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Wahnsinn

20:59 Also das ist die Dorade mit Nathalie. Klar, dass wir jetzt eine Eiweissvergiftung haben? Klar.

Ich haette ja gern noch ein Photo von dem Blue Marlin, aber da haette man wahrscheinlich nichts auf dem Photo erkennen koennen.

Natale liegt fertig in der Koje und ich schiebe Wache. Es ist wieder etwas Wind aufgekommen. Nicht viel, aber wir segeln. Fuer drei Stunden mussten wir den Motor anmachen, auch um unsere Batterien mal wieder etwas zu powern.

Gegen 22 Uhr UTC habe ich dann mit einer deutschen Yacht in Trinidad gesprochen, viele Tipps bekommen und mir laeuft das Wasser im Mund zusammen. So langsam wuerde ich gerne dasein, aber es sind immer noch 1084 Seemeilen.

So. Ich habe Stress. Wir brauchen noch eine Wetterkarte, das Daypic muss raus und und und… Von wegen ruhige Nachtwachen ;-))

16:56 …kommt selten allein. Wissen wir schon, jedes Mal, wenn uns ein Fisch an den Haken geht, haben wir noch ein Erlebnis der dritten Art mit einer anderen Gattung. Das letzte Mal waren es die Wale, die uns eine schoene Beule in den Bug gerammt haben.

Diesmal ist es nicht so dramatisch. Waehrend ich den Fisch in der Kombuese, zerlegt, enthaeutet und eingekocht habe, wanderte natuerlich auch immer wieder, Fischabfall aus dem Fenster ins Meer. In einer kurzen Kochpause schauen Micha und ich in unsere Kielwasser. Da schwimmt was, was grosses! Schon wieder ein Wal?

Nein, die Fischhautstrasse, die ich hinterlassen habe, hat einen ca 3 Meter langen Blue Marlin angelockt, der nun die Lady verfolgt und auf weitere Fuetterung hofft. Wunderschoen sieht er aus, das Wasser ist auf Grund des fehlenden Windes ruhig und klar, so dass wir ihn gut beobachten koennen.
Nach einer Minute gibt er es auf, faellt zurueck und taucht ab.

Grosse Diskussion im Cockpit, gut, dass der nicht angebissen hat, so viele Marmeladenglaeser haette ich gar nicht zum Einkochen gehabt. Wir sind uns einig, sollte je so ein Riesenfisch an unserer Angel sein und diese dass auch noch heil ueberstehen, werden wir den Fisch abschneiden. Was zuviel ist, ist zuviel. Und fuer ein paar Filets zu sterben und dann den Haien zum Frass vorgeworfen werden? Ne, das waer nich richtig.

12:45 Um Fuenf bin ich ins Bett gefallen. Dann hat sich mein Koerper geholt, was er brauchte. Schlaf. Es war mir nicht moeglich vor zwoelf Uhr aus dem Bett zu kommen. Wie Blei lag ich in der Koje und bin immer wieder eingeschlafen. Gut das Natale da ist.

