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Stimmungstief bei Null

Stimmungstief bei Null

23:22 Natale hat schon Recht, nix ist schlimmer als Flaute, ein Wetterbericht ohne Besserung und Urviecher von Fischen, die einem die Koeder abbeissen, als wenn es sich um Zahnstocher handelt. Hier draussen beissen sie in der Abenddaemmerung auf alles incl. auf den Propeller unseres Schleppgenerators. Nach Ankunft werde ich noch ein Bild von diesem nach 2.600 Meilen durch den Pazifik veroeffentlichen. Da faellt das Bad an der Badeleiter im kobaltblauen Wasser doch recht nah am Schiff aus, damit die Viecher mir nicht mein bestes Stueck zwischen den Beinen abbeissen ;-)

Um die Lady herum wabbert die See. Natale hat zum Abendessen ein paar Traenen vergossen. Die Stimmung geht einem aufs Gemuet, auch ich ich bin nicht weniger verdrossen und gereizt. Da wird ploetzlich jedes Wort fuer Sekunden auf die Goldwaage gelegt und Mutter Natuer prueft ob die Beziehung gut genug ist um zwei in einem Boot klar kommen zu lassen. Psychologie an Bord: Ich moechte jetzt nicht mit noch einer weiteren Person auf der Lady sein oder noch viel schlimmer mit einem anderen Paerchen. Das wuerde zu Mord- und Totschlag fuehren.

Wir koennen uns nach ein paar Minuten in den Arm nehmen und haben gewonnen gegen die Uhibuhs, die Kobolde, die schlechten Geister, gestehen uns unsere Liebe und sind staerker als jede Flaute. Uff, wieder ein Tag weiter, doch bei der jetzigen Geschwindigkeit sind es noch 23 Tage bis Pitcairn. Na das kann ja lustig werden.

In ein paar Stunden werden wir unser letztes Ei legen, ich meine essen ;-), die Wassertanks kontrollieren und Ueberlebenskontrolle anstrengen. Nichts deutet auf Probleme, aber es ist schon eigenartig um was sich die Gespraeche in der Flaute auf dem Pacific so handeln... Neuer Tag, neues Glueck, in 20 Minuten ist Montag. Wir stehen uebrigends in der Zeitzone -07:00 Stunden zu UTC. Naechste Zeitzone bei 120 Grad West.

20:22 Gegen Mittag, puenktlich zu Kaffee und frischgebackenen Erdnussbuttercookies, gab es endlich Wind. Vorwindkurs weiterhin, nur 4 Knoten Speed, aber immerhin. Die Wolkendecke reisst auf, das Meer ist Blau wie nie, laedt zum Surfen an der Badeleiter ein.
Wir faulenzen und reckeln uns in der Sonne. Alles andere bleibt liegen, schliesslich ist Sonntag. Musik klingt ueber dem Pazifik, alles gut.

Doch am Abend verlaesst uns der Wind wieder, wir duempeln mit 2 Knoten durchs Wasser und versuchen die Geraeuschkulisse zu ignorieren. Waehrend Micha funkt, am abend, wenigstens ein Biss an der Angel, doch die Freude waehrt nicht lang, schwupps, sind Fisch plus Koeder in der Tiefe verschwunden. Auch das noch.

Die Stimmung ist gedrueckt, nichts scheint zu klappen, wir kommen nicht voran und eine Wetteraenderung ist fuer die naechsten 72 Stunden nicht in Sicht. Der Diesel auf den Gambier ist schweineteuer, also wollen wir nicht all unseren Sprit auf der Fahrt dorthin verbraten. Morgen sieht die Welt bestimmt wieder anders aus, doch im Moment zerrt die Flaute an uns. Das ist schlimmer als Sturm, fuer die Nerven, sagt jeder und stimmt auch.

