der Bildflaeche verschwunden. Der alte Herr Rost, Opa Bertschi Kerosinbrenner und Tante Sonnenschein, der Batterieschreck. Ja, ja, ja, dass Leben auf Chagos ist wunderschoen, da kommt man ins traeumen, aber wenn man dafuer erst ein Segelboot fuer teures Geld kaufen muss, seine Existenz in der Heimat aufgeben, seinen Beruf an den Nagel haengen, seine Ehefrau durch die Gehirnwaesche schicken, die Kinder ins Heim stecken und das Familienerbe abschreiben muss, dann tut es vielleicht doch ein Pauschalurlaub auf den Seychellen, Joern, was meinst Du? O.K. Zwischen den Wolken, die den ganzen Tag die Stimmung meiner kleinen Tochter Maya und der gestressten Mutter Nathalie den Sonnenschein versagten, musste ich feststellen, dass unsere Batterien nach 6 Monaten hinueber sind, LKW Batterien, zu oft zu leer gesaugt, das machen die nicht lange mit, aber billig waren sie, soll ja auch nicht immer die beste Entscheidung sein ;-O
Die Batterie des Laptops ist befreundet, haelt gerade so um die 10 Minuten ohne laden, wobei PACTOR nicht mit dem Ladegeraet geht, wegen Stoerungen, das Mainboard ist auch hinueber, USB, Modem, LAN alles ist tot. Die Kamera braucht ein neues Abblendglas, wir koennen nur noch bis Blende acht fotografieren oder mit Flecken in den Weitwinkelbildern. Unser Steiner Fernglas loest sich in seine Bestandteile auf, die Sonnenpaneele leisten nur noch 50 Prozent, trotz 30 Jahre Garantie, die Bertschi Brenner, na ja, reden wir nicht drueber. Gott sei Dank hatte ich noch einen Optimusbrenner fuer den Backofen als Ersatz, sonst haetten wir kein Brot mehr zum Fruehstueck und der Kuechensegen wuerde schmerzlich schief haengen. Also, der morgendliche Ausflug mit Maya faellt die Treppe runter, und ich dichte irgendwelche undichten Stellen an der Ankerwinsch, deren Simmerring undicht wird, es lauft nen bisschen Oel raus, ziehe ne Silikonnaht um die Holzplatte, die die Befestigungsloecher meines Vorgaengers und seiner zwei Winschen abdeckt, setze die Befestigungsschrauben der Lockerscharniere (weiss nicht wie das auf Deutsch heisst) auch in Silikon, weil durch die aufgeschweissten Aufnehmerplatten (V4A) sickert das Wasser und darunter rostet es (Da muss einer erst mal drauf kommen!) und zum Nachmittag geht es an die Roststellen auf dem Deck. Das Treatmaster ist, wie schon gesagt, auch hinueber, das Deck wartet auf eine Generalueberholung, die paar Stellen bekommen wir in ein paar Tagen so hin, dass wir bis au die Seychellen nicht untergehen werden. Ist doch alles sehr positiv. Punkt. Oder? Aber dafuer sind wir auf Chagos. Lohnt sich das? JA! Wenn Natale nicht das Ticket fuer DL haette, wuerden wir hier nicht wegfahren und wenn bestimmt in die andere Richtung. Haeh. Nix verstehen? Tja, wir auch nicht. Manchmal. Unsere Richtungen drehen aber auch jeden Tag, der SE Wind dafuer wird immer konstanter. Trade Wind. Morgen dann mache ich noch ein paar Rostpickel auf, dann aetzen, dann spachteln und primen und lackieren. Dann ist wieder Ruhe fuer sechs Monate. Na, dass geht doch. Maya ist wieder wach geworden. Morgen ist ein neuer Tag und heute abend lese ich den Spiegel von 1995 den wir geschenkt bekommen haben. Das war zu einer Zeit als ich noch Hiscock las und von fernen Kuesten traeumte, jetzt habe ich sie mit allem Wenn und Aber und es ist schoen. Klitsch, klatsch, das rote Dinghy hinter der Lady freut sich schon, dass der Fisch morgen alle ist. Nur noch 38 Liter Benzin. Das Ende unserer Chagoszeit naht. Vielleicht stimmt mich das heute so etwas traurig. Wein ist auch nicht mehr, habe einen Gastritisanfall gehabt, der sich gewaschen hat, also erst mal Alkoholpause, sagt der Magen, harte Zeiten brechen an. Ob die Blaetter des Takamaka Baums toernen? Aber rauchen tue ich schon lange nicht mehr, da muss ich bestimmt viel husten. Maya ist wieder wach und faengt an zu weinen. Natale sacht, dass ist wieder nen Schub. Einer von diesen Entwicklungsschueben. Wie auch immer. Da muss irgendwas ganz schoen was passieren. Jetzt stehen Mutter und Kind neben mir am Rechner und erzaehlen mit Geschichten. Wohl Zeit fuers Abendessen, Wahoo, frischer Fisch mit Reis, ner Zwiebel, weil viel mehr Gemuese als nen paar alte Kartoffeln und zwei Mohrrueben, die in DL zur Schliessung der Gaststaette fuehren wuerden, haben wir nicht. Nen Gemuesemann, der jede Woche Freitags kommt, der fehlt hier irgendwie. So, jetzt aber Happen essen und ne Flasche Wasser trinken. Das haben wir noch.

Natale hat gestern uebrigens schon in den Farbtopf gepackt, als sie beim Aufziehen der Farbe in die Spitze abgerutscht ist.



  • 19:23
  • 19.05.2006
  • 05°18.42S, 072°15.17E
  • Ile de Passe/Solomons/Chagos
  • -
  • 29°C
  • 1-3 SE
  • -

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