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Fünfter Tag auf See

Das mit der Technik

Wind ist weg, Johan tuckert gemütlich, Rainer schnarcht im Takt dazu. Alles ist gut. Stört auch keinen, dass der Wind weg ist. Meine Crew ist absolut entspannt. Nur Thomas fängt manchmal Sätze an: „Eva meint...“ Aber keiner hört ihm wirklich zu. Wir wechseln das Thema. Is halt so. Der Wind ist weg. Wenn die Batterien voll sind wird Johann ausgeschaltet.

Das das Kurzwellengerät wieder lebt ist eigentlich ein Thomas Erfolg. „Da ist doch bestimmt noch ne Sicherung im Gerät“, meint er so beiläufig. Ich tue das, was hier keine gerne tut, I am reading the fucking manual! Und tatsächlich, nach einer halben Stunde Aus- und Einbauaktion läuft die Kiste wieder. Leider aber nur auf leisen Sohlen. Die Endstufentransistoren sind hinüber! Entweder hat die Lady mal nen Blitzschlag bekommen als ich sie für drei Jahre verlassen habe in Knysna, oder irgendwann hat mal einer gesendet und der Tunerstecker war nicht richtig drin. Wie auch immer, die Dinger sind kaputt, es sind zwei und kosten mindestens 75 Euro das Stück. Auf St. Helena gibt es die bestimmt nicht. Aber was soll’s. Der richtige Funkamateur kann auch mit den 10 Watt der Vorstufe eine Verbindung schaffen. Das erste was wir machen, wir aktivieren erst mal unser Iridium, als Backup. „Das passiert uns nicht noch einmal. Man stelle sich vor, man kann keinen darüber informieren, dass wir grade einen am Kap der guten Hoffnung verloren haben!“ Der Ton an Bord ist manchmal etwas rau. Aber das ist o.k. Alle können Beides! Austeilen UND Einstecken. Passt! Möchte jemand die Telefonnummer haben und uns anrufen? Grins. 3 Euro die Minute, oder so. Ist eh nicht an und eher für den Notfall gedacht. Also nur nach vorherigem Antrag via e-mail. Hab nen Datentest mit Sailmail gemacht und klappt super. Also, damit wären wir auf der sicheren Seite. Wenn sich noch nen Sponsor unter den Lesern findet, der die Datenübertragungskosten und ne Aussenantenne übernimmt, schicken wir gerne auch fünf statt einem Bild :-)

Futterlage

Unsere Verproviantierung schmilzt täglich in sich zusammen. Natürlich haben wir zu wenig eingekauft. Wie schon im letzten Jahr auf der LOUP, alle vertrauen Michas Versprechen: „Ab der zweiten Woche auf See gibt es frischen Fisch.“ Ob das dieses Jahr wieder klappen wird? Wir haben extra dafür auch eine Deckswaschpumpe installiert. Im Cockpit und Heck gibt es einen Schlauch mit fließend Salzwasser zum Entfernen der Sauerei. Bis jetzt ist der kleine Kühlschrank noch voll mit Fleisch, das noch für etwa eine Woche reicht, somit Fischfangverbot. Weil warum Fisch fangen, wenn wir dann nachher was anderes wegschmeißen müssen? Ne, wir schmeissen schon jeden Tag Gemüse über Board. Das reicht schon. Also verhungern werden wir nicht. Garantiert nicht. Nur abnehmen, weil wir keinen Alkohol mitgenommen haben, weil ich dagegen bin beim Segeln. Alle sind begeistert. „Ne ganz neue Erfahrung, dass man auch ohne Suff gut drauf sein kann“, meint Rainer. Recht hat er. Ich bin ja auch so einer der Magentabletten nimmt um Rauchen und Trinken zu können ohne Magenschmerzen zu haben. Jetzt, natürlich, nehme ich die nicht.

Motorraumentlüftung

Rainer torkelt grade schlaftrunken an mir aus der Kinderkabine Richtung Toilette vorbei. „Super, seit dem Du die neue Motorraumentlüftung installiert hast, kein Gestank nach heißem Öl mehr in der Kabine, wenn der Motor heiß ist!“ „Super. Ok. Rainer, ich werde es an Nathalie melden, die wird sich freuen.“ Auch da wieder ein Schritt nach vorne. So, jetzt kann es mal so langsam Tag werden finde ich, aber das dauert jeden Tag länger.

Rainers Log

Hier jetzt Rainers internes Logbook. Vollkommen unzensiert und unverändert:

Montag 22.03.2010

Endlich kommt der Wind aus der richtigen Richtung. Seit 6 Tagen liegen wir in Hout Bay, reparieren das Schiff verproviantieren und warten auf das richtige Wetterfenster.

