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Aus dem Leben

TO-Klaus Angras

Klaus, der hiesige TO-Mann ist zurück aus Rio. Wir trinken Kaffe in seiner Pousada. Klaus erzählt, von seinem Leben, seiner Seefahrt, seinen Schiffen. Er hat viel erlebt und viel zu erzählen und ich kann zuhören. Es ist Winter hier in Angras dos Reis. Wenig Gäste und Klaus hat mehr Zeit als gewohnt.

Batterien

Es tut mir ja schon irgendwie im Herzen weh, 9 Monate alte Batterien austauschen zu müssen, aber es gibt eben Dinge an denen kann man nix ändern, das muss man akzeptieren. Ich schlage ein Kreuz und nehme den 17er Schlüssel um die Verbolzungen zu lösen. Die LADY liegt an Klausi’s Steg. Es ist Hochwasser, es ist heiß und ab und an stelle ich mich unter die Dusche mit den den Schwarz, Rot, Gold angemaltenten Rohren um den Schweiß abzuspülen. Brasilien im Hochsommer brauche ich gar nicht so unbedingt geht es mir im Kopf rum. Die schwarzen Bleiplatteneimer sind schnell draußen.

Abends klemme ich mir eine Flasche chilenischen Rotwein unter den Arm und pulle wieder zu Klausi’s Pousarda. Im Schein einer Energiesparlampe erfahre ich noch mehr über das Leben in Angras, über das Leben von jemanden, der das gemacht hat was mir auch bevorsteht. Jemand der Deutschland verlassen hat um im Ausland zu leben. Klaus hat was geschafft, sich eine Existenz in Brasilien aufgebaut, seine Werte geschaffen, Hobbys gelebt, sein Leben gelebt. Ich höre interessiert zu, stelle Fragen und im Hinterkopf frage ich mich immer, ob das auch mein Weg sein könnte. Ich denke immer wieder an Nathalie, die Angst hat, dass ich mich nirgendwo wirklich wohl fühlen werde. „Versaut?“, durchs ständige Ankerheben, wenn es einem irgendwo reicht. Eine große Freiheit, die man eigentlich nur beim Segeln hat, aber auch eine große Gefahr, weil man sich daran gewöhnt den einfachsten Weg zu nehmen, wenn es einem irgendwie nicht passt. Die Flucht. Anker hoch und weiter.

YGARA-ACU

“Da träumst Du von,“ meint Klaus als ich ihm aus Spaß vorschlage unsere Segelboote zu tauschen. Seine 20 Meter lange YGARA-ACU liegt an an seiner Mouring vor seinem Haus. Die richtige Größe für Nathalie, die Kinder und mich. Auf der LADY ist ja schon ganz schön eng manchmal. An jedem Spaß ist nen bisschen ernst, geht es mir durch den Kopf. Doch mit der YGARA-ACU nach Patagonien oder durch die Nord West Passage? Na, für die Umbauten reicht unser Geld nun wirklich nicht und wahrscheinlich auch nicht meine Energie, da nehmen wir doch lieber die LADY, die ist fertig um überall auf dieser Welt zu segeln.

Altwerden

Ortwin schreibt. Mein Papa. Ortwin schreibt immer wenn er in den Urlaub fährt ein Mail. Ortwin schreibt immer ein Mail wenn er in Krankenhaus geht. Ortwin schreibt in jedem Mail vom Altwerden. Ortwin ist deutlich über siebzig. „Ortwin, darf ich darüber schreiben?“ Ich denke schon, Altwerden ist nämlich gar nichts Schlimmes. Es ist das normalste der Welt und doch auch schön.

Die Jungs mit der neuen Batterie schellen an Klausi’s Schelle und Klaus spricht erst mal übers Videotelefon an der Porte um zu sehen, ob es auch die richtigen Jungs sind. Brasilien. Südamerika. August 2010. Ja, sie sind richtig und dürfen rein. Die hundert Stufen runter zum Steg tragen sie meine neue Batterie. Ist nen riesen Klotz, da die die passenden N120 hier nicht gebaut werden. Ich bin froh, dass das Service ist. Beneiden tue ich sie nicht. Sie tragen den Klotz bis an seine Position im Kiel der LADY. DANKE! Und dann nehmen sie auch noch die alten Klötze auf ihren Schultern die hundert Stufen nach oben wieder mit. DANKE! Die Kabel sind schnell verlegt. Die Verbolzung schnell dran geschraubt, aber ich notiere mir direkt, dass die Verbolzung für den Südtörn noch verbessert werden muss. Im Falle einer Kenterung reichen zwei Verbolzungen nicht. Überhaupt gehen meine Vorbereitung inzwischen immer mehr in Richtung Vorbereitung, die LADY sicher zu machen für ein hoffentlich nie eintretende Durchkenterung. Das heißt, die Batterie muss so verschraubt sein, dass sie auch da bleibt, wo sie derzeit ist, wenn der Boden der LADY für ein paar Minuten zur Decke wird. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der schwere Klotz durch die LADY fliegen würde. Man kann nicht alles festzurren und festschrauben, doch gut vorbereitet segelt sich ruhiger.

Das mit dem Altwerden beschäftigt mich auch. Ortwin hat eine vernünftige Rente, ein geordnetes Leben und immer eine Chefarztbehandlung. Er ist so gesichert wie es in Deutschland üblich und gewünscht ist. Von klein an wird man darauf getrimmt sich aufs Altwerden vorzubereiten. Ich bin es nicht, habe keine Rente zu erwarten, keine Chefarztbehandlung. Ortwin ist oft im Krankenhaus. Prostata, Schulter, Knie, Herz. So wie das Leben spielt. Wenn ich wieder ein Mail von Ortwin bekomme, tut mir direkt auch was weh. Herz, Rücken und am meisten Kopf, nicht Kopfschmerzen, nein, Querdenken. Das deutsche Gesundheitssystem regt zum Nachdenken an. Bin ich genug versichert? Ist es richtig diesem tollen System den Rücken zuzudrehen. Noch bist Du jung, sagt Ortwin. „Wenn Du mein Alter erreicht hast bist Du froh, wenn Du noch ein paar Jahre geschenkt bekommst!“ „Ich glaube Dir das! Absolut!“ Über das Thema gibt es noch nen bisschen was nachzudenken. Ich lege die Doors in den Player und beginne den Tag mit Rotbuschtee, meiner Magentablette und Jim Morrison: „This ist he End.



  • 07:29:00
  • 24.08.2010
  • 23°00.7270'S, 044°17.9349'W
  • 0°/0kn
  • Angras del Reis, Brazil
  • Argentinien
  • 22°/1021hpa
  • 19°
  • 1kn/VAR/Sun
  • -m

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