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Startschuss

4621 Seemeilen bis Flensburg

Zweitägige Stille im Logbuch, das bedeutet nicht etwas, dass wir an einem weißen Strand sitzen und Kokosnüsse trinken, sondern dass wir rund um die Uhr mit der Vorbereitung der Atlantiküberquerung beschäftigt waren. Nach ausgiebigen und gründlichen Kontrollen hat Chefrigger Pieter uns endlich das OK zur Weiterfahrt gegeben. In festem Glauben an dieses positive Ergebnis liefen derweil die letzten Erledigungen.

Die beste Zeit auf dem jamaikanischen Markt einzukaufen ist Samstagsmorgens. Morgens heißt vor acht. Machen wir, allerdings fehlt das Bargeld und die Jagd nach dem Cash nimmt fast kubanische Ausmaße an. Die Bankautomaten funktionieren nicht, sind leer oder gar nicht erst für ausländische Kreditkarten zugelassen. Im zehnten Anlauf rattert die Maschine endlich und wir verteilen unsere Dollars auf den Marktständen. 10 kg Kartoffeln, 8 Kilo Möhren, eine grüne Bananenstaude, 5 suppengroße Kürbisse, 3 feste Kohlköpfe, 5 Kilo Gurken, zwei Wassermelonen, 4 grüne Ananas, 4 Paletten Eier, frisch gelegt. Und so weiter. Am letzten Stand können wir zu unserer großen Freude vier von den praktischen Saftkisten, die jeder hat und keiner verkauft, erwerben um das ganze Zeug auch irgendwie zwischen Lagen von Zeitungspapier zu verstauen. Ja, in Patagonien, da war die Bilge ein Kühlschrank, die Lagerung kein Problem. Der Blick auf die Wassertemperaturkarte zeigt hier eher Niedergarmethodenniveau, 30 Grad.

Wir schleppen unseren Kram an Bord, die drei Leichtmatrosen haben derweil Deck und Cockpit geschrubbt. Wasser auffüllen, Segelkontrolle, Dinghi, Fender verstauen, die letzten Karten runterladen, noch mal eben zu Hause anrufen und ein letztes Mal auf die Wetterkarten im Internet gucken. Noch mal eben den Rigger zum Flughafen fahren und mit vielen Dankeschöns für seinen Einsatz verabschieden, in letzter Minute Gummistiefel gegen nasse Füße im Baumarkt und einen Notwasserkanister fürs Deck besorgen.

Um halb sechs sind wir durch und können die Immigration bestellen. Ein netter Beamter klariert uns aus, macht Witzchen, nimmt seinen Job locker und wünscht uns eine gute Fahrt ohne Probleme. Soviel Herzlichkeit sind wir von den Behörden hier gar nicht gewohnt. Und da kommt er doch noch, der Abschiedsschmerz, von dem ich gestern noch so großspurig behauptet habe, dass der hier in Jamaica sicher nicht auftaucht. Vom Dockmaster bis zur Dame aus dem Büro schütteln wir noch ein paar Hände, dann kann es losgehen. Keine anderen Fahrtensegler sind in der Nähe, um das Horn zu blasen, keine Wetterfensteraufregung oder Aufbruchstimmung. Wir sind die letzten hier im Montego Bay Yacht Club. Waren die letzten, denn jetzt liegt die letzte Fahrwassertonne achteraus und knapp 2800 Seemeilen Luftlinie zu den Azoren vor uns.



  • 18:35
  • 31.05.2014
  • 18°27.7200'N, 77°56.5400’W
  • 0°/0kn
  • Jamaica / Montego Bay
  • Azoren / Atlantik
  • 29°
  • ESE/9kn
  • -m

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