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Der Leserentscheid hat entschieden: Der Blog soll weiter gehen.

Tributyltin

Eine ganze Sintflut von motivierenden e-mails läuft über das Internet auf mein Mailprogramm. Ich kann mich nicht mehr einzeln bedanken, is mir zu viel Arbeit. Der Leserwunsch ist definitiv ein anderer. Ich soll das alles schnell überleben und wieder auf’s Wasser, auf die MARLIN. Ich soll möglichst täglich bloggen, was in meinem Kopf vorgeht. Ich habe ja versprochen, dass ich einen neuen Blog schreibe, sobald ich 150 Euro im Klingelbeutel verbuchen kann. Zum Ende des Tages ist im Klingelbeutel genug Geld für die nächsten 21 Blogeinträge. Danke für eure Anerkennung und das ich jetzt einen Job habe, den ich aus meinem Krankenbett machen kann. Ich bin echt stolz. Anscheinend liest man meine Post wirklich gerne. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Dann fangen wir mal an: Vergangenheitsbewältigung: 1970. In jungen Jahren hat mein Vater unser Elternhaus in Kapellen von Innen komplett mit günstigen Kieferprofilen ausgekleidet. Grundgerüst aus Dachlatten, dazwischen Glasfaserwolle und drüber Kiefer-Profilholz. Geschmacksache. Klein Micha in kurzer Lederhose, durfte immer helfen, in den langen regnerischen Abendstundungen. Papa hat immer ne coole Camel zwischen den Lippen, eine Flasche Diebels Alt Bier neben der METABO Kreissäge. „Reichst Du mir mal die Box mit den Klammern mein Sohn?“ Für mich gab es niemand größeren als meinen Papa und der genoss das Wochenende nach 60 Stunden auf’m Pütt, tausend Meter unter der Erde, morgens drei bis mittags drei, bei 1,2 Meter Stehhöhe direkt neben dem Kohlehobel, der mit einem Affenzahn die Kohle aus dem Flötz schabt und dabei soviel Staub macht, dass es eigentlich nicht mehr messbar war. Ich wollte auch bald groß sein und Camel rauchen, Bier trinken. Ich durfte vor allen Dingen die Profile beidseitig auf Klappböcken mit Xyladecor einpinseln. Gegen Borkenkäfer, Ungeziefer etc. Um dem Holz noch etwas mehr Struktur zu geben, kurz mit der offenen Gasflamme abflämmen. Alles ohne Mundschutz. Ich war wohl ca. acht Jahre alt zu diesem Zeitpunkt. In Xyladecor ist vor allen Dingen Linadan. Ohne weitere Worte! Die nächsten 10 Jahre bin ich in dem Haus groß geworden. Auf keinen, keinen Fall will ich hier meinem Vater einen Vorwurf machen. Das war 1970. Da hat man die Rücksitzbank des Käfers umgeklappt, Kinder rein. Vater und Mutter haben sich gegenseitig abgelöst auf dem Weg nach Dänemark in den Urlaub. Wenn Anneliese sich die nächste Kippe angesteckt hat, fragt Ortwin verliebt: „Ist die für mich mein Schatz?“ Draußen ist es kalt, also bleiben die Fenster zu. Der Aschenbecher über dem Schalthebel qualmt. Glühende Filter. Aus dem Transistor-Radio trällert Hans Albers: „La Paloma. Ein Wind weht von Süd und zieht mich hinaus auf See, Mein Kind, sei nicht traurig tut auch der Abschied weh. Mein Herz geht an Bord und fort muss die Reise gehen. Dein Schmerz wird vergehen und schön wird das Wiedersehn. Mich trägt die Sehnsucht fort In die blaue Ferne. Unter mir Meer und über mir Nacht und Sterne. Vor mir die Welt, so treibt mich der Wind des Lebens. Wein nicht, mein Kind, die Tränen, die sind vergebens. Auf Matrosen, ohé! Einmal muss es vorbei sein. Nur Erinnerung an Stunden der Liebe bleibt noch an Land zurück. Seemanns Braut ist die See und nur ihr kann er treu sein wenn der Sturmwind sein Lied singt. Schon winkt mir der großen Freiheit Glück. Wie blau ist das Meer? Wie groß kann der Himmel sein. Ich schau hoch vom Mastkorb Weit in die Welt hinein. Nach vorn geht mein Blick. Zurück darf kein Seemann schauen. Kap Horn liegt auf Lee. Jetzt heißt es auf Gott vertrauen. Seemann gib acht. Denn strahlt auch als Gruß des Friedens Hell durch die Nacht das leuchtende Kreuz des Südens, Schroff ist ein Riff und schnell geht ein Schiff zugrunde. Früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde. Auf Matrosen ohé! Einmal muss es vorbei sein. Einmal holt uns die See. Und das Meer gibt keinen von uns zurück. Seemanns Braut ist die See und nur ihr kann er treu sein, Wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück. La Paloma adé. Auf Matrosen. Ohé! Ohé! Adé.

