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Landfall Amaru

17:53 Mann, Mann war das ein Tag. Die ganze Nacht sind wir zwischen Hao und Amanu gekreuzt, beigedreht und was weiss ich nicht noch alles, um zur richtigen Uhrzeit am Pass zu sein. Dann waren wir zu weit draussen. Zurueck ist der Pass nicht zu sehen. >>Das Loch da?<<, frage ich Nathalie. >>Gut. Dann mal Augen zu und durch!<< Mir zitternd die Knie, aber alles ist ganz einfach, die auflaufende Tide zieht uns ohne Motor in den Pass und um die Ecke, laufen wir in den nicht einmal eine Schifflaenge breiten Pass. Ich habe fast nichts am Ruder gemacht. Wir strahlen ueber beide Ohren, der NE blaest uns mit 25 Knoten. >>Und nu?<<, beginnt der Spass. Es gibt eine Mouringtonne, wohl von alten Wasserflugzeugen, von der Lady nicht erreichbar, nur mit dem Dinghy zu machen. Es steht 1,5 Meter Windwelle am Ankerplatz. Uns fehlen zwei Haende und was sollen wir machen. Nah bei der Boje schmeissen wir das Eisen in den Korallengrund. Dinghy runter, Leinen an die Boje, es regnet. Zurueck zur Lady und jetzt geht der Spass erst richtig los. Der Buegelanker hat sich hoffnungslos in den Korallen verharkt. Prima. Wir mussen den Anker dort lassen mit 60 Meter Kette an einem Fender markiert. Das ist uns noch nie passiert. Die Lady ohne Anker, dass ist wie ein Auto ohne Bremse. Wir leinen uns mit Kette und Trosse an der sicheren Mouring an, die Lady tanzt in der Windsee der Lagune. Das Chaos ist perfekt. Wir beschliessen die Lady erst einmal sicher dort zu lassen und zwecks Lagebesprechung anzulanden. Es gibt einen kleinen Hafen fuer die Fischerboote, durch zwei Bojen geht es in flaches Wasser von der Groesse eines halben Fussballfeldes. Die Kinder begruessen uns, Schweine laufen durch das Dorf, Kopra wird zum Versand fertig gemacht. Das ist alles zu viel. An jeder Ecke werden unsere Haende herzlich gedrueckt und Natale glaenzt mir perfektem Franzoesisch. Ich nicke nur neidisch. Wenigstens kann ich der Kommunikation schon folgen, aber nichts sagen. Dumm gelaufen. Vor dem Magazin sitzen wir, fragen uns was wir machen. Ein kuehles Bier? Negativ. Die Regale erinnern mich an die kapverdischen Inseln. Gehnend leer. Die Schweine haben Namen wie Hunde und hoeren auch so. Gehen auf Platz und so weiter. Kulturschock. Immer wieder werden wir an die Hand genommen von verschiedenen Einheimischen durchs Dorf gefuehrt, bekommen vier grosse Zackenbarsche geschenkt. Den Fischern erzaehlen wir unser Missgeschick. Farekura (rotes Haus) und Roger wollen uns helfen. >>Wann?<< >>Jetzt!<< Die Beiden kommen mit dem Fischerboot aus Speerholz und Powerdrive. Apnoetauchend verschwindet Roger in den Tiefen. Ich springe auch rein, weil er nach anderthalb Minuten noch nicht wieder auftaucht. 15 Meter, drei Grauhaie und Roger sieht nach unserem Anker. Ich werde weggeschickt, die Lady zu holen. Natale am Steuer, ich an der Lofrans Winde, die Jungs im Wasser. Vor und zurueck, recht, links, mehr links… Nach 20 Minuten haben wir wieder eine neue Bremse. Uns faellt die Zugspitze vom Herzen. >>In den Hafen?>>, unglaeubig schaue ich, verlockend dort das ruhige Wasser, die Palmen, ein Kai und vier Meter stilles Wasser. Am Eingang taucht Roger und wir fahren langsam ueber das Saumriff. >>Schramm<< aber unserem festen Stahlkiel macht das nichts. Roger erweitert schnorcheld die Einfahrt, Korallen bekommen eine neuen Platz, das Lot zeigt ein Meter. Roger winkt und glitsch sind wir im Loch wie die perfekte Billardkugel. Den Anker gegen die Tradewinds an langer Kette, fuehlen wir uns sicher, auch wenn es natuerlich anfaengt zu kacheln, die Kette etwas hier und da rappelt. Egal. Alles besser als am Ende in der 30 Meilen langen Lagune zu haengen und die Nacht 2 Meter Wellen abzuwettern. Farekuna und Roger sind sofort Freunde der Lady und ich gebe ihnen zwei meiner T-Shirts. Ohne ein Dankeschoen nehmen sie an. Soll so richtig sein, sagt Natale. Polynesier bedanken sich nicht und schenken ist normal. Wir trinken brav Kaffee. Es wird geredet und erzaehlt mit Haenden und Fuessen. Eine halbe Stunde spaeter sind die Freunde von Bord und wir leeren die Flasche Sekt, fallen tot ins Bett. Neuer Tag, neues Glueck.

