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Uns LADY

Gasangriff

Alles prima und genauso schwül wie in Deutschland. Klar war ich total neugierig die LADY zu sehen. Das sie noch da ist, da war ich mir schon sehr sicher, aber was von der Elektronik und den laufenden Gut noch an seinem Platz ist, also ob oder ob nicht eingebrochen wurde, da bin ich mir gar nicht unbedingt so sicher.

Heute morgen um 2:00 weckten mich nicht wie sonst die Mücken, sondern ich wurde wach, weil es ich keine Luft mehr bekam. Es ging mir richtig schlecht. „Jetzt ist es vorbei Micha,“ sagte mir irgendwie mein breiter Kopf. Nein, ich hatte nicht getrunken, ich hatte keine Ahnung was wirklich los war, ich wusste nur, ich muss jetzt dringend raus hier, jetzt und sofort an die Luft. Ich schleppte mich total benommen durchs Schiff, schnappte nach Luft und hatte ein unglaublich beißenden, ekelhaften Geschmack im Mund. Mit letzter Kraft schaffte ich es ins Cockpit und rang nach Luft. Die Luft war da, aber trotzdem gierten Rezeptoren nach Sauerstoff, meine Lungenblässchen waren überzogen von etwas das den Sauerstoff davon abhielt ins Blut überzugehen. Ich dachte an Beschreibungen des ersten Weltkriegs, wenn die Soldaten davon schrieben, wie das Senfgas über die Kriegsfelder zog und sie nach ihren Masken griffen. „Fies, mein Gott ist das ekelhaft!“ Der Mond bescheint die Szene wie ich nackt im Cockpit stehe und nicht weiß ob ich nach Hilfe schreien soll, Nathalie anrufe oder versuche mit dem Handy einen Krankenwagen zu gekommen. Doch an Aldos Bay gibt es keine Straße, kein Mensch ist weit und breit und ich habe vor allen Dingen keine Luft zum schreien. Mir ist nach Übergeben und auch alle anderen Körperöffnungen schreien quasi nach Entleerung. Ins Boot will ich auf keinen Fall, also hänge ich meinen Hintern am Heck der LADY übers Wasser und befreie mich. Danach geht es mir etwas besser, ich versuche langsam zu atmen, damit ich nicht husten muss und dieser ekelhafte Schleim in meinen Mund kommt. Ich hab keine Ahnung was ich machen soll. Kurzzeitig habe ich das Gefühl das ich jetzt wohl sterben werde.

Aldo holt mich nicht ab. Er geht erst mal gar nicht ans Telefon. So stehe ich allein und Verlassen bis um 7:30 am Kai in Parati und warte das das Leben in der kleinen Stadt beginnt. Es ist kalt und ich bin alles andere als ausgeschlafen. Die paar Stunden im Bus zur falschen Zeit haben nicht besonders geholfen. Dann taucht endlich einer nach dem anderen der netten brasilianischen Kapitänen auf, die die Touristen durch die wunderschönen Buchten und Inseln der Gegend um die Ilha Grande tuckern. Allesamt haben tuckernde Einzylinder in ihren Schiffen, die mit der Hand angelassen werden und bei denen man jede einzelne Zündung hören kann. Einer von Ihnen bringt mich zu Aldos Playa, wo denn die LADY auf mich wartet. Es ist immer wieder ein erhabendes Gefühl, wenn man um die Ecke kommt und die LADY, das Haus der Schnecke, ist noch da. Schnell erkenn ich den Mast mit den beiden kurz hintereinander stehenden Vorstagen und plötzlich weiß ich, daß alles gut ist. Ich bin wieder zu Hause.

Nach einer halben Stunde im Cockpit mit einer Briese von frischer Luft und Warten, geht es mir langsam besser. Das Gas in mir und auf meinen Lungenbläschen scheint sich langsam abzubauen und ich sterbe wohl doch nicht und brauche nur eine neue Lunge. Klar, frage ich mich was das für ein Gas ist und ich bin überzeugt, daß eine der beiden C2000 Abwehrspraydosen undicht geworden sind. Die Dinger sind auch schon mit um die Welt gesegelt und eine liegt im Kartentisch. „Da habe ich doch gestern irgendwas reingepresst, vielleicht hat das auf den Auslöser gedrückt?“, geht mir durch den Kopf. Auf jeden Fall müssen die Dinger raus und die alle Fenster auf. Das Gas ist nicht zu riechen und ich hab keine Ahnung ob es das ist. Ich hänge mir ein nasses Küchentuch vor den Mund und so geht es, ich kann alle Fenster und Lucken öffnen und bin vor allen Dingen über eins froh, dass meine Familie noch nicht auf dem Boot ist, als all das passiert.

Ich stehe im Cockpit der LADY und schon kommt Aldo mit dem Dinhy an. Wie meist am Ankerplatz haben die Vögel Besitz von der LADY ergriffen und alles zugeschissen. Nun, dass werden wir wohl wieder hinbekommen. Ich kontrolliere die Bilgen. „Alles ist gut. Also trocken. Knockentrocken.“ Aldo grinst, weil er sollte alle paar Tage mal schauen. Auch eingebrochen wurde nicht und nix fehlt von der Elektronik. Es ist soviel Rost an der LADY, wie zum Zeitpunkt als ich weggeflogen bin. Gut, die Reise kann weitergehen, jetzt muss ich nur noch eine ganze Liste von Dingen abarbeiten die noch zu tun ist.

Gegen vier Uhr ist das Gas raus aus dem Boot und ich falle wieder einmal für ein paar Stunden in die Koje. Vorsichtshalber sind alle Luken auf. Das nächste Mal werde ich geweckt von den Mücken, die Luft ist rein, sonst wären die nicht hier. Oder?

Jetzt, ein paar Stunden später, bin ich mir sicher, dass irgendwo am Herd eine Undichtigkeit war und nicht Kampfgas im Boot war. Auf jeden Fall bin ich glücklich, dass ich noch lebe. Kann man ja überprüfen, auf jeden Fall hab ich vergessen das Gashauptventil am Ende der Kupferleitung im Boot zu schließen und habe auch keine Leckkontrolle oder zu kurz gemacht, als ich die Flasche aufdrehte. Im Moment bleiben es alles Spekulationen, denn ich gehe mal wieder meiner südamerikanischen Lieblingsbeschäftigung nach. Ich fahre 2 Stunden nach Angras dos Reis um die LADY aus dem Zollverschluss zu holen und dann 4 Stunden weiter nach Rio de Jainero um Natale vom Flughafen abzuholen, die um 5:30 dort wahrscheinlich total entnervt ankommt. Was kann ich ihr mitbringen, damit sie sich entspannt?






  • 14:54:00
  • 23.07.2010
  • 22°52.72'S, 043°36.77'W
  • Rio de Jainero, Brazil
  • Parati, Brazil
  • 28°
  • 26°
  • 0kn/VAR
  • -m

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