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Erste Gewitter

21:36 Wir haben drei Grad Sued erreicht. Ueber Funk hoeren wir die anderen Segler von heftigen Squalls erzaehlen. Nun, das ist wie mit den Fischen, ohne Massband und Waage ist doch alles recht subjektiv. Uns reicht das hoeren, wir quatschen nicht mit.

Am Himmel taucht auch hier der erste Squall auf, verschwindet wieder genauso schnell und ich schlafe im Cockpit ein. Geweckt werde ich wieder mal vom siebten Sinn, der grosse Bruder des Minisqualls ist da. Upps. Segel schnell kleiner machen, Regenauffangschlauch ansetzten, doch der grosse Bruder hat auch nur so getan. Gut so. Die Squalls hier koennen auch ganz anders, viel groesser und mit 50 Knoten Wind blasen. Muss man nur Kurzwelle hoeren ;-)

Alle hat sich beruhigt. Der Wind kommt stetig aus West mit Nordkomponente und das soll auch morgen so sein. Wo ist eigentlich Poldy unser Wetterfrosch.. Wahrscheinlich schwer im Stress. Die Lady liegt am Wind und die Stroemung hat sich einfach verabschiedet. Hoffentlich fuer die restlichen 127 Meilen noch bis Salomon Islands Chagos.

Wer den letzten Logbucheintrag nicht verstanden hat, nicht wundern, die Capitana hat auch nur den Kopf geschuettelt. >>Was willst Du denn ueberhaupt sagen?<< >>Ach Schatz, vielleicht nix. Nur nen paar Gedanken loswerden. Der sie verstehen soll wird es schon tun.<<

