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Skippernachlese

Skippernachlese

23:55 Fuenf Tage auf See. 85km/h Sturm, 4-6 Meter Schwell und zwei Tage gegen den Wind und 3 Meter Welle segeln... das ist sportlich und fuer dieses Segelgebiet doch recht ungewoehnlich. Wir haben ein Sitzkissen verloren, es ist einfach weggeflogen im Sturm, ansonsten hat uns unsere Lady sicher bis Lanzerote gebracht. Kein Bruch, kein Schaden, die Lady ist viel robuster als wir, die doch deutlich unter den Bedingngen gelitten haben. Die pure Angst, wackelige Kniegelenke, Zittern in den Armen, wenn hohe Brecher ueber das Vordeck der Lady waschen, ist noch nicht vergessen. Das Meer kann so brutal, so gemein sein. Immer wieder wird klar wie klein wir Menschen gegen die Natur sind. Ganz unten ist die Angst.

Was machen wir da eigentlich? Fahrtensegeln. Verdient man damit Geld? Nein. Aber man muss Profi sein, um es zu ertragen. Da sind Momente, wo wir an all unseren Plaenen zweifeln. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern der naechste Hafen.

Im Jetzt, nach Tagen und Naechten der Wachen, drei Stunden Wache, drei Stunden wilde Albtraeume, drei Stunden Wache, drei Stunden wilde Albtraeume und den Rest des Tages, die Nacht davor verdauen, und im Jetzt ist ploetzlich alles leer.

Die Marina ist still. Das Boot liegt regungslos. Nathalie faellt hin, weil sie sich versucht abzustuetzen gegen eine Schlingerbewegung, die garnicht da ist. Die Freude auf das Bett. Endlich mal wieder nebeneinander zur gleichen Zeit einzuschlafen und aufzuwachen, ohne Wache zu haben, Segel zu reffen, Kurs zu kontrollieren, Position festzustellen, mit der dunklen Einsamkeit der Plicht klarzukommen, den Koerper vor dem Schlaf zu hindern.

Die Marina ist still. Strom aus der Steckdose. Bier und Tapas an der Promenade. Und ploetzlich war doch alles garnicht so schlimm, mit jedem Bier, Carrachillo wird der Mut wieder groesser. Es ist doch der richtige Kurs im Leben. Oder? 3 Wochen Atlantik sind doch garnicht soviel? Oder?

Es sind sehr ehrliche Gedanken, die ich hier schreibe, sicherlich koennte ich auch alles anders, positiver oder neutraler beschreiben, es war lang genug mein Leben Dinge besser zu bewerben, als sie eigentlich waren.

Langsam, aber sicher verstehe ich Extremsportler, am Rande der Belastungsgrenze auf einem Grat zu wandern, ich traume schon vom naechsten Toern. Segeln macht suechtig.

14:32 Angekommen, jetzt wackeln nur noch wir, nicht mehr das Schiff...Viel Infos gibts jetzt nicht, Boot fest, Hafen preiswert, Micha und Nathalie gehen jetzt Geld holen, Bier trinken und Tapas essen...

00:27 Alles wackelt, so langsam haben wir beide keine Lust mehr auf diesen staendigen Wind von vorne. Sind ja auch nur noch 10-12 Stunden, nicht mehr lange.
Beim Sundowner gestern abend haben wir dann ueberlegt, worauf wir uns am meisten freuen, wenn wir angelegt haben.
1. Anlegen, aussteigen, auf den Ruecken auf den Schwimmsteg legen und eine Zigarette rauchen
2. Hafenkneipe, frisches Bier vom Fass trinken (wir haben ja keins an Bord gehabt)
3. Dusche, wenn vorhanden, sonst Suesswasserschlauch
4. Auto mieten
5. alles andere
So, Rundumblick faellig, Micha scheint eingeschlafen zu sein, ich hoere es zumindest.



  • 00:27
  • 03.12.2000
  • 29°15.37'N, 014°19.20'W
  • Atlantik
  • Lanzarote
  • 18°C
  • 3-4 NE
  • 4

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