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Landfall in der Zivilisation

Lichter querab

Das letzte buchstäbliche Nadelöhr auf dem Weg nach Puerto Natales ist die Enge Angostura Kirke. Bis zu 14 Knoten Strömung sollen hier je nach Tide und Wetter im Pass stehen, denn die Enge ist mit einer weiteren, ein paar Meilen nördlich, der einzige Abfluss in den Pazifik für ein riesiges verzweigtes Gebiet von Fjorden. Im Frühjahr müssen die Bedingungen aufgrund des dazukommenden Schmelzwassers besonders schlimm sein. Entsprechend respektvoll bereiten wir uns auf die Durchfahrt vor und versuchen möglichst genaue Angaben darüber zu bekommen, wann der beste Zeitpunkt zur Durchfahrt ist. Kurz vor Hochwasser nähern wir uns der gefürchteten Enge bei Windstille und Nieselregen, ein Fischer kommt uns entgegen, ein gutes Zeichen. Und im Pass? Vielleicht ein Knoten Strömung mit uns, keine Strudel, keine Verwirbelungen, nichts. Etwas verdutzt schauen wir uns an, so sehr sind wir es mittlerweile gewöhnt, dass unsere Fahrten von einem gleichbleibend hohen Adrenalinspiegel begleitet werden. Die letzten 30 Meilen liegen vor uns. Wind kommt auf, wir setzen Segel und segeln tatsächlich bei Sonnenschein am Fuße schneebedeckter Berge am Wind nach Puerto Natales. Das erste Mal seit Wochen sind alle Mann an Deck. Selbst die Kinder sind wieder in Ölzeug und Schwimmwesten dabei, üben Knoten und helfen beim dichtholen und fieren. Selbst die Mittagssuppe gibt es im Cockpit. Je näher Puerto Natales rückt, desto mehr frischt der Wind auf, die Kanäle sind mal wieder weiß, es bläst mit vielleicht 30-35 Knoten, aber das kennen wir ja nun schon, wir haben schlimmeres erlebt. Dummerweise ist die Ankersituation in Puerto Natales eher schlecht für Yachten, die Stadt liegt auf der Ostseite eines Nord-Süd-Kanales und ist somit dem vorherrschenden Nordwestwind ausgesetzt. Unsere Freunde von der Armada schicken uns nach Puerto Laforest, einen Ankerplatz auf der anderen Seite des Kanales neben einer Lachsfarm. Eine halbe Meile trennt uns nun von Supermärkten, Gemüseläden und Internetcafes und der Hafen ist geschlossen, sprich, mit dem Dinghi dürfen wir nicht rüber. Wir dürfen auch, jetzt wo wir einmal geankert haben, mit der Lady nirgendwohin, denn der Hafen ist geschlossen. Die ganze Region ist geschlossen, kein Boot darf auslaufen. Wir müssen schmunzeln, die Bedingungen, bei denen wir in den letzten drei Wochen unterwegs waren, waren weitaus schlimmer, und wenn wir bei solch einem Wetter nicht raus dürften, würden wir nie irgendwo ankommen. Die Leute, die auf den Stationen außerhalb der Städte stationiert sind, sind da wesentlich realitätsnäher, hier in der Stadt guckt man wahrscheinlich auf den Windmesser und trifft Entscheidungen nach Zahlen. Willkommen in der Zivilisation.

Micha versucht den Außenborder, der in der Caleta Brecknock seinen Geist aufgegeben hat, zum Leben zu erwecken, um endlich das versprochene Schokoladeneis für die minderjährige Crew zu besorgen, leider erfolglos. Er schafft den Weg an Land zum Legen der obligatorischen Landleine, doch eine halbe Meile über den Kanal trauen wir ihm derzeit nicht zu. Na gut, dann eben morgen, denn mittlerweile geht die Sonne unter. Statt stockdusterer Neumondnacht gehen hier nach und nach die Lichter und Laternen an, der Generator der Fischfarm brummt und in der Ferne bellen Hunde. Ein komisches Gefühl nach fast einem Monat Einsamkeit.






  • 21:00:00
  • 30.03.2012
  • 51°44.0050'S, 072°31.5896'W
  • Anker/Landleine
  • Puerto Laforest / Puerto Natales / Chile
  • Puerto Consuelo / Chile
  • 12°/1005 hpa
  • 15kn, WNW
  • -m

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