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Don Quijote

Nordseeträume

Industrieseeromantik haben wir seit Calais. Atomkraftwerke, Hochofenanstich, Dreckswasser und Schiffe, Schiffe, Schiffe. Die Karten sind voller Untiefen, Strömungen von allen Seiten. Gleichzeitig bin ich im Kopf ganz woanders. In Patagonienen. Wie ein Haus entsteht unser neues Buch aus Bausteinen der Erinnerung. Kap Hoorn, Port Hoppner, der Beagle Channel. Beim Gedanken an diese Erinnerungen bekomme ich ein Gänsehaut auf den Unterarmen, die sich über die Schultern bis in die Beine fortsetzt. Es sind schöne Erinnerungen. Es ist Nacht. Julian und ich stehen hinter dem Pilothaus und schauen auf den Horizont. „What the fuck ist that shit!“ Geflucht wir immer wenn Nathalie und die Kinder schlafen. Dafür laut! Wie im Klassiker, War oft the Worlds, sind dort die Außerirdischen gelandet und laufen mit ihren haushoch-langen sechs Stelzenbeinen auf der Suche nach Futter, auf der Suche nach uns. Oben auf den Köpfen haben Sie rote Lichter, die alle gleichzeitig aufleuchten, wenn die Datenströme ihre Einzelgehirne miteinander im Netzwerk kommunizieren. Kampfdrohnen mit weißen Signallichtern schützen die Area vor Eindringlingen. Ob Lukas mir was in den Tee getan hat? Vorsichthalber rufe ich Nathalie, die eh unten im Salon rumläuft. Irgendjemand reicht mir Lars, der Überdruck aus den unteren und achterlichen Körperöffnungen hat. Zwanzig Plus Knoten Wind und Vollzeug an der Palme schieben und mit Rumpfgeschwindigkeit durch die kurze, hohe Welle, die entsteht wenn zwei Knoten Strömung gegen Wind stehen. Der Mast der Marlin geigt, dass der Baum durchs eine weiße Schaumbahn Wasser zieht. Klar zum Reffen, der Bug der MARLIN schießt in den Wind, dass Großfall fällt bis zum Reffharken. Alles klappt, da neigt eine besonders große Welle den Mast nach steuerbord, Nathalie verliert die Kontrolle über den Bullenstander auf der Running Backstay Winsch. Patenthalse. „Achtung! Baum kommt rüber.“ Bumm! Alle ducken sich, der Skipper schreit blöd rum, verliert kurzzeitig die Kontrolle über das 30 Tonnen Boot und noch mal geigt die Welle den Mast auf die andere Seite. Wieder Bumm! Endlich haben wir wieder Druck im Segel und die Kontrolle über die MARLIN zurück. Nix passiert. Die Rolly Tasker Segel können das ab. Ich aber habe immer die Vision, des halbierten Baums. Noch mal Glück gehabt!
Die Außerirdischen entpuppen sich als drei Windparks mit je 100 riesigen Monstern, die ihre Windräder in den Himmel halten. Mitten auf See. In der Karibik muss man sich vor Riffen in Acht nehmen. Hier sind es die Windparks. Nathalie und ich sind wirklich etwas überfordert von der entfremdeten See. Hier wächst doch nichts mehr. Hier gibt es keine Delfine, keine Wale und die Farbe des Wassers ist wie die des Qualms aus den Schornsteinen an Land. Die Nordsee ist Teil einer riesigen Industriemaschinerie, mit Natur hat das alles nichts mehr zu tun. Was sollen wir hier? Diese Frage stellt sich mir unweigerlich als wir zwei Stunden lang brauchen um zwischen den Windparks durchzumanövrieren. Unweigerlich bahnt sich eine kleine Träne den Weg vom linken Auge in Richtung Backe. Muss wohl vom starken Wind der Nacht sein.



  • 23:43
  • 02.08.2014
  • 51°31.7200'N, 02°46.0100’E
  • 64°/5.2kn
  • Nordsee
  • Makkermeer
  • 21°/1008pa
  • 16,5°
  • 224°/13kn
  • 3m

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