06:10 Ist heute schon wieder Sonntag? Jau! Nachdem ich unsanft geweckt worden bin (Ist erklaerungsbeduerftig. Am Anfang eine solches langen Schlages streichelt man den anderen Wach, gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. Doch langsam aber sicher veraendert sich das Verhalten in Licht anmachen, wachruetteln und laut und deutlich den eigenen Anspruch auf die Seekoje anmelden: >>Micha! Deine Wache. Aufstehen!<<) und da der Motor lief meldete sich dann direkt das schlechte Gewissen. Schon eine Woche nicht in den Motorraum geschaut. Siehe da, eine Pfuetze Oel. Nix Schlimmes, aber eben schwarzes Motoroel. >>Dann gibt es wenigstens keinen Rost.<<, denke ich mir und fuelle vorsichtshalber mal nen Liter Oel nach. Ein Blick ins interne Logbuch zeigt: 22 Stunden seit Galapagos. Hmm. Das ist nicht viel. Morgen bei Licht werden wir mal sehen. Alles saubermachen und wenn es wieder kommt, dann werden wir eben finden woher es kommt.

Ilonka und Tristan von der VITEVITE melden sich ueber SSB. Kaum aufzunehmen sind sie auf dem Weg von Trinidad zu den Testigosinseln vor der Kueste von Venezuela. Natale versteht irgendetwas von Problemen mit dem Rollgrosssegel. Siehste, sind wir nicht die einzigen Sonntagsmorgenproblemfaelle. Die Armen, ihre erste Fahrt ohne Hannes dem Voreigentuemer. Aber das ist normal, da muessen se nu durch. Gerade noch mal versucht die VITEVITE zu erreichen, aber ausser Rauschen nix gewesen. Bei 6.500 km Distanz kann man eben nicht immer die besten Funkbedingungen erwarten.

Sonnenaufgang. Um uns wubbert die bleierne See. 9/8tel Bewoelkung, Nebelbaenke, Nordsee im Herbst. Es ist kalt: 23 Grad. Barometer typisch. Von Passatwind keine Spur und wir machen West um wieder Wind zu finden und diesem Tiefauslaeufer hunderte von Meilen suedlich auf 30 Grad auszuweichen, der fuer das Pisswetter verantwortlich ist.

Seit gestern geht unser Baraograph wieder. Mit viel Liebe, neu justiert, tut er nun doch wieder seinen Dienst. Hat sich wohl wirklich vor dem Aequator erschrocken. Beim naechsten Mal kommen die Batterien ab 5 Grad einfach raus und 10 Grad noerdlicher oder suedlicher wieder rein. Lass mich doch nicht von so ner Mahagonikiste auf den Arm nehmen.

04:05 War doch nix mit dem Suedwind, 5 Minuten, dann hat er sich schlafen gelegt, komplett. Nix mehr. Gleichzeitig ein Tanker am Horizont. Mach ich mal besser den Motor rein und sehr zu, dass wir hier wegkommen. Broooeeeeet, broeeeeet, durch die Nacht. Das Schneckenhaus unter Maschine...

03:06 Na so was, auf einmal flappert die Fock, ich steck meinen Kopf raus und wir haben Suedwind. Schnell ein Segel eingerollt, das Gross gesetzt und schon hat die Lady wieder leichte Schraeglage und rauscht durch die Nacht. Und auch der Schleppgenerator brummt wieder und zeigt damit an, dass er gewillt ist, uns den Computer und Selbststeueranlagenstrom zu liefern, den wir so dringend brauchen...

00:44 Der Wetterbericht sieht finster aus. Auf unserem Kurs mindestens die naechsten 72 Stunden Wind unter 10 Knoten aus Ost. Schlimm ist, das die Wetterberichte inzwischen doch recht verlaesslich sind. Also rollt und wackelt alles weiter und wir schiessen mit der wahnsinnigen Geschwindigket von 3,6 Knoten weiter Richtung Westen. ETA ist ueber 11 Tage. Uff, dass geht ganz schoen auf die Nerven.



  • 00:44
  • 06.04.2003
  • 15°56.41S, 114°13.69'W
  • Pazifik
  • Pitcairn
  • 26°C
  • ESE 2
  • 3

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