05:05 Es pfeift ganz schoen. Natale hat sich die Muedigkeit weggeschrieben, mich aber kaum aus dem Bett bekommen. Wir laufen noch mit 3 Knoten nach Norden, warten auf die Daemmerung, um dann naeher an den Pass ranzukommen. Im Moment weiss nur der Computer darzustellen wo wir sind. Wir glauben ihm, weil es bei der Durchfahrt durch die Inseln mit dem Radarbild uebereinstimmte. Da gehoert dann aber schon etwas Uebung dazu, dem gruenen Geflimmer auf schwarzem Grund zu trauen. Ich hab dann passend von brechenden Ankern auf Pitcairn getraeumt ?!X?

In einer Stunde wissen wir mehr, dann geht die Sonne auf. Wenn das jedes Mal so nen Akt ist in ein Atoll reinzufahren, dann wird die Verlegung des Ankerplatzes ja immer schoen spassig sein. Der Ankerplatz in der Lagune ist nach SE offen. Ich bin ja mal gespannt wie nen Flitzebogen.

02:46 Amanu scheint wirklich ein verschlafenes Nest zu sein. Waehrend Hao auf der anderen Seite mit Flughafen und Strassenbeleuchtung blinkt und blinzelt, liegt Amanu voellig im Dunkeln. Ungefaehr 100 Menschen sollen auf der Insel leben.
Ganz anders Hao, der ehemalige Militaerstuetzpunkt. Heutzutage, nach Beendigung der Atomversuche wird Hao allerdings nicht mehr von Fremdenlegionaeren bevoelkert, sondern von einer anderen Gruppe Menschen, die man ueberall sonst in den Archipelen vergeblich sucht – Teenager! Ab der 7. Klasse, also ab dem 11. Lebensjahr, werden die Kids ins Internat nach Hao gesteckt, der einzigen weiterfuehrenden Schule der Gambiers und Tuamotus. Wer es sich leisten kann und sich nicht von seinen Sproesslingen trennen will, zieht fuer die Zeit nach Tahiti, zumindest die ersten Jahre. Es st schon seltsam, wenn eine Alterschicht voellig fehlt auf den Inseln. Keine gackernden Teeniemaedchen, die mit ihren ersten Schminkversuchen prahlen, und versuchen, die Hueften zu schwingen, keine Jungs, die laessig an Gartnezaeunen lehnen und meinen, die waeren schon soooo erwachsen. Irgendwie schade, aber es kann nun mal nicht auf jeder Insel mehr als die Grundschule geben.

Aber eigentlich sind wir immer noch nervoes und ich versuch mich gerade abzulenken. Micha uebertreibt zwar ein bisschen, dass wir angeblich ueberhaupt nicht wissen, wann denn nun Stillwasser ist. Aber ein bisschen recht hat er schon. Die Literatur widerspricht sich andauernd, meist sind es immerhin Unterschiede von einer Stunde. Na ja, wir werden im Morgengrauen dort sein, unser berechnetes Stillwasser ist gegen halb neun und zum Glueck haben wir ja auch noch Augen im Kopf. Und den ganzen Tag Zeit, den Pass auf und ab zu fahren, bis er passierbar aussieht. Und – der Bobby war auch schon da, kann doch nichts schief gehen! ;-)

00:05 So wird es wohl den ganzen Tag bleiben. Erst einmal mitten in der Nacht zwischen den 9 Meilen auseinander liegenden Atollen Hao und Amanu durch. Auf der anderen Seite dann in den Schwell- und Windschatten von Anamu und beidrehen. Warten bis Sonnenaufgang und dann bei Slakwater durch den Pass. Wann nun Slagwater ist, ist vollkommen unklar. Wir werden sehen. Im Blindflug durch die unbeleuchteten Insel ist schon anstrengend und aufregend genug. Wir schlafen trotzdem in der Freiwache, doch irgendwann reisst einen ein Saumriffalbtraum aus den Federn. Gerade hab ich wenigstens eine erste Peilung mit dem Radar bekommen, was die anschauliche Position auf dem Computer dann unterstuetzt und mich wenigstens fuer 20 Minuten runter an die Navigation holt.






  • 00:05
  • 07.06.2003
  • 18°02.52S, 140°48.23'W
  • Hao
  • Amanu
  • 25°C
  • SE 2-3
  • 2

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