24 Jahre später: Teneriffa. Kanarischen Inseln. Nathalie und Michael haben ein wunderschönes Stahlboot. Die IRON LADY. Kein Ahnung von Farben. Davon werden wir noch sehr viel Ahnung bekommen. Nathalie trägt immer eine Maske, Micha ist immer sehr lässig cool und trägt ein blaues Stirnband. Beim Unterwasseranstrich geht es um TBT Gift, das einzige Gift, was Seepocken in tropischen Gewässern den Garaus macht. Seit 1990 ungefähr ist Tributyltin verboten, für die Sportschifffahrt, nicht für die Containerschiffe. Ich und viele andere Segler finden es besonders schlau Tributyltin in den Seitenstraßen von Puket in Thailand zu besorgen. Bei 40 Grad im Schatten haben wir meist das hochgiftige Antifouling ohne Maske auf den Bootsrumpf gerollt. Der morgendliche Sprung ins Wasser, die Runde ums Boot schwimmen. Der Unterwasseranstrich ist selbstabreibend. Meint, durch die Fahrt durchs Wasser oder auch nur die Bewegung vor Anker löst sich die Farbe und das darin enthaltenene Gift permanent. Das romantische ums Boot schwimmen, eine Woche im Urlaub stellt kein Problem dar. Jahrelang jeden Tag, führt unweigerlich zur regelmäßigen oralen Aufnahme des Giftes.

Meine behandelnde Ärztin: Prof. Dr. med. Nazezda Basara meint, man bekommt Leukämie einfach so. Jeder. Du, ich sowieso, meine Tochter, der Nachbarjunge. Ich glaube das nicht. Ursache der Leukämie sind für mich bösartige, genetische Veränderungen im Knochenmark, die ich im Laufe des Lebens erworben habe. Und das hat nach meiner Überzeugung unmittelbar mit meinem Seglerleben und den langen Jahren auf See zu tun! Risikofaktoren sind unprofessioneller Umgang mit 2K Polyurethane Lacken, Tributyltin (TBT) Antifouling und 2K Epoxidharzen. Wäre ich in der Nähe eines Atomkraftwerks aufgewachsen, wäre das ein weiterer Risikofaktor. Auch die Malaria in Malaysia hätte ich mir gerne gespart. Ich frage mich, ob ich heutzutage noch mal auf Weltumsegelung gehen würde? Die Antwort ist klar und deutlich. Nein! So etwas macht man nur einmal.

Mein Vater ist 2014 im Alter von 83 Jahren unter anderen Krankheiten, an einer besonderen Form von Leukämie gestorben.

 

Der Klingelbeutel

Guido meint ich bekomme irgendwann Langeweile, das ständige hohe Fieber geht zurück und ich würde auf kurz oder lang wieder schreiben. Damit liegt Guido gar nicht so falsch. Allerdings gibt es für mich an der ganzen Krankheit noch ein ganz anderes Problem. Ich verdiene nämlich kein Geld mehr, ich bekomme keine Krankengeld, kein Krankenhaustagegeld etc. Die MARLIN produziert ordentlich Kosten, fährt aber kein Umsatz rein. Ich steuer grade ordentlich ins Minus und da kann ich auch erst einmal nichts dran ändern. Auch ist mir vollkommen unklar, wen mein Gesundheitszustand und mein MARLIN Blog interessiert. Mit Segeln hat das ja nun nichts zu tun. Meine Lösung ist der Klingelbeutel. Wenn du / ihr wollt, dass ich über mein Tagesallerlei in gewohnter Art und Weise blogge, drückt ihr bitte den Spendenbutton. Auf der rechten Seite der Website. Hat sich 100-150 Euro angesammelt, gibt es einen neuen Blogeintrag. Der kostet mich ungefähr vier Stunden Zeit. Ist dem nicht so, kann ich meine Zeit zwischen den Fieberschüben einsetzten, um neue Produkte bei Lunatronic auszuprobieren und für den Verkauf vorzubereiten.

Stand Klingelbeutel: >1.000 Euro






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  • 02.08.2016
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