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Schön hier an der Förde

Auswege aus der Chemo

Das sind Nico und Bert. Nico ist links und Bert ist rechts. Bert geht es gut. Nico schüttelt sich alle paar Minuten, startet aber nicht mehr. Natürlich seit Schreiner Harry den Kühlschrank neu verkleidet hat mit Isolierungsmaterial. Gut das ich immer einen Schuldigen finde! Darin bin ich immer schon Meister gewesen. Ob Nico nun eine neue Steuereinheit braucht oder komplett im Eimer ist, frage ich grade in Holland nach. Schwierig zu bekommen, wassergekühlte Kühlschrankkompressoren. Auf jeden Fall steht Marine drauf. Das ist das generelle Preisschild. Übersetzt: Teuer.

Chemo IV von V habe ich hinter mir. Das ich noch lebe kommt mir manchmal wie ein kleines Wunder vor. Kleine Wunder – Große Wunder. Meine Venen sind total zerstochen, vernarbt und sehen eher aus, wie die eines Ex-Fixers. Aber jetzt ist Pause bis zum 2ten Januar. Tablettenreduziert, keine Chemomedikamente mehr. Das letzte Präparat durfte ich vorgestern aussetzten. 24h später bin ich plötzlich quietschfidel. Dann im Januar die letzte Chemo. Freuen tue ich mich nicht, aber den Mut habe ich. Das schaffe ich auch noch. Ärzte und Wissende, manche, die auch schon mal jemanden mit Leukämie kennengelernt haben oder jemanden kannten, der jemanden kannte, der Leukämie hatte, warnen mich. „Die Medikamente werden Dich depressiv machen. Die Medikamente werden Dich dumm machen. Die Medikamente lassen Dich alt werden.“ Stimmt alles: Ich kann mir kaum noch den Hintern selbst abputzen, lasse mich im Rollstuhl von meinen Kindern durch die Coffeeshops von Amsterdam fahren, denn Cannabisöl soll gegen Krebs helfen. Träume ich manchmal. Es gibt viele Geschichten um alternative Methoden zur Krebsbehandlung. Doch wirklich jemanden, der nachweislich durch Cannabisöl oder Beifußkraut von Krebs geheilt wurde, den findet man, trotz intensiver Recherche nicht.

Ich würde gerne mehr schreiben, mehr posten und mehr bloggen. Auch Material habe ich genug. Doch mir geht so langsam wird das Polster aus, die finanziellen Fettreserven schwinden. Also kümmere ich mich mit Hochdruck um den Dampfer, der ja schon bald wieder in See stechen soll. Ich arbeite Ana unser, Au Pair, in die Buchhaltungssoftware ein, die sie mir im nächsten Jahr mehr und mehr abnehmen soll. In den letzten Monaten war ja teils unklar, ob es überhaupt Sinn macht oder sie dann vielleicht in ein paar Wochen keinen Chef mehr hat. MARLIN Expeditions wird hochoffiziell ein Flensburger Unternehmen. Da bekommt man direkt neue Freunde: Das Finanzamt. Das achtet immer drauf, dass auch alle Einnahmen versteuert werden. Im Moment sind aber noch so wenig Einnahmen, wie Sonnenstrahlen da. Ein paar Buchungen von Airbnb Gästen helfen allenfalls die Heizkosten zu tragen. Wenigstens dürfen wir auch steuerbegünstigt mit der Hauptmaschine Heizöl fahren. Tja. Fragen beim Zoll hilft. Zwischen 10 und 20 Liter pro Tag kostet uns die Heizung, je nach Außentemperatur. Zumindest funktioniert sie einwandfrei. Mit Gebläse bekommen wir den Kutter nach der Jan-Micha Reparatur easy auf 20 Grad.

Neben Ana habe ich Bootsjunge Tobias über e-bay Kleinanzeigen gefunden. Mit seinen 21 Jahren, eigener Nussschale und mitten in der beruflichen Orientierungsphase. Abends geht er zur Schule. Tobias kommt tagsüber für ein paar Stunden und macht alles was an Praktischem auf der ToDo Liste steht. Von Heizungsinstallation und Isolation bis Bilge putzen und Heizöl einfüllen. Zu Tun ist genug. Ich kann die Zeit nutzen um ein Telefonat nach dem anderen zu führen. Prima Tobias. Gut Dich kennengelernt zu haben, denn meine letzten Monate waren beruflich in keiner Hinsicht erfolgreich. Die Wnuk Powermaschine lief im Leerlauf und stotterte dabei noch ordentlich.

Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Ich freue mich auf die Feiertage, auf meine Familie. Ich genieße es mein Schiff im Hafen zu haben. Zum ersten Mal in all den Jahren, in denen ich nun zur See fahre, ziert eine weihnachtliche Lichterkette vom Bug zum Masttop, zum Heck der MARLIN das Stadtbild der Flensburger Nightline. Hübsch sieht sie aus. Sie kann blinken und faden, lange und kurze Signale in die Nacht aussenden, was zu leidigen Kommentar meines Seefreundes und Hafennachtbars Lars führt: „Hast Du eigentlich ein Stromproblem? Oder warum blinkt Deine Lichterkette?“ Nathalie sagt nur: „Tue ihm doch den Gefallen und schalte das Dauerlicht ein. Der arme Kerl kann gar nicht mehr im Pilothaus sitzen und ungestört aus die Förde schauen.“ Das Problem regelt sich gestern von ganz alleine. An der in China gefertigten Lichterkette läuft das Wasser in den Anschlussstecker, verursacht einen Kurzschluss und aus ist die Maus. Da muss ich einen Lunatronic Notfalldienst anfahren und die Kabel mit galvanisierendem Klebeband anschließen. Nicht das Lars sich erschreckt, dass die Lichterkette jetzt ausgegangen ist






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  • 09.12.2016
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