Kaum stecke ich meinen Kopf aus dem Niedergang, befasst sich Natale nicht mit mir, sondern hechtet zu Schleppangel. Ein Fisch, ein Fisch. Rollenwechsel. Natale holt die Angel Meter, fuer Meter ein. Die Schnur ist gesichert ueber einen Karabiner, damit wir unserer Angelzeug nicht wieder verlieren. Die lange Schleppleine ist knapp hundert Meter. Das dauert. >>Wenn das jetzt eine alte Plastiktuete ist<<, mault Natale rum. Ich lege in der Zwischenzeit die schweren Schweisserhandschuhe bereit, die Gaff liegt in der Suellkante, der Pfefferschnapps um den Fisch mit einem Schnappsglas voll in die Kiemen sanft zu toeten steht griffbereit in der Plicht. Schnell hole ich den Schleppgenerator noch ein, damit sich die Leinen nicht verdrehen. Kennt man ja. Zwei Wellen hinter uns zeigen sich zwei leuchtendgelbe Flecken im Blau der See. Eine Rueckflosse zieht von Backbord nach Steuerbord achtern. Eine Dorade? Oder zwei? Zwei gelbe Plastiktueten? Natale holt die Leine weiter ein. Es zeigt sich eine riesige Dorade. Leuchtendgelb, Gruen schimmert eine Zweite die ihr folgt. Ein Paerchen. Fast tut es mir leid. Aber wir haben Hunger. Seit 10 Tagen auf See nur Spagetti mit Tomatensosse, Suppen, Reis, Dosen, der Hunger siegt. Natale zieht die Dorade langsam laengseits der Lady und jetzt zeigt sie nochmal Ihre volle Schoenheit. Sobald sie aus dem Wasser kommt werden die Farben sekundenschnell verblassen. Die Dorade kaempft um Ihr Leben, schlaegt rechts und links mit dem Kopf um den Haken aus dem Kiefer zu bekommen. Aber da ist nichts zu machen. Mit dem Gaff versuche ich in das riesige Maul zu treffen, aber die Dorade schlaegt wild. Also treibe ich den Stahl kurz hinter die Kiemen mit einem Schlag in den Koerper des Fisches. Jetzt kommt der Akt, wobei oft Fische verloren gehen. Mit einem Hieb diesen Fisch schwungvoll aufs Deck befoerdern. Aber es klappt. Mit Handschuhen schnell ein Schnapsglas von diesem ekeligem Zeug hinter die Kiemen und Sekunden spaeter ist der Fisch tot. Nicht unsere Dorade. Mehrere Dosen Schnaps sind notwendig, bis sie nach fuenf Minuten endlich das Licht dieser Welt verliert. Die Dorade haengen wir mit einem starken Baendsel, hinter den Kiemen durch das Maul am Ausbaumer auf. Photoparty mit Fisch. Die Dorade ist fast so lang, wie Natale gross ist. Heute Nacht schicken wir das Beweisphoto. Danach gibt es keine Photos mehr. Das Deck der Lady verwandelt sich in eine Schlachterei. Blut fliesst ueber die Suellkante. Nach einer Stunde haben wir Eimerweise Fisch, der jetzt in den Kuehlschrank wandert. Das Skelett bekommen die Haie. Drei Tage Fisch, der Rest wird eingekocht und zu selbstgemachten Konserven verarbeitet. So ist das Leben auf See. Gestern Nacht haben wir die ersten Wetterkarten der American Coast Guard empfangen koennen. Schoene Karten schicken die. Koennte sich der der Deutsche Wetterdienst ne Scheibe von abschneiden. Sogar ein Satellitenbild der karibischen See. Aber die Vorhersagen sind nicht gerade erbauend. Flaute. Zwei, maximal vier Windstaerken. Das ist sehr wenig fuer unseren segelnden Lastwagen. Da werden wir noch laenger brauchen. Trotzdem werden wir morgen wohl Halbzeit feiern koennen. 1050 Seemeilen sind die Haelfte der Strecke. 780 Seemeilen waeren es noch bis zum Amazonas, aber da wollen wir ja nicht hin.

10:17 Na ja, stimmt nicht ganz, aber wenn das so weitergeht,
bewegen wir uns bald gar nicht mehr. Teilweise faellt die Geschwindigkeit unter 3 Knoten. Werden gleich mal den Schlappgenerator aus dem Wasser holen, bei dem Tempo bringt der eh kaum Strom und bremst das Boot nur.
Micha machts wie der Wind und schlaeft, ist heute gar nicht aus der Koje zu bekommen…
Etmal: 104 Seemeilen

01:40 Sie hoeren irgendwie nicht auf, diese Wachen! So langsam schlaucht es schon ganz schoen, jede Nacht jeweils nur zweimal drei Stunden zu schlafen. Gerade in Naechten wie dieser, wo der Wind immer weiter nachlaesst und die Lady sich von rechts nach links legt, traeumt man von einer Nacht zum Durchschlafen.
Aber morgen nacht werden wir wohl die Haelfte des Weges geschafft haben, noch ein bisschen Wind und es dauert nicht mehr lange, bis wir unseren Anker in tuerkisblaues Karibikwasser fallen lassen:-)






  • 01:40
  • 23.11.2001
  • 13°06.20'N, 041°02.49'W
  • Atlantik
  • Tobago/Trinidad
  • 26,8°C
  • 2-3 E
  • 2,5

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