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Seemannschaft

Lagebesprechung

Feuerland und die chilenischen Kanäle sind kein einfaches Segelrevier, das muss man sich auch an den lieblichen Tagen mit 15 Knoten Wind am Tag und Windstille in der Nacht klarmachen. Das Wetter, das hier blitzschnell umschlagen kann, in Kombination mit den Fallwinden durch die hohen Berge, machen das Segeln anspruchsvoll und zwingen einen dazu, selbst am Ankerplatz immer wachsam zu sein. Doch so gut man auch aufpasst, so gut man sein Schiff in den vielen Buchten hier in der Umgebung vertäut und festmacht, reißende Landleinen, slippende Anker, drehende Winde, all das kann passieren und bevor Zeit ist zu reagieren, liegt eine Yacht und ihr Traum auf den Felsen eines noch vor wenigen Stunden paradiesischen Fjords. Passiert ist dieses unseren Segelfreunden von der BOMIKA, die mit ihren beiden Katzen ein paar Wochen Reisevorsprung vor uns haben. Derselbe Wind, den wir in den frühen Morgenstunden mit etwas zitternden Knien in der Caleta Martial abgewettert haben, hat die BOMIKA zum Stranden gebracht, ein Verkettung unglücklicher Ereignisse, an deren Anfang der plötzlich einsetzende Wind aus West stand. Vorgestern sind die beiden samt Katzen hier in Puerto Williams angekommen, die Armada hat ein Patrouilleboot entsandt, um die beiden abzubergen. Das Schiff liegt in 45° Schräglage auf den Felsen, eine Bergungsaktion des Schiffes war aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Der Schock steht beiden ins Gesicht geschrieben, doch für eine lange Analyse des Geschehenen bleibt keine Zeit, viel wichtiger ist der Blick nach vorn. 120 Seemeilen entfernt liegt die BOMIKA, der Rumpf eingedellt, aber ohne bisher erkennbare schwere Risse oder Leckagen.

Hier unten gibt es wohl keinen besseren und keinen schlechteren Ort, als eine Bergungsaktion zu organisieren, keinen schlechteren, weil die Organisation von Material, Sperrholz, Planken, Epoxi und Gerätschaften kompliziert bis unmöglich ist, keinen besseren, weil sich die gesamte Segelszene auf einen Ort konzentriert, die Bar des Micalvi. An einem Abend sitzen hier zusammengerechnet 6 bis 7-stellige Anzahlen von Seemeilen Segelerfahrung auf engstem Raum, Fahrtensegler genauso wie Skipper von Charteryachten, die zudem jede Seele auf der Insel kennen. Viele Ideen kommen hier zusammen, Hilfsangebote, jeder versucht so gut er kann, den beiden zu helfen, und sei es nur durch ein Schulterklopfen und ein Gespräch über scheinbar Belangloses, um einen Moment von der schrecklichen Situation abzulenken. Der Schreck sitzt tief, bei allen, denn wenn man ehrlich ist, es hätte jedem von uns passieren können, und mag er noch so viele Seemeilen auf dem Buckel haben.

Über Kontakte durch die Vercharterer findet sich Ronni. Ronni hat ein zum Touristenkahn ausgebauten Fischkutter mit starker Maschine, Tauchkompressor, Diesel-Bilgenpumpe und Erfahrung im Abbergen von Yachten. Micha und Werner von der KLEINER BÄR erklären sich bereit mit zur BOMIKA zu fahren und zu helfen, das Schiff wieder zum Schwimmen zu bringen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, jeder nicht benötigte Fender, jeder Autoreifen kann helfen, die GFK-Yacht ohne weiteren Schaden ins Wasser zu bringen. Reisetaschen und Seesäcke werden gebraucht, um weitere wichtige persönliche Dinge aus dem Rumpf zu holen, wenn nicht schon ein Großteil durch die Fischer geplündert ist. Morgen Nachmittag um vier soll es losgehen, in welchem Zustand das Schiff sein wird, man weiß es nicht. Drücken wir die Daumen.






  • 20:51:00
  • 09.02.2012
  • 54°56.0479S, 067°37.2488W
  • at anchor
  • Puerto Williams / Chile
  • Beagle Channel / Chile
  • 13°/992hpa
  • 10kn/E
  • m

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