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High Dive

High Dive

Schon wieder ein Tag vergangen, vorbeigerast, voller Erlebnisse und Eindruecke...

Ein Morgenspaziergang zum benachbarten Dorf Ranon, das Zentrum fuer Holzschnitzereien, riesige TamTam-Trommeln und Organisator des alljaehrlichen ROM-Dance-Festival, laesst uns nachdenklich nach Hause wandern. Viele alte white-man-buildings verrotten zwischen Wellblech- und wenigen Bambushuetten. Den erwarteten romantischen Banyanbaum mit den Maenner, die im Takt schnitzen, finden wir nicht. Stattdessen fuehrt uns Barry durchs Dorf, zeigt uns seine eigenen Schnitzereien, die nicht annaehernd so schoen sind, wie Josephs. Er zeigt uns den Platz, extra fuer Touristen angelegt, auf dem die Custom-Dances vorgefuehrt werden. Geoffrey kommt dazu und bietet an, irgendwelche Magie vorzufuehren, good magic, not black magic, small fee. Bisschen verschmitzt grinst er schliesslich, merkt, dass wir nicht mal eben 10 Dollar auf den Tisch legen, um irgendeine Zeremonie zu sehen. Wir einigen uns auf die greifbareren Dinge, spaeter am Nachmittag kommt er mit Bananen, Kokosnuss und Kohl zum Boot, einzutauschen gegen Corned Beef. Weiter geht es durchs Dorf, Barry ist trotz der etwas deprimierenden Stimmung im Dorf ein guter Fuehrer, erklaert uns viel ueber die grossen Trommeln, frueher benutzt als Kommunikationsmittel. Sie erinnern ein bisschen an Totempfaehle, gekroent wird die Trommeln von mehreren sich verjuengenden Koepfen. Zwei Koepfe darf jeder schnitzen, aber dann wird es teuer. Jeder Kopf mehr, muss teuer bezahlt werden, mit Schweinen deren Hauer zu vollendeten Kreisen gewachsen sind, oder normalen Schweinen plus Geld, viel Geld. Nur ein einziger Mann auf Ambrym darf 5 Koepfe schnitzen, eine dieser riesigen Trommeln ueberwacht den Dorfplatz. Fotografieren kostet, murmelt Barry, Wille des Besitzers. Also kein Foto.

Wir nehmen es den Einwohnern nicht uebel, dass sie fuer viele Dinge Geld verlangen, die Copra Preise sind sehr tief im Moment, eine andere Einnahmequelle gibt es kaum, ausser einm Job in Vila. Kein Wunder, dass der Tourismus eine lohnende Einnahmequelle ist. Doch wir koennen eben nicht bei jedem Dorfbesuch fuer die verschiedensten Dinge Geld hinblaettern. Manche verstehen das, andere nicht, wie ueberall auf der Welt. Barry versteht, Geoffrey auch, das macht sie sympathisch, doch wirklich anfreunden, koennen wir uns mit diesem Dorf nicht.

Zurueck zum Boot, die Sonne kommt raus, endlich wieder ein bisschen blauer Himmeln, perfektes Tauchwetter. Aussenborder aufs Dinghi, Flaschen fertigmachen und los geht es. Denken wir, aber hier ist eben Vanuatu, ein winkendes rotes T-Shirt steht am Strand. Joseph, wollte vor zwei Stunden kommen, zum Tauschen. Waren gegen die Figur, die es uns so angetan hat. Ins Dorf sollen wir nicht kommen, wegen der neidischen Blicke der anderen, besser auf dem Boot tauschen. Na gut, aber nur kurz.

Wir holen T-Shirts, Baseballcaps, Taschenlampe, Taschenmesser und ein paar gute Flossen von Micha hervor. Ein harter Handel beginnt. Joseph will eigentlich am liebsten die Hose von Micha, die er gestern trug. Das geht nun wirklich nicht, die kam gerade mit den Maedels aus Deutschland eingeflogen, da alle anderen schon hundertmal geflickt sind. Aber, die hat eben so viele Taschen, mit Reisverschluessen und koennten wir nicht doch. Nein. Ich werde langsam weich, trage immer noch meinen Neoprenanzug, Schweiss laeuft mir den Ruecken herunter. Bitte Joseph, entscheide Dich. Hin und her, Spiegel bitte. 5 Minuten wechselt er von einer Muetze zur naechsten, kann sich nicht entscheiden. Doch die Hose? Irgendeine Hose? Nein. Habe mittlerweile einen Salzsee im Anzug, lange halte ich das nicht mehr aus. Irgendwann sind wir uns einig, alle gluecklich. Schluss jetzt, Joseph wird an Land gebracht und wir kommen endlich zu unserem Tauchgang.

Werden mehr als belohnt, die Sicht, fast 30 Meter. Sobald wir die Ecke erreicht haben, wo die Bucht in die offene Kueste uebergeht, begruesst uns eine Steilwand. Dicht bewachsen mit gesunden Korallen, endlos in die Tiefe reichend. Das Blau des Wasser noch tiefer und dunkler, als ich es kenne, wahrscheinlich durch den schwarzen Fels und Sand, der soviel verschluckt. In dieser dunklen Tiefe leuchten immer Farben an der Steilwand auf, wunderschoene Korallen, tropische Fische und schreiend orangene Nacktschnecken. Die Kamera ist nicht dabei, aber das macht nichts, viel mehr geniessen wir diesen wunderbaren Tauchgang in 35 Meter Tiefe. Napoleon ist auch wieder dabei. Dazu ein Schwarm riesiger roter Schnapper.

Nach fast einer Stunden stecken wir wieder den Kopf aus dem Wasser und werden von lautem Gejohle begruesst. Fast das gesamte Dorf, vor allem die Kinder, sind auf den schwarzen Felsen und Klippen versammelt und warten darauf, dass wir wieder auftauchen. Komme mir vor wie ein Clown in der Manege, als ich mich erschoepft wieder ins Dinghi hiefe. Lautes Gelaechter und Gekicher.

Frueher Abend, die Tauchklamotten haengem zum Trocknen auf der Leine, wir besuchen Joseph, erstehen stolz unsere Holzfigur und feiern das Ereignis mit ein paar Schalen Kava und der halben Familie. Viel wird erzaehlt, gefragt, gelacht. Ein wunderschoener Tag in Vanuatu, was kommt wohl morgen?



  • 12:38
  • 19.08.2004
  • 16°15.34S, 167°55.20E
  • Ran Vetlam/Ambrym/Vanuatu
  • -
  • 26°C
  • SE 1
  • -

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