Gestern Abend habe ich mit meinem Herzchen gesprochen, das erste mal über Telefon weil Skype nicht mehr geht und ich gerne noch mal persönlich mit ihr sprechen wollte. SMS und ja lange nicht das selbe. Wir sind aktuell ca. 40 sm von Hout Bay weg und Micha hat Probleme mit der Kurzwellenanlage. Toll, damit wäre unsere einzige Verbindung zum Rest der Welt dann auch ausgefallen. Der Wind wird immer stärker, aktuell 4-5 und die Wellen sind von ca. 1 m auf 3-3,5 gewachsen. Für morgen ist Wind mit 40 Knoten also ca. Stärke 8 für 24Std. angesagt. Ab und zu zeigt sich eine Robbe neben dem Schiff und sieht neugierig zu uns herüber. Wolfgang geht es wieder schlecht, ich denke ihn werden wir für die nächsten 2 Tage wenig sehen. Der Abend wird ungemütlich und die Nacht eine Herausforderung für alle. Die Lady führt sich auf wie ein Bulle beim Rodeo. Laut Micha ist die erste Nacht auf See immer die schlimmste. Sein Wort in Gottes Ohr.

Dienstag 23.03.

Ok, Micha und ich haben uns die Nacht geteilt. Das heisst ich hab von 22:30 - 4:30 Uhr Wache gehalten. Wieder unter einem tollen Sternenhimmel, aber durch den starken Wind und die wellen die ab und an neugierig ins Cockpit schauen mussten recht kalt, nass und ungemütlich.

Um 04:45 habe ich mich dann in meine Koje gekuschelt und verkeilt.

8:00 Uhr Micha möchte gerne Frühstück machen. Wegen dem unberechenbaren Seegang wird für jeden in der Kombüse eine Schnitte Brot mit Ei fertig gemacht und zum Nachtisch ein Brot mit Marmelade.Dazu wird Tee oder Kaffee gereicht. :-)

So langsam beruhigen sich die Wellen und wir können ab Mittag, auch das Groß setzen. Es sind unglaublich viele Vögel in der Gegend vor allem die elegant segelnden großen ... Micha nimmt die Elektronik auseinander. Danach gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Das Kurzwellengerät ist nicht zu reparieren dafür geht das AIS Funkgerät.

Ich fühle mich elend. Ich weiß welche Sorgen mein Engel sich zu Hause jetzt schon macht. Micha meint man könne die „Leute“ zu Hause ruhig ein bisschen zappeln lassen. Ich insistiere und glücklicherweise kommt am Nachmittag ein Dänischer Frachter vorbei. Micha funkt ihn über UKW an. Nach etwas schwierigem Start in der Kommunikation, wird (hoffentlich erfolgreich) von dem Frachter eine e-mail nach Düsseldorf geschickt. Der Webadministrator soll eine entsprechende Meldung auf die Website geben das wir bis St. Helena keine e-mails senden oder empfangen können.

Gerade gab es warmes Essen von Wolfgang gekocht, er konnte leider das Chili con Carne an Nudeln nicht mitessen. Das Kochen war schlimm genug.

Jetzt ist Michael mit Brotbacken beschäftigt, dabei läuft Bob Marley Raggey, richtig gut.

Laut Aussage von dem Frachter soll das Wetter wie heute die nächsten 3 Tage so bleiben. Das wäre schön, wir kommen gut voran.

Mittwoch 24.03.2010

Diese Nachwache, war meine erste normale, also nur 3 Stunden. Das ist ganz easy, ich habe aber Micha auch kurz nach 3:00 Uhr geweckt.

Kurz vorher habe ich genau in Fahrtrichtung ein diffuses Licht mehr vermutet als gesehen. 5 Minuten später kam Micha ins Cockpit und da konnte man schon den Tanker erkennen. Dann habe ich bis 10:00 Uhr hervorragend geschlafen. Einzig in der Nacht hat Micha meine Tür zu gemacht wegen der Schnarcherei, danach bin ich aus Luftmangel wach geworden.

Heute war ein schöner Segeltag es wird immer wärmer, das Wasser immer blauer und die Wellen störten kaum. Nur unser Skipper ist heute ungenießbar, ihm fehlen die Zigaretten, er hat aber versprochen morgen ist das vorbei. Ich soll ihn, bevor er wieder Zigaretten kauft an den heutigen Tag erinnern, wie schlecht es ihm da ging.

Er hat aber trotz schlechter Laune sehr lecker für uns gekocht. Eine chinesische Wokpfanne mit Hühnerbrust und Gemüse.

Ansonsten hoffen wir noch mal tagsüber ein Schiff in der Nähe zu haben, mit dessen Hilfe wir das Iridiumtelefon aktiviert bekommen. Dafür brauchen wir einen Pinncode der nach Anmeldung über e-mail vom Provider verschickt wird. Etwas kompliziert mit einem Schiff auf dem wir niemanden kennen. Es ist aber die einzige Chance Kontakt mit zu Hause vor St. Helena aufnehmen zu können.

In 1 Std. habe ich Wache, momentan ist Schlafen in meiner Kabine etwas schwierig da unser elektrischer Rudergänger heute arbeitet, dabei jammert der arme Kerl ohne Unterlass in allen Tönen. Unsere Daisy die diese Arbeit ruhig verrichtet ist heute schon den ganzen Tag beleidigt, erst kam der Wind zu sehr von vorne und jetzt ist er für die Dame zu schwach. So sind nun mal die Damen, alles muss stimmen.



  • 04:47
  • 26.03.2010
  • 29°28.31'S 011°42.76'E
  • Southern Atlantic Ocean
  • St. Helena
  • 19,5°/1015hpa/4/8
  • 21,5°
  • 5-8kn/W
  • 0-1m

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