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Wunden lecken

20:00 Hat alles so schoen geklappt. Mit dem Nordwind auf der Vorderseite des Trogs die 50 Meilen nach Anatom. Ist doch kein Problem. Eher zu wenig als zu viel Wind, die Lady laeuft wie auf Schienen und wir muessen Reffen damit wir nicht zu frueh ankommen. Dann zum Schluss der letzten Wache von Natale, um 4 Uhr morgens passiert es. Der Trog, erwartet fuer Freitag Mittag ist 10 Stunden zu frueh. Die vollen Segel flattern, weil ploetzliche Windstille, zwei Minuten spaeter 40 Knoten aus Nordwest. Halleluja, Natale konnte in der stockfinsteren Nacht natuerlich nix sehen, schreit um Hilfe um die verdammten Segel reinzubekommen und ich falle aus der Koje, vor Schreck und weil die Lady, gepruegelt von den peitschenden Regenboen auf der Seite liegt. Unser Gast liegt wie ein Haufen Elend auf der Salonbank und sagt gar nix mehr. Mit der Rettungsweste unterm Arm ins Cockpit, jetzt fehlt natuerlich die doofe Steuersaule, viel Platz, aber nix zum Festhalten. Scheisse. Wo kommt denn nur dieser Wind her. Natale hat schon fast alles drin, dass Gross machen wir gemeinsam und die Windboen legen uns trotz fehlender Segel immer noch auf die Seite. Naechstes Problem, wir stehen 5 Meilen noerdlich von Anatom im Legerwall, dass heisst, dass der Wind uns auf die Kueste zutreibt. Ich werden panisch, seit zwei Stunden geschlafen, habe ja keine Ahnung wo wir stehen, Sicht etwa 100 Meter, Regen in Badewannen. Diese Inseln muessen verhext sein. Das GPS gibt keinen Fix, braucht ewig lange um seine Satelliten zu finden und Natale, die natuerlich in etwa weiss wo wir uns befinden, versucht mich zu beruhigen. Das ist ein bisschen schwer, weil ich an der Pinne klebe und die Lady die brechende Seen mit 30 Grad und Wind im Ruecken herunterschiebe. Die See kocht, lange phosphorleuchtende weisse Streifen lassen uns die Wellen nur erahnen. Wo ist hier eigentlich oben, wo ist unten. Trotz Oelzeug bin ich nass bis auf die Unterhose. Gut das das ueberkommende Seewasser wenigstens warm ist. Splasch! Wieder ein Brecher auf die Seite. Wir haben noch etwa 3 Quadratmeter Trysegel am Gross stehen und rennen mit 5 Knoten Richtung Ost, Suedost, hoffentlich an den Riffen von Anatom vorbei. Der Wind schreit, ich muss die das Verdeck vorm Wegfliegen hindern, lasse die Pinne los und ploetzlich ist Ruhe im Schiff. IRON LADY segelt lieber selber, legt das Ruder auf Lee, dreht mit dem kleinen Trysegel bei und mit 2 Knoten treiben wir geradewegs 90 Grad Ost auf die offene See. Eingeparkt sozusagen. Die Situation ist gerettet. Tolles Schiff. In zwei Stunden wird es hell und wir warten, dass der Trog vorbeizieht. Der aber laesst sich Zeit und ueberschuettet uns weiterhin mit Tonnen von Regenwasser. Das soll noch bis 7 Uhr dauern, Natale versucht eine Muetze Schlaf zu finden, ich kauere frierend im Cockpit. Genauso schnell wie alles angefangen hat nimmt es auch sein allerdings bitteres Ende. Wind weg. Trog ist durch, kein Wind mehr. Jetzt wird es erst richtig schlimm. Das aufkommende Morgenlicht laesst uns die kabbeliege alte Kreuzsee bewundern. Schwipp, Schwapp, vier bis fuenf Meter hohe Wellen aus allen Richtungen. Alter Schwell, Windsee aus NE, aus NW, aus SW, allen Richtungen, in der der Trog geblasen hat. Die Lady ohne Halt wir wieder von rechts nach links geworfen. Weiterhin Regen in Badewannen. Ploetzlich eine Welle von oben ueber die Lady. Was war das? Natale sieht noch den riesigen tuerkisen Lichtfleck am Heck der Lady. Wahrscheinlich ein Wal, den wir geweckt oder erschreckt haben. Armer Kerl. Kann aber nix passiert sein. Unsere Fahrt: 0,5 Knoten. Gross raus, die Lady findet wieder etwas Halt im verbleibenden Wind, Die See ist schrecklicher, grausamer ohne Wind. Jeder der das schon mal erlebt hat, weiss das. Diskussion. Natale sagt Nord und zurueck nach Port Resolution, weil wir bald schon Wind aus SW bekommen werden, ich setze mich durch und mit 1000 Touren Motorunterstuetzung pruegeln wir die arme Lady handgesteuert ueber jeden Brecher (rumms!) 5 Meilen Sued bis nach Ichepthav, einer nach Norden offenen Bucht, an der Nordkueste von Anatom. Tja, und da liegen wir jetzt vor Anker, versuchen unsere Sachen zu trocknen, schaukeln in der reinrollenden See. Aber immer noch besser als draussen in der alten 3 Meter hohen See zu versuchen zu segeln. Und um noch einen drauf zu setzten faellt das Baro innerhalb von einer Stunde um 6hpa. (So kuendigt sich ein nahender Sturm an) Flugs sind wir wieder in unserem Regenzeug und mit dem Herz in der Hose diskutieren wir, ob es nicht besser waere rauszugehen auf die offene See um einen weiteren Trog ??? abzuwettern, doch wir warten erst ab und was ist. Falscher Alarm. Wahrscheinlich zieht das ausgepustete Tief ein paar hundert Meilen suedlich von uns Richtung Osten. Schlafen. Morgen ist ein neuer Tag.






  • 20:00
  • 18.06.2004
  • 20°08.43S, 169°46.64E
  • Anatom/Vanuatu
  • 27°C
  • SE 1
  • 1,5 Swell

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