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Melancholie

Abschied… etc.

Scheiß Tag. Um 5:30 am Morgen wurde der Ankerplatz vor der Machico Hafeneinfahrt im Schwell nicht mehr haltbar. Der Wind fehlt, die MARLIN legt sich in die parallelen Wellen, fängt an sich einzuschaukeln. Ich falle fast aus der Koje und außerdem bin ich seekrank von dem Gewackel und dem Gin Tonic. Da platzt mir, dem Skipper die Hutschnur und 10 Minuten später ist der Anker am Bug und Kurs Funchal liegt an. Langsam wir es hell, die Genua saugt uns an den alternativen Ankerplatz. Doch weit gefehlt. Dort fehlen jegliche Fahrtensegler im Hafenbecken wie noch vor ein paar Jahren. Neue, riesige Anleger für Kreuzfahrschiffe sind stattdessen gebaut worden. Im Hafen: Zwei dieser dicken Raumschiffe. Neuster Schrei, ein Kran an Deck mit einer Gondel für die Touristen. Ich hasse diese Kreuzfahrtschiffe abgrundtief, ohne jeglichen Scham. Sicher: Für Funchal sind zwei Kreuzfahrtschiffe am Tag besser als eine Handvoll, abgelederter Fahrtensegler im Hafenbecken. Und so machen wir einen Schlag durch den Hafen. Vier Mourings sind vor der Einfahrt der Marina gelegt. Vier riesige Katamarane, die die Kreuzfahrer dann aufnehmen und um die Insel fahren. Es ist zum Kotzen. Das wir mit der MARLIN nicht in die volle Marina wollen brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen.

Wir fahren um die Ecke aus dem Hafen raus um einen ruhigen Ankerplatz zu finden. Auf dieser Seite von Madeira gibt es keine Trennung mehr zwischen den Städten. Madeiras Südseite ist eine einige große Stadt, von der Seeseite aus deutlich zu erkennen. Genau wie die Algarve von Lagos bis Faro. Häuser, Häuser, Häuser. Auf Madeira: Hotels, Hotels, Hotels. Ich will jetzt nur nicht sagen: „Früher war alles anders.“, also denke ich es nur. Mir kommen Gedanken wie Überbevölkerung in den Kopf. Kreuzfahrer in Spitzbergen, den Lofoten, die ganze Norwegische Küste, in Jamaica auf den Cayman Islands, in Grenada… Auf Cuba noch nicht. Wie lange noch? Ein Jahr? Zwei Jahre? Wahrscheinlich wird die MARLIN im nächsten Jahr das letzte Mal nach Cuba segeln ohne Kreuzfahrer im Rücken. Melancholie mach sich breit in meinem Kopf.

Wir finden eine kleine Bucht. Kein Felsen ist zu erkennen. Rundum Hotels, aber Sandboden. „Anker auf 10 Meter.“ Der Anker sitzt sofort und um 11 Uhr kommen Jan und ich endlich zum Frühstücken und Nachschlafen. Logbucheintrag. „Sag mal, das war wohl nen Griff ins Klo. Hier sind mindesten fünf Unterseekabel, die hier ankommen. Genau unter uns.“ Wir greifen zur Schnorchelbrille. Aber es ist alles gut. Um ein paar Meter haben wir wohl die Unterwasserkabelinstallation der Insel Madeira verpasst. Vielleicht schauen wir demnächst mal vor Ankerfall auf die Karte.

Ich bin weiter melancholisch. „Jan, wir fahren weiter. Prüf doch mal den Wind.“ „Weiter?“ „Ja, was sollen wir hier. Alles ist zugebaut. Wenn wir an Land gehen, geben wir nur Geld aus. Es gibt nichts Schönes hier. In der Stadt sind grade wahrscheinlich 8000 Kreuzfahrttouristen. Da will ich mich nicht dazu gesellen. Mir reicht es mit Madeira. Lass und nach Graciosa segeln. 300 Meilen, in 42 Stunden sind wir da. Vielleicht versuchen wir einen Stop auf den Selvagem’s Inseln. Hoffentlich fahren die Kreuzfahrer dort nicht auch schon hin. Weißt Du eigentlich, dass am Kap Hoorn jetzt auch ein Anlegesteg für die Kreuzfahrtschiffe gebaut wird? Damit die ihre Gäste nicht mehr mit den Beibooten an Land bringen müssen?“

Zwischenzeitlich sind wir auf See. Es ist Nacht. Tiefschwarze Nacht. Wir segeln angenehm und ich glaube, hier gefällt es mir im Moment am besten. Ruhe. Ich kann verstehen, warum Menschen nach ihrem Tod auf See bestattet werden wollen. Das möchte ich auch gern. Is ja eh klar. Brauche ich eigentlich gar nicht zu erwähnen. Langsam geht es mir wieder besser. 80 Meilen noch bis zu den Selvagem’s. Fliegendreck auf dem Übersegler. Klar, ich war schon mal da. Schaun wir mal, ob wir es anliegen können und wollen. Neuer Tag, neues Glück.



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  • 23:00
  • 19.09.2015
  • 31°33.3400'N, 016°14.6800’W
  • 151°/ 5 kn
  • Atlantico
  • Canary Islands / Graciosa
  • 22°/ 1017.9 hpa
  • 0°/10 kn
  • 2 m

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