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Seebeine

…und wieder eine unruhige Nacht

Die Kinder schliefen natürlich tief und fest nach den Abenteuern des gestrigen Tages. Unsere Nacht war etwas unruhig dagegen. Der Vollmond schien durch die eine Luke, die Flutbeleuchtung des Steges, die keiner braucht, durch die andere. Dazu der Wind, der schlechte Ankergrund, kein guten Vorrausetzungen. Dementsprechend früh waren wir heute morgen auf den Beinen. Der anhaltende Südostwind drückt das Wasser in den Rio de la Plata und seine Nebenflüsse, der Wasserpegel ist um einen halben Meter gestiegen, dort, wo wir noch vor 3 Tagen gegrillt haben, sind jetzt Wasserpfützen. Kaum ist das Frühstück verspeist rutscht unser Anker erneut. So ein Mist, mit dem Aufklaren sind wir noch lange nicht fertig, so können wir nicht raus auf den Rio, da fliegt uns das Geschirr um die Ohren. Doch auf ein erneutes Anker-Festmacherleinen-an-den-Steg-Manöver haben wir keine Lust, tuckern gemütlich den Fluss hinunter und werfen kurz vor der Mündung nochmal den Anker. Draußen weht es mit 20 Knoten, weiße Schaumkronen, Windgeräusche, ca. 10 Seemeilen bis Colonia. Ideale Vorrausetzungen, um mit den Kindern das Segeln zu üben.

Vorbereitung ist alles, das gilt umso mehr, wenn Kinder an Bord sind. Wenn es erst mal ordentlich schaukelt und das erste Kind auf dem Schoß sitzt, ist keine Zeit mehr klapperndes Geschirr und fliegende Telefone aufzuklaren. Bisher hat alles gut geklappt, die Kinder hatten Spaß am Motoren, am ankern, an den Manövern, am Damenbrisesegeln, und sogar der Starkwind an der Mouring hat sie nicht nachhaltig beeindruckt. Und so soll es bleiben. Penibel klaren wir die Lady auf, stecken die Kinder in Segelklamotten, Schwimmwesten und Sorgleinen. Dann heißt es Anker auf.

Kaum haben wir die schützende Einfahrt verlassen, baut sich die Welle auf, der Wind kommt genau von hinten, die ersten Meilen bis zur Landspitze laufen wir unter Topp und Takel mit ein wenig Motorunterstützung. Maya macht auf „alter Hase“, Lena kriegt Schiss. Ich kann’s verstehen. Von hinten rollen die 2-Meter Wellen heran, heben das Heck in die Höhe, lassen die Lady wieder in das Tal schlingern. Alles nichts wildes, perfektes Raumschotssegelwetter für uns, aber dennoch. Lena sitzt auf meinem Schoß, klammert sich fest und beobachtet ängstlich jede Welle. Wir spielen Waschmaschine, Schaukel, Kirmes. Auch Maya unternimmt jeden möglichen Versuch, Lena die Angst zu nehmen, und es geht auf. Meile um Meile verschwindet die Angst und wird vom Vertrauen in uns und das Schiff verdrängt. Die Lady rauscht mittlerweile mit einem Fetzen Genua mit sechs Knoten durchs Wasser, wovon leider aufgrund der Strömung nur vier übrigbleiben. Ich schmeiße eine Runde Gummibärchen, von deren Existenz niemand wusste und sichere damit strahlende Gesichter. Kurz vor Colonia stehen Maya und Lena im Cockpit, üben Geradestehen bei Seegang und gröhlen aus vollem Halse Piratenlieder und ähnliches.

Uns fällt ein Stein vom Herzen. Wieder eine Hürde geschafft und eine Lektion bestätigt bekommen, Vorbereitung ist alles, vom Frühstück bis zur Kleidung. Das könnten wir uns glatt aufs Kopfkissen sticken.

Zurück in Colonia erwartet uns Regen und eine ausgestorbene Marina. Netterweise kommt der junge Spund von der Prefectura in seinem Schlauboot zu uns gefahren, um mit den Leinen an der Mouring zu helfen. Ist nicht seine Aufgabe, macht er aber trotzdem. Die Hydrografia ist zu, kein Dinghishuttle, keiner auf Kanal 19 zu hören. Zu dem Regen gesellen sich im Laufe des Abends erneut Böen bis 26 Knoten, ablaufende Strömung und fiese Kabbelwellen im Hafenbecken. Muss das sein? Direkt hinter uns liegt ein Arbeitsboot der Prefectura, auf das wir mitterweile bei der Windrichtung fast spucken können. Hoffen wir das Beste, die Wettervorhersage will von dieser durchziehenden Front nichts wissen, vielleicht bilden wir uns das ja auch nur ein und wachen gleich auf, nach einem wilden Vollmondtraum.






  • 23:20:00
  • 12.10.2011
  • 34°28.0678'S, 057°51.1967'W
  • 0°/0kn
  • Colonia / Uruguay
  • Carmelo / Uruguay
  • 16°
  • 22 kn ESE
  • 0,5 m

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