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Alicia

Chilenische Gastfreundschaft

Die Temperaturschwankungen in der chilenischen Wüste können einem schon an die Nieren gehen, wäre da nicht Alicia, die Señora des Campingplatzes, auf dem wir Zuflucht gefunden haben. Schon gestern morgen, als wir frustriert vor unserem Gaskocher sassen, der bei Temperaturen um die 5 Grad das noch kältere Wasser einfach nicht zum Kochen bringen wollte, und meine Finger bei dem Versuch Obst fürs Müsli zu schneiden gerade einfroren, kam sie wie eine rettende Fee vorbei und lud uns ein, doch bei ihr im Haus zu essen. Keine zehn Minuten später gab es heisses Wasser für Tee und Kaffee und ein prasselndes Holzfeuer im Ofen. Welch eine Wohltat.

licia ist, wie sie sagt, eine mujer de casa, eine Frau des Hauses, derer besitzt sie auch gleich drei, oder vier. In Santiago, in La Serena, in den Bergen und in Viña del Mar. Das Haus hier in Pisco Elqui scheint ihr jedoch das liebste zu sein. Vor dreissig Jahren, als es im Dorf weder Geschäfte noch Telefon gab, hat sie das Grundstück am Fluss gekauft und je länger wir an ihrem Frühstückstisch sitzen, desto mehr erfahren wir von ihrer Lebensgeschichte. Das Haus ist ein Museum ihres eigenen Lebens, jede Tür ist ein Unikat, eine alte Stalltür, eine pastellfarbene Haustür aus Den Bergen, eine Glastür mit Blumenmalerei aus Santiago, bleiglasverzierte Fenster aus dem Bad irgendeiner Tante. Alte Möbel, Kinderspielzeug, eine Strohhutsammlung, Alicia findet für alles Verwendung. Die Krönung ist die Hälfte eines alten Wohnmobiles, das hundert Meter hinter dem Haus im Garten steht, früher beherbergte es eine mobile Röntgenstation, heute ein Etagen- und ein Ehebett. Das Röntgengerät hat ein Arzt gekauft, vor zwanzig Jahren, der mobile Teil des Wagens fährt nun irgendwo in Chile Lasten durch die Gegend, während die drei Betten nun Backpackern oder Familien für kleines Geld zur Verfügung steht.

Doch Alicia erzählt nicht nur gerne, sie hört auch gerne zu, Gäste zu haben sei für sie, wie selber zu reisen. Bei soviel Gastfreundschaft können wir gar nicht anders, als noch einen Tag bleiben. Heute morgen ging es direkt vom Schlafsack in Alicias warmes Wohnzimmer zu Kaffee und Tee, da ist das Bibbern der Nacht schnell vergessen. Trotzdem werden wir die nächste Nacht in einem Hostal in normalen Betten verbringen, Alicia kennt natürlich Gott und die Welt und hat uns in Windeseile ein günstiges Zimmer in Vicuña, unserem nächsten Ziel besorgt. Mittlerweile hat die Sonne es ins Tal geschafft, Schicht für Schicht pellen wir unsere Zwiebelschalen bis zum Sommerkleid ab, packen unsere Siebensachen zusammen und verabschieden uns von unserer Señora.

Danke, Alicia.






  • 22:37:00
  • 19.07.2012
  • 30°02.0044'S, 070°42.5814’W
  • By Car / North
  • Vicuña
  • Peru
  • 25°
  • 0 kn
  • 0 m

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