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Gauchos

Sommer im Schnee

Sonntagmorgen, Micha war gestern aus, hat das patagonische Nachtleben getestet und liegt in der Kinderkoje. Die Mädels und ich liegen in der Vorpiek, draußen stürmt es mal wieder, dicke Wolken, verhangener Himmel. Wir machen das Beste draus, schnappen uns jeder ein Buch und lesen kuschelig bis halb elf. Wandern fällt aus. Nach dem Frühstück melden wir uns bei Jaqueline und ihren Kindern und beschließ en, trotz Kälte zur Fiesta der Gauchos zu reiten, wo heute die jungen Pferde eingeritten werden, ein Spektakel, das öffentlich gefeiert wird.

In den Bergen hat es geschneit, alle Gipfel sind weiß, die Kinder tragen dicke Jacken, Mützen und Handschuhe. „Sommerausrüstung in Ushuaia“ grinst Jaqueline. Über Schotterpisten fahren wir vorbei am gepflegten Golfplatz zum Ort des Geschehens. Immer wieder überholen wir Gauchos zu Pferde, in der einen Hand die Zügel ihres Pferdes, in der anderen die Leine eines Tieres, das heute eingeritten werden soll. Pferdetransporter sucht man hier vergeblich. Die Gauchos und ihre Familien sind rausgeputzt mit Hüten, bunten Gürteln, frisch geputzten Lederstiefeln und gebügelten Hemden. Kinder, nur wenig älter als Maya, lenken geschickt ihre Pferde über das Gelände, den kleinen Bruder festumschlungen vor sich auf dem Sattel. Es riecht nach Asado und Pferdeäpfeln. Ein Krankenwagen steht am Rande, einsatzbereit, falls ein Sturz vom Pferd zu dramatisch ausfällt.

Trotz der Automenge sieht man nur wenige Menschen auf dem Platz, warum, fällt mir erst später auf. Es pfeift mal wieder aus West, hier im Tal umso mehr, und so nehmen die Einheimischen argentinisch an der Veranstaltung teil, sprich, sie sitzen im Auto in der ersten Reihe, statt in der klirrenden Kälte. Autokino auf patagonisch.

Die ersten wilden Pferde werden auf den Reitplatz getrieben, an einen Pfahl festgebunden, Scheuklappen angelegt. Der erste Gaucho sitzt auf. Die Regeln habe ich nicht ganz verstanden, aber prinzipiell muß der Gaucho das Pferd reiten, sprich, es muß sich bewegen, nur drauf sitzen gilt nicht, er muß sich eine bestimmte Zeit im Sattel halten woraufhin seine Kollegen zu Pferde geritten kommen und den Pferdebezwinger zu zweit aus dem Sattel heben und auf ihr eigenes Pferd holen. Das klappt nicht immer, wie man sich vorstellen kann. Die Pferde bocken, entweder sie bewegen sich gar nicht, oder zuviel, kaum ein Reiter ist dabei, der sich nach der kurzen Zeit nicht den Staub von der Hose klopfen muß. Nach fast zwei Stunden sind unsere Kinder steifgefroren und auch wir schauen uns den weiteren Verlauf auf argentinisch an. Nur ich steh mit klammen Fingern und Kamera in der Kälte. Zum Aufwärmen gibt es heiße Schokolade und Kaffee bei Jaqueline. Schön, aber in Puerto Williams war mehr Sommer.



  • 22:40:00
  • 19.02.2012
  • 54°48.8323'S, 068°18.4015'W
  • -
  • AFASyn / Ushuaia / Argentina
  • Puerto Williams / Chile
  • 10kn, W
  • -

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