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Und Erster

Schwitzen

Die Entschleunigung schlägt voll zu. Auf der LADY liege ich stundenlang unter der Sternenluke im Vorschiff, bei der das Vorstag am Tage den blauen Himmel teilt in Steuerbordblauhimmel und Backbordblauhimmel. Eine riesige Tortilla ganz für mich alleine um die verlorenen Kilos wieder drauf zu bekommen. Ab 15 Uhr gibt es Bier „Antarctica“. Ab Sonnenuntergang gibt es Caipi. Ich bin ziemlich entschleunigt. Meine Crew entschleunigt in Deutschland oder beschleunigen die schon wieder.? Thomas hat schon verloren, der Bart ist ab. „Welcome Home Thomas.“ Und während ich in der Vorkoje liege und über den blauen Himmel nachdenke und das ich, wenn ich mal angenommen 65 Jahre werde, jetzt nur noch 18 Jahre zu leben habe, mich frage ob diese Zeit nicht besonders wichtig ist und was ich in dieser Zeit tun sollte, also soll ich jetzt 6 Wochen nach Deutschland fahren und dann schnell wieder auf die LADY oder 3 Monate zu meinen Kindern oder meine drei Weiber einfach in den Koffer packen sollte und sie nach Brasilien entführen? Ich entscheide mich für letzteres. Nathalie wird sich freuen wieder die alten Themen mit mir ausdiskutieren zu können ;-))

“Wie heisst Du? Ah, Leo. Guten Tag Leo, komm doch an Board. Es gibt schwarzen Tee und Tortilla.“ Leo von der LAHNA steigt über die Reling und zwei Stunden Informationsaustausch stehen an. Einklarieren? Ja oder Nein? Wo. Diesel. Supermarkt. Bussverbindungen. Kartenmaterial und Pilotages. „Pilotages? Hast Du welche? Och, ich hab wieder keinen einzigen.“ Leo fährt zu seiner LAHNA, einer selbstgeschweißten Reinke Super 11. Na, zumindest ist er fertig geworden und losgefahren. Prima. Da kommt er wieder und bringt die Handbücher mit, wo drinsteht, wo man Ankern kann, wo Marinas sind, die viel Geld kosten und überhaupt. Ich mag die Dinger ja nicht. Aber ein notwendiges Übel an Bord. Wenn ich schon keine Karten habe, nur einen Übersegler und dann die elektronischen, dann wenigstens Pilotages. Leo lässt mir drei Bücher da, ich fotografiere sie ab und Acrobat macht ein elektronisches Buch daraus. Ob das meine Erkundungsfahrten und die Suche nach einer Marina erleichtert? Wahrscheinlich nicht. Besser ich fahre morgen mal die Marinas vor Ort ab. Oder Montag. Ist ja eigentlich schon Wochenende. Auf jeden Fall nett von Leo. Danke. Abends werden wir uns wohl noch mal sehen und das ein oder andere Bier zusammen trinken.

Kaum sind die Jungs weg und ich habe die erste Phase des Alleinseins überstanden, nehme ich mir meine Kamera, meinen Rucksack um Parati zu erkunden. Das gehört dazu. Das ist Abenteuer. Kaum mit dem Dinghy an Land angekommen, bricht der Schweiss aus. Uff. Ist das heiss. Habe aber auch wieder vollkommen die falsche Tageszeit erwischt. Zwei Uhr Nachmittag. Ich laufe durch die pittoreske Altstadt Paratis. Die Strassen sind aus schweren Steinen, die die Sklaven damals verlegen mussten, damit die portugiesischen Goldtransporte nicht im Schlamm versunken sind. Parati war das damalige Ende der Goldstrasse. Von hier ging es nach Europa. Hier in der Altstadt reiht sich eine Bar, neben die andere und Kunstgalerien und Ateliers. Dahinter tobt das Leben. Der Busbahnhof ist das Zentrum, ein Supermarkt, Internetcafes und was der moderne Mensch eben noch so braucht. Alles da und alles relaxed. Ich fühle mich direkt sehr wohl in Parati. Kleine und große Plätze unterteilen das Stadtbild. Sogar einen Dieselfilter finde ich, allerdings zu einem Preis, dass ich ihn dann doch lieber aus Deutschland mitbringen will. Auch ist er von den Dimensionen eher für einen Bagger, als für die kleine LADY. Ein Mann verspricht mir meine Gasflasche füllen zu können, was ich fast nicht glauben kann. Das Problem Kerosin sind wir ja nun mal los, dafür haben wir jetzt das Problem Gasflasche. Nun, Das Problem ist noch nicht besonders präsent. Mein Vorrat an Gas dürfte für mich alleine noch drei Monate halten. Ich verschiebe all diese Aktionen auf nächste Woche, sitze lieber unter schattigen Bäumen, trinke schattiges Bier aus dem Supermarkt und schaue den Brasilianern beim flanieren und beim Leben zu. Es muss Off Season sein. „Na, bin ich nicht wieder gut vorbereitet? Mit Nathalie wäre das nicht passiert.“ Zumindest weiß ich schon mal, dass es am Sonntag regnen soll. Na, da kann ich dann die LADY mal waschen.

Abends habe ich Nathalie am Telefon. Ich habe mir schon eine SIM Karte in Rio besorgt. Auch Internet in GPRS Geschwindigkeit habe ich damit. Na. Auf jeden Fall, dass erste Telefonat mit der eigenen Frau nach 30 Tagen oder so. „Hallo Schatz, das war schön und verzeih mir, dass ich eigentlich gar nicht wusste, was ich sagen sollte!“ Nein, ich weiss nocht nicht wann ich nach Hause komme. Will ich auch gar nicht wissen. Nächste Woche weiss ich das vielleicht. Ankommen nach einer Oceanüberquerung dauert eben doch lange. Ne Woche bestimmt.

Die Ausflugsboote tuckern mit Ihren chinesischen Einzylindern an der LADY vorbei, wie damals auf Borneo in Indonesien. Der gleiche Sound. Unglaublich. So. Muss jetzt mal Schluss machen. Wieder ein Tag weg. Morgen ist ein neuer Tag,



  • 23:30
  • 06.05.2010
  • 22°55.07'S 043°10.78'W
  • Parati, Illha Grande / Brasil
  • Montevideo
  • 24° 1015hpa 1/8
  • 27°
  • 5kn SE
  • 0m

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