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die Lady lebt

19:10 Einfach war er nicht, der Weg heut morgen zur Lady.
Schon kurz vor sieben verlassen wir mit Gepaeck und ohne Fruestueck unser Hotel, um den Anlegesteg fuer die Boote zu den Rosarios aufzusuchen.

Im nu, ja wir sind wieder in Suedamerika, wuseln 1000 Menschen um uns herum und wollen Fahrten auf die Rosarios und anderes verkaufen. Wir handeln wie auf einem tuerkischen Basar, und kommen doch nicht auf den Preis, den Micha auf der Hinfahrt bezahlt hat. Nun gut, heute steht der Gringo-Touri auf unserer Stirn, kein Wunder bei den vielen Koffern, Taschen und der Deutschland-gebleichten Haut. Also finden wir uns mit dem besten Preisangebot ab und lassen uns mit Kaffee, Fruehstueck und frischem Obstsaft besaenftigen.

Doch das Problem geht weiter. Dazu muss man wissen, das haeufig nicht die Menschen die Preise aushandeln, die das Geld verdienen, sondern Vermittler, dementsprechend schlaegt der Bootsfuehrer, der uns fahren soll, bei unserem Anblick die Haende ueber dem Kopf zusammen und will nochmal 5 Dollar extra fuer das Gepaeck, ach ja und nochmal 5 Dollar Steuer fuer die Insel…

Uns reicht es! So nicht! Wir zahlen ja ohne Murren einen gewissen Touri-Aufpreis, aber abziehen lassen wir uns nicht. Das naechste Taxi ist schnell gefunden und auf geht es zum Mercado publico, wo mein Michi damals ausgestiegen ist!

Ohne unseren Willen draengt sich schon der naechste Kolumbianer ins Taxi und will suchen helfen. Wir sind schon des Protestierens muede, soll er doch mitfahren, wenn er will.
Und immer mit drei Koffern, Reisetaschen und viel Handgepaeck.

Doch wer viel sucht wird auch belohnt, am Marktanleger finden wir auf Anhieb Estefano, den Fahrer, der seit drei Wochen auf unserer Lady uebernachtet, damit keiner sie mitnimmt. Alles gut, normaler Preis, die Lady lebt und wir atmen auf.

Es folgt noch ein kurzes Wortgefecht mit dem Kolumbianer, der sich in unser Taxi gedraengt hat und nun der Ueberzeugung ist, uns einen Dienst erwiesen zu haben, so dass wir ihm mindestens ein paar Dollar und die Taxikosten schuldig sind…Bei der Gelegenheit merke ich, dass mein Spanisch noch nicht vergessen ist…

Die Fahrt zu den Inseln ist wunderschoen, der Fahrtwind pfeift um die Ohren, das Wasser wird blauer und blauer und blauer. Eine seltsame Stimmung zwischen Abschiedsschmerz und Ankommensfreude ergreift mich. Ich schliesse die Augen, rieche das Meer und weiss nicht, wo mein zu Hause ist.

Seltsam, das Ankommen, viele Stunden Fliegen gegen viele Tage Segeln, den Ozean, den wir muehsam ueberquert haben, sahen wir nun in Miniatur aus 10.000 Metern Hoehe. Alles viel schneller, seltsam.
Doch da taucht schon der Mast der Lady zwischen den Rosarios auf, sie schwimmt, sie lebt und es wird keine Stunde mehr dauern, bis wieder Leben auf ihr herrscht.

Wann kommt ihr wieder nach Hause? Wie oft haben wir diese Frage in den letzten drei Wochen auf Heimaturlaub gehoert. Doch alle ist anders.

Nach unzaehligen Stunden im Flugzeug, nach ueberkreuzen unzaehliger Zeitzonen auf unserem Globus, stehen wir in einer der unzaehligen Menschenschlangen vor einem Abfertigungsschalter in Bogota / Kolumbien. Eine unserer Reisetaschen ist irgendwo von irgendjemanden geoeffnet worden. Zwei Pactormodems, orginalverpackt fuer Segelfreunde von uns aus Deutschland mitgebracht, haben einen neuen Besitzer gefunden. Wert je 650 USD. Die Fluggesellschaft soll den Schaden ersetzen, aber wir glauben das erst, wenn das Geld bei uns angekommen ist, und das kann bekanntlicherweise dauern wird und den Stress haben wir. Wir wuenschen dem neuen Besitzer viel Spass mit diesen Spezialgeraeten, die er nicht auf der Strasse verkaufen kann, weil niemand versteht, was diese Geraete koennen. Sollte sich doch jemand finden und dieser die neue Firmware installieren wollen, wird er vom Hersteller in Deutschland kein Passwort bekommen, weil die Geraete als gestohlen gemeldet sind. Der Aufdruck: >>Made in Germany<< ist halt doch manchmal vielversprechender, als man denkt... Aufregen tun wir uns beide nicht mehr so richtig. Zu lange schon sind wir weit weg von Europa, wo alles anders ist. Zwei Stunden spaeter landet unser Flugzeug in Cartagena. 28 Grad mitten in der Nacht. Natale hechelt, ich atme auf. Wieder zu Hause fuehle ich mich. Hier und nicht in einer Mietwohnung in Deutschland, wo beim Blick aus dem Fenster die naechste Hauswand ihr truebes Grau den Tag beginnt. Mit dem Taxi geht es in ein kleines Hotel in der Altstadt. 8 USD und das saubere Zimmer mit Dusche, WC und dem obligatorischem Deckenventilator gehoert uns. Zwei Cokeflaschen stehen neben dem harten Bett und dem duennen Laken. Natale und ich schlafen sofort ein, die Sonne ist schon seit 19 Uhr ausgeknipst und wir erleben den tropischen Morgen ab 4 Uhr Uhr ausgeschlafen mit dem Blick auf die gruenen Pflanzen im Hinterhof der Hotelanlage. Seit drei Wochen schickt die Lady jede Stunde ihre Positionsdaten von St.Martin de Paradiso ueber OrbComm und deren Satelliten ins Internet zu uns. Keine Marina sondern nur eine geschuetzte Korallenlagune war das Heim unserer alten Dame. Da liegt sie immer noch und die Menschen dort passen auf sie auf. Aber nach der Geschichte mit den Pactormodems fragen wir uns natuerlich, ob sie auch so komplett ist, wie wir sie dort verlassen haben. Natale meint, ich soll mir keine Sorgen machen, aber ich weiss, dass sie sich selber sorgt und deshalb packen wir jetzt unsere sieben Sachen, suchen uns ein Schnellboot, was uns zu den Rosarios rausfahren wird. Nach Hause.






  • 19:10
  • 02.07.2002
  • 10°10.70'N, 075°46.28'W
  • Las Rosarios/Kolumbien
  • -
  • 28°C
  • 5-6 N
  • 0,5

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