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Nen bisschen Erotik gefaelligst?

Nen bisschen Erotik gefaelligst?

Is ja nicht so, als wenn ich gefuehllos bin und den thailaendischen Reizen wiederstehen kann. Ne Ne. Alle paar Tage goenne ich mir das, was ich schon seit Beginn der Weltumsegelung favorisiere. Ich lassse mir das Bartkraut aus dem Gesicht entfernen. Die Werft ist in der Phuket Vorstadt, in Deutschland wuerde man Slum sagen, die Thais und ich, finden das ganz prima. Die Bretterbuden, die Mopeds und die Karaokebars um den Fischereihafen herum mit ihren roten Laternchen. Abends, wenn die Sonne ihr Untergangslied spielt, dann kommt Leben auf. Mit meinem Raumgleiter fahre ich zum Nightmarket. Prima Ding. Hier gibt es alles was das Herz begehrt. Ein billiges Abendessen, jede Menge Leute die genauso wenig Englisch sprechen wie ich thailaendisch. Und romantisch schoen ist es. Zum Verlieben, diese Menschen, dieses Land. Jeden Tag steigt es ein bisschen hoeher in der Iron Lady Wertung: Bestes Land at World.

In der Mittagshitze brumme ich in die Immigration. Ausreisen ist gar nicht so einfach. Zumindest nicht ohne die Lady in der Tasche. Da heisst es erst mal 600 harte US Dollar auf den Tisch. Ein Bond, damit man nicht vergisst wiederzukommen. Komisch, daran denke ich doch jetzt schon am meisten, fast hindert es mich schon am losfahren. Ruede Geschichten erzaehlen die Segler sich untereinander, die Besserwisser. Korruptes Volk, die Immigrationofficer und so. Aber Nix da. Alles ist ganz einfach. Ich darf wieder 27 Fomulare ausfuellen. Ich kann kein einiges Wort lesen, sei es verstehen. Also lass ich mir alles auf Englisch erklaeren. Jedes Feld, jede Unterschrift, will ja keine Waschmaschine kaufen. Ich bekomme eine Quittung, brauche keine Flasche Whiskey, werde nicht nach Pornos gefragt. So was gibt es alles nur in den Buechern. Liebe nette und vor allen Dingen zuvorkommende Menschen sind das in SE Asien. Haben wir eigentlich ueberhaupt schon eine einzige dramatische Situation in dieser Gegend erlebt. Noe. Da wird ja nen langweiliges Buch. Kein Hurrican, keine Tsunamis am Ankerplatz, kein vom Hai abgebissener Arm.

Ueber mir zwei schoene tiefbraune Augen, eine Stuppsnase und perfekt gezupfte Augenbraun. Grosse dunkelrote Lippen, lange glatte schwarze Haare, ein leises Laecheln. Kein Blick bekomme ich ab, keine Wort, absolute Konzentration. Ich liege im viel zu engen Sessel meines Lieblings Babbiers. Ist die huebsche Dame gerade nicht ueber mir, dreht sich der Deckenventilator affenschnell und blaest mir die Schweissperlen von der Stirn. So oder aehnlich habe ich mir das immer vorgestellt. Aber die Babbiere, maennlich auf Fogo, Capverden, die waren noch besser. Chefe hat vor ein paar Jahren angefangen mit einer neuen Masche. Man stelle sich vor, eine deutsche Einfamiliengarage mitten in der Duesseldorfer Altstadt, geraeumig, weiss gestrichen, viel zu helles Neonlicht, weisse Fliesen auf den Boden, rot gepolsterte, mit Chrom beschlagene Stuehle, die Angestellten in weissen Aerztekittel, manchmal mit Mundschutz, mit roten gestickten Logo auf der Brust. Kontraer; Unmengen von Haaren auf dem Boden, geflieste kalte Wartebaenke auf der Rueckseite der Arbeitsstuehle. Rundum verspiegelt. Absolut New Wave der 80er. Mit einer Garage hat er angefangen, an einer grossen Kreuzung in den Slums, jetzt sind es drei Garagen, nebeneinander. Das Geschaeft brummt.

Es zwickt ganz schoen, die Rasur meine ich. Hab wieder zu lange gewartet, zu lang das Kraut. Ich schliesse die Augen, geniesse diesen Sauberakt nach dem dreckigen Tag in der Werft. Probleme, wie sollte es auch sonst sein. Das Antifouling flockt aus, auf dem Tar Epoxi, das TBT soll schuld sein, zwanzig Leute stehen um die Lady, Auf mein festes Verlangen wird eine Dose ohne TBT geoeffnet. Jotun, eigentlich was Gutes, drauf auf die Lady, flockt auch, Orangenhaut. Sollte doch eigentlich passen, das Tar ist auch von Jotun. Die zwanzig Gesichter werden immer laenger, der Supplier wird angerufen, keiner kommt, die Sirene heult, alle gehen nach Hause, Feierabend, nur ich bleibe stehen unter der Lady, Gesicht auch lang. Tolle Wurst, wuerde Natale sagen. Heue Abend mache ich nen Tuetenwein auf. Aber ehrlich, es beruhrt mich nicht wirklich. Dazu sind wir schon zu lange mit Ladychen unterwegs. Das haut mich nun wirklich nicht vom Hocker.

Es ist noch viel mehr passiert heute. Die Maschinendreherei, wegen dem Ruder, habe ich fuenfmal besucht. Man hatten die viele Sandfliegen da. Mit meiner Tochter habe ich via Skype telefoniert. Hochinteressante Kommunikation, >>Kroeh!<< trotdem ich hab das Gefuehl das sie mich genauso vermisst, wie ich sie. Auf der Lady sieht es aus wie nach einem Bombenanschlag, weil ich alle Backskisten ausgeraeumt habe. Tolle Wurst, sag ich jetzt mal. Ich streiche mir ueber mein glattes Kinn. Denke an mein kleines erotisches Erlebnis. Rasur kostet uebrigends 40 Eurocent und dauert etwa eine Stunde.

Jetzt reicht’s. Ich nehme mir mein Glas und laute die Ladysperrstunde ein.



  • 20:45
  • 17.08.2005
  • 07°49.21'N, 098°21.69E
  • Ko Phuket/Thailand
  • 30°C
  • 2 NW
  • -

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