13:24 Manchmal denken wir schon intensiv ueber unsere Leser nach. Da ist Grabesstille im Gaestebuch, unsere Bodenstation schreibt von uns unzensierte, stimmungsvolle Newsletter ueber %&%33Familienalbum%&%33. Da schauen wir schon mal gedankenverloren in die Statistiken. Hmm, gleichbleibende Zugriffe, seit Jahren. Wir scheinen eine gleichbleibende, unsichtbare Leserschaft aus Familie, Freunden und Unbekannten zu haben. >>Kuckuck!<< Wir schieben uns auf der Landkarte weiter vom Aequator Richtug Chagos. Mal mit Wind auf die Nase oder derzeit mit weniger Wind aus West Richtung Ziel. Was ist das eigentlich? Chagos. Erst mal sind es noch 150 Meilen dahin und um Chagos tummeln sich Unmengen von Seglerlatein, Geschichten, Maerchen und wahre Gegebenheiten. Chagos, ein Archipel aus Untiefen die aus tausend Meter senkrecht emporsteigen. Alles fest in britischer Hand, also britische Krone. Im Sueden Diego Garcia, ein Atoll an die U.S. Streitkraefte verpachtet, gelegen, mittem im indischen Ocean. Das amerikanische Auge im Indik. In der Mitte, die Great, kreisrunde, hundert Meilen messende Chargos Bank, etwa 20 Meter unter Wasser, eine der letzten unberuehrten Unterwasserparadiese der Welt? Waeren die Japaner oder Indonesier hier, duerften sie hier sein, hier wurde nichts mehr leben, sondern in japanische Sushibars und indonesischen Maerkten angeboten. Aber egal. Es soll unberuehrt und streng von der britischen Krone kontrolliert sein. Im Norden des Archipels, das Unterwasseratoll Speakers Bank mit 30 Meilen Durchmesser, mit 10-40 Meter, ein ganz von mir vermutet, fanatastischer Tauchplatz, mittem im indischen Ocean. Zwischen den beiden Baenken, Pero Banhos und Solomon Islands. Beides die Ziele von etwa 20-60 Fahrtensegler pro Jahr, die hier einige Monate bis zu einem halben Jahr verbringen, Robinson spielen und wundersame soziale Strukturen entwickeln. Rund 1.000 Meilen von den Seychellen entfernt, 1.800 Meilen von Thailand, nicht jedermanns Sache um mal eben ein Island anzulaufen. Wir werden sehen, weil viel mehr wissen wir eigentlich auch noch nicht. Nur die Geruechtekueche brodelt wie wild. Eigenartige Geschichten kusieren. 1996 soll eine wilde blonde Einhandseglerin zu Ihrem Geburtstag alle Einhandsegler vernascht haben. Mit Erektionen ungeahnter Groessen liefen diese nach Genuss eines von der Hexe gebrauten Getraenks nackt am Strand lang. Ein Amerikaner hat sich in der letzten Saison auf dem unbewohneten Eiland ein Stueck Strand abgesperrt und sitzt abends mit Sundowner und Schrotflinte bewaffnet, bewacht sein Terrain vor italienischen und franzoesischen Seglern, die das Riff leer hapunieren. Gott sei es gedankt. Der Wind hat endgueltig auf West gedreht. Heute morgen noch so schwach, dass Micha den Motor zuschalten musste, doch seit Mittag herrscht Friede zwischen dem staandigen Feinden Wind und Skipper, Strom und Welle. 3,6 Knoten, der Wind nimmt zu. Die Stroemung weiterhin mit 1,5 Knoten gegen den Skipper. Gut das der Skipper zwei so nette Frauen an Bord hat, die ihm das Leben versuessen. Maya war uebrigens seekrank, das arme Geschoepf Gottes. Doch seit gestern wird wieder gestanden, egal bei welchem Neigungswinkel der Lady, na ob das mal eine Zirkusakrobatin wird? Zurueck zum Leser. Bei der Frage Chagos wo ist das ueberhaupt muessen ja schon viele passen. Ehrlich gesagt, in der Karibik wusste ich auch noch nicht so genau wo das ist. Aber was kann man erwarten? Liegt Lanzarote nun im Mittelmeer bei Mallorca oder bei Ibiza vor der afrikanischen Kueste. Wieviel verstehen unsere Leser? Was verstehen sie nicht? Was muessen wir eklaeren, was koennen wir voraussetzten? All diese Fragen gehen uns manchmal durch den Kopf. Da berichten wir seit sechs langen Jahren ueber ein Leben, meist um den Aequator mit seinen Hoehen und Tiefen, meist ehrlich und einfach nur so, ohne kommerzielle Interessen und hunderte von Menschen lesen den ganzen privaten Muell ;-) ohne mit der Wimper zu zucken, schauen sich vielleicht nur das dazugehoerige Bild an. Leser gibt es, die unsere Seiten doch noch irgendwann neu finden und verbringen Tage mit dem Aufarbeiten unserer Erlebnisse ab 2000. Upps. Warum schreiben wir eigentlich so wild? Doch >>Familienalbum?<< Selbstwertgefuehl, Gewohnheit? Ich muss jetzt erst mal nen ordentlichen Schluck aus der Buddel nehmen. Es ist nach 12, bevor ich weiterschreibe. Mut antrinken? ;-)

04:15 Bis gerade war alles gut. Hier ist keine Schifffahrt, als ab in die Koje und Augen zu. Alle halbe Stunde steht mal jemand auf und macht nen Rundumblick. Wenn was ist, sich naehert, weckt einen der siebte Sinn.

Vor einer halben Stunde weckt mich mein siebter Sinn. Squall. Klein. Eigentlich nur ein paar grosse Wolken, aber in der Empfindlichkeit des Westwinds mit acht Knoten, reisst so ne Wolke nen Loch in die Thermik. Jetzt ist sie Nordoestlich von uns und der schoene Kurs, 204 Grad nach Chagos is dahinne, ich wach und der Wind is wech. Tja, sieht mal wieder nach Hoehe machen aus. Nachher, wenn es hell ist. Im Moment sitze ich mit meinem gruenen Segel-Flies-Pulli bei 29 Grad im Cockpit und friere bitterlich. Das kann ja noch was geben.






  • 04:15
  • 11.04.2006
  • 02°23.85S, 073°14.73E
  • Suedindischer Ocean
  • Chagos
  • 27°C
  • 2 SW
